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In Hauptwil ist die Industriegeschichte dank der alten Gebäude lebendig

Zwischen Weinfelden und Hauptwil haben Sornbach und Thur die Industrialisierung vorangetrieben. Vor allem im kleinen Dorf an der Kantonsgrenze ist die Geschichte durch die Bauzeugen lebendig geblieben.
Larissa Flammer
Das Schloss Hauptwil war Wohn- und Geschäftssitz der bedeutenden Kaufmannsfamilien während der Industriehochzeit. (Bild: Larissa Flammer)

Das Schloss Hauptwil war Wohn- und Geschäftssitz der bedeutenden Kaufmannsfamilien während der Industriehochzeit. (Bild: Larissa Flammer)

Die Gemeinde Hauptwil-Gottshaus hat 1999 den Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes erhalten. Honoriert wurden damit die Bemühungen, die industrielle Kulturlandschaft aus drei Jahrhunderten zu erhalten und neuen Nutzungen zuzuführen. Vor allem Hauptwil ist das beste Beispiel dafür, wie industrielle Bauten aus vergangenen Jahrhunderten in ein heutiges Dorf eingefügt werden können. Sowohl ehemalige Arbeiterhäuser wie auch damalige Fabrikantenvillen zeugen von der bewegten Industrie-Geschichte.

Dass der Weiler zu einem Dorf mit überregionaler Ausstrahlung wurde, hat er den Karpfenweihern zu verdanken, die das Chorherrenstift St.Pelagius in Bischofszell um 1430 anlegen liess. Bis gegen Ende des 19.Jahrhunderts wurde die Industrie in Hauptwil nämlich alleine durch Wasserkraft angetrieben. Möglich wurde dies durch die ausgeklügelte Nutzung der Fischzuchtweiher, Kanäle und des Sornbachs – laufend optimiert von den prägenden Kaufmannsfamilien Gonzenbach und Brunnschweiler.

Das älteste Arbeiterwohnhaus der Schweiz

Bis 1670 entstanden unter der Regie der Brüder Gonzenbach rund vierzig Wohn- und Gewerbehäuser in Hauptwil, was ein einmaliges Ereignis in der ostschweizerischen Industriegeschichte war und grosses Aufsehen erregte. Beim Spaziergang durch das heutige Dorf sind einerseits herrschaftliche Fabrikantenvillen zu sehen, andererseits bescheidene Arbeiterwohnhäuser.

Der «Landbau» ist der älteste bekannte Arbeiterwohnungsbau dieses Typs in der Schweiz. (Bild: Larissa Flammer)

Der «Landbau» ist der älteste bekannte Arbeiterwohnungsbau dieses Typs in der Schweiz. (Bild: Larissa Flammer)

Die kleinen Einzelbauten der Arbeiterwohnungen wurden zu Langbauten zusammengebaut. Die drei Reihenhäuser Langbau-Kurzbau-Gelbbau bilden heute noch ein Dreieck im historischen Ortskern. Der «Langbau» ist das älteste bekannte Beispiel eines Arbeiterwohnungsbaus dieses Typs in der Schweiz. In der Denkmaldatenbank des Kantons heisst es dazu: «Sollte gelegentlich renoviert werden.»

Im Schloss ist es ruhig

Das auffälligste Gebäude in Hauptwil ist das Schloss. Erstellt wurde es im 17.Jahrhundert von den Brüdern Gonzenbach und ist von der Gesamterscheinung her dem Spätrenaissancestil zuzuordnen, wie der Architektenverein SIA Thurgau schreibt. Zwischen 1891 und 1951 betrieb die Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Thurgau im Schloss eine Haushaltungsschule, bis vor kurzem diente es als Altersheim. Erst vor wenigen Jahren wurde zudem der Schlossgarten zu einem barocken Garten umgestaltet. Im Moment ist es allerdings ruhig im Gebäude, das in Privatbesitz ist. Der SIA schreibt:

«Leider konnte für das Anwesen wegen des grossen und kostspieligen Sanierungsbedarfs keine langfristige Umnutzung gefunden werden.»

Ein weiteres herrschaftliches Gebäude ist das «Kaufhaus» an der Hauptstrasse, das im 18.Jahrhundert zum Wohnhaus der Familie Gonzenbach wurde. Auch der deutsche Dichter Friedrich Hölderlin verbrachte dort einige Monate als Hauslehrer. Das «Kaufhaus» ist heute noch bewohnt.

Das «Kaufhaus» an der der Hauptstrasse von Hauptwil. (Bild: Larissa Flammer)

Das «Kaufhaus» an der der Hauptstrasse von Hauptwil. (Bild: Larissa Flammer)

Ein Industrielehrpfad führt zu den alten Gebäuden

Nach der Textilfamilie Gonzenbach prägte vor allem die Fäberfamilie Brunnschweiler das Dorf. Ihr und ihrem Baumeister ist es zu verdanken, dass in Hauptwil viele sogenannte Pisé-Häuser aus Lehm entstanden. Es ist heute das Dorf mit der grössten Anzahl historischer Lehmhäuser in der Schweiz.

Zu diesen und zu einigen anderen Bauzeugen führt seit mehr als 20 Jahren ein Industrielehrpfad. Dieser thematisiert die Gebäude des Industriezeitalters und die dazugehörigen Gewässersystemen in den Dörfern Bischofszell und Hauptwil.

Der Industrielehrpfad führt durch Hauptwil und Bischofszell. Im Hintergrund das historische Tortürmli von Hauptwil. (Bild: Larissa Flammer)

Der Industrielehrpfad führt durch Hauptwil und Bischofszell. Im Hintergrund das historische Tortürmli von Hauptwil. (Bild: Larissa Flammer)

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