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In Goethes Fussstapfen: Gottfried Keller weilte öfters in Frauenfeld

Auf dem Weg zur Kunstmaler-Ausbildung in München stieg der spätere Dichter und Staatsschreiber Gottfried Keller öfters in Frauenfeld ab.
Markus Schär

Am 19.Juli 1819 ist in Zürich Gottfried Keller geboren, der spätere Dichter und Staatsschreiber. Von ihm sind auch Spuren von Orten und Personen im Thurgau erhalten geblieben. In Frauenfeld gehören dazu während seiner Studienzeit das Gasthaus Zum Kreuz und der gleichaltrige Freund Johann Müller, Sohn eines örtlichen Bauunternehmers. Den mehrtägigen Aufenthalt Kellers an der Murg schuldet ausgerechnet die Nachlässigkeit eines vormaligen Zürcher Staatsschreibers in Passangelegenheiten.

Auf dem Heimritt von seiner zweiten Schweizreise war schon Johann Wolfgang Goethe in Frauenfelds feinem Gasthaus Zum Kreuz abgestiegen. Nun sucht dasselbe auch der junge Gottfried Keller während seiner Reise nach München zur Ausbildung als Kunstmaler auf. Er hatte zu Hause seinen Pass vergessen und bittet seine Mutter in Zürich, ihm denselben nachzusenden. Er wartet mit Johann Müller, der ihm die Zeit verkürzt und ihn finanziell über Wasser hält.

Warten auf den richtigen Pass

Nach Tagen schreibt Keller erneut seiner Mutter: «Deinen lieben Brief habe ich samt dem Pass empfangen, welchen letzteren ich aber wieder zurückschicken muss, indem er durch die verfluchte Nachlässigkeit des Staatsschreibers nach Italien statt nach München visiert ist. Ich muss also wieder abwarten, bis er wieder nach Bern und von da zurückgekommen ist. Du wirst also so gut sein und denselben wieder in die Staatskanzlei bringen; am besten wäre es, wenn Du jemand Männlicher hinschicken könntest, der dem Staatsschreiber den Zopf machte und besorgen könnte, dass es so schnell wie möglich ginge. Ich logiere im «Kreuz», weil Müller auch da ist; aber Du darfst keine Angst haben wegen dessen; denn er bezahlt alles für mich...»

Kellers Mutter antwortet: «Mir ist es gar nicht recht, dass Du Dich so lange aufhalten musst, wenn gleich Dein Freund bezahlt; hier habe ich alles bezahlt, aber dennoch sind Deine Taler verflogen – wie und wohin, weiss ich nicht! Denke nur, wenn Du Dein Geld verbraucht hast, dass ich Dir keins mehr geben kann; es freut mich, wenn Du zu der Erkenntnis kommst und einsiehst, wie manches Jahr schon ich mich selbst vergessend alles an Dich gewendet und geopfert habe; die Hauptsache, meine mütterlichen Pflichten habe ich gewiss getan, soviel in meinen Kräften gestanden!»

Ein Lebenszeichen aus München

Schon seit der Schulzeit in Zürich ist Johann Müller aus Frauenfeld (1819–1888) Kellers Freund. Er befasst sich in München mit Architektur und Malerei und überlässt Keller dort zeitweise sein Zimmer. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt er dessen Baugeschäft in Frauenfeld und versucht später in Basel, Wien und Ungarn als Bauingenieur bekannt zu werden. Er wandert nach Amerika aus, wo er unter anderem an der Ausmessung des Michigansees beteiligt ist.

In München, wo heute noch eine «Gottfried Kellerstrasse» an den Schweizer aus Zürich erinnert, bildet sich der 21-jährige Student an der Königlichen Akademie der Künste weiter und schreibt nach Hause: «Nachdem ich den Pass erhalten hatte, führte mich Müller in einer Chaise nach Konstanz.» Das teure München und der Misserfolg bei den Bildverkäufen zwingen den Studenten jedoch, sich einzuschränken und sich mit einer Mahlzeit im Tag zu begnügen. Eine Typhuserkrankung folgt. Die kleine Erbschaft ist bald aufgebraucht. Das mit grosser Hoffnung gemalte Bild «Heroische Landschaft» bleibt unverkauft. Die Not zwingt den Maler 1842, die Zelte in München abzubrechen.

Studienabbruch und zurück im Thurgau

Der Studienabbruch und die Rückkehr nach Zürich ins Haus seiner Mutter und seiner Schwester gleicht der Rückkehr des verlorenen Sohnes. Ein umfänglicher Brief, der von Schuldabzahlungen, schlechten und teuren Abschnitten der Rückreise handelt, spricht es an: «Mutter! Endlich bin ich bis Frauenfeld gelangt... Doch muss ich enden, denn die Chaise steht vor dem Hause; Müller will mit mir ausfahren in Geschäften. Er ist sehr gut eingerichtet und führt ein beschauliches Leben... Unterdessen grüsst Euch tausendmal Euer Sohn und Bruder.»

Hinweis
Der Autor ist ehemaliger Pfarrer in Elgg.

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