In Frauenfeld zeigen die Gräber bald gen Mekka

Auf dem Friedhof Frauenfeld-Oberkirch gibt es neu ein muslimisches Grabfeld. Für Fatmir Sanakosi, Präsidenten der Islamischen Gemeinschaft Frauenfeld, geht damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. 

Rahel Haag
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Auf der Wiese hinter dem Fussweg auf dem Friedhof Frauenfeld-Oberkirch entsteht das muslimische Grabfeld. (Bild: Rahel Haag)

Auf der Wiese hinter dem Fussweg auf dem Friedhof Frauenfeld-Oberkirch entsteht das muslimische Grabfeld. (Bild: Rahel Haag)

Auf dem Friedhof Frauenfeld-Oberkirch finden neu auch Muslime die letzte Ruhe. Im nordöstlichen Teil des Geländes entsteht auf der Fläche von einer Länge von 24 und einer Breite von 12 Metern ein muslimisches Grabfeld. «Dort haben zirka 40 Gräber Platz», sagt Markus Marghitola, Leiter des Friedhofs.

Der Wunsch nach einem muslimischen Grabfeld sei schon länger vorhanden. Diesem entspricht nun der Frauenfelder Stadtrat mit seinem Beschluss. Im Vorfeld habe sich Marghitola mit Kollegen in Städten ausgetauscht, die bereits über ein muslimisches Grabfeld verfügen.

«Deren Rückmeldungen waren durchs Band positiv.»
Markus Marghitola, Leiter des Friedhofs. (Bild: Rahel Haag)

Markus Marghitola, Leiter des Friedhofs. (Bild: Rahel Haag)

Auf der Suche nach einem geeigneten Ort sei ihm wichtig gewesen, dass das Grabfeld nicht versteckt, sondern gut in den Friedhof integriert werde. «Wir haben eine schöne Ecke gefunden», sagt Marghitola. Danach sei das Grabfeld mit Bekim Alimi, Imam von Wil, Rehan Neziri, Imam von Kreuzlingen, und Fatmir Sanakosi, Präsident der Islamischen Gemeinschaft Frauenfeld, besichtigt worden. Auch sie seien sich einig gewesen, dass es ein schöner Platz ist.

«Ihre einzige Forderung war, dass die Gräber Richtung Mekka ausgerichtet werden sollen»

sagt Marghitola. Dem hätten sie zugestimmt. Ansonsten gelten dieselben Regeln wie für christliche Gräber: Die Leichname werden in einem Sarg beerdigt, nach 20 bis 22 Jahren werden die Gräber aufgehoben und die Gebeine bleiben in der Erde. «Sie sind viele Kompromisse eingegangen», sagt er. Nun seien er und sein Team bereit für die erste Bestattung.

«Ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung»

Für Fatmir Sanakosi ist es ein Freudentag: «Ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung.» Dank des muslimischen Grabfelds in Frauenfeld müssen die Leichname der Angehörigen nicht mehr ins entsprechende Heimatland überführt, um dort beigesetzt zu werden.

«Nun haben wir die Möglichkeit, unsere Angehörigen auf dem Friedhof zu besuchen, bei ihnen zu sitzen und mit ihnen zu sprechen.»

Sanakosi denkt auch an die Kinder. «Sie wurden in der Schweiz geboren und wollen in ihrer Heimat beerdigt werden.»