In Frauenfeld könnten Wärmepumpen gegen das volle Energiekässeli helfen

Die zugesicherten Beiträge an Privatpersonen aus dem städtischen Energiefonds sind 2018 eingebrochen. Damit kein Geld verkümmert, müssten die Förderkategorien erweitert werden.

Mathias Frei
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Die Frauenfelder Werkbetriebe. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Die Frauenfelder Werkbetriebe. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Die Zahlen sprechen für sich. Jahr für Jahr reichten Privatpersonen mehr Gesuche ein beim städtischen Energiefonds. Bis nun der Einbruch gekommen ist im vergangenen Jahr. Helfen könnte eine Öffnung des Verwendungszwecks. Wärmepumpen beispielsweise werden in Frauenfeld nicht gefördert, obwohl seit 2016 auf einem Grossteil des Stadtgebiets Bohrungen für Erdwärmesonden erlaubt sind.

Stadtrat Urs Müller. (Bild: Donato Caspari)

Stadtrat Urs Müller. (Bild: Donato Caspari)

2014 gingen beim städtischen Energiefonds 55 Gesuche Privater ein, die zugesicherten Förderbeiträge betrugen gesamthaft 276000 Franken. Drei Jahre später waren es 95 Gesuche und 659000 zugesicherte Förderfranken. Im Jahr 2018 jedoch ging es steil bergab. Für die 49 bewilligten Gesuche Privater wurden noch 273000 Franken zugesichert. Und zugesichert heisst noch nicht ausbezahlt. Es kann durchaus vorkommen, dass es ein Projekt verzögert oder nicht realisiert wird, wodurch es auch keine Fördergelder gibt. Die Summe der ausbezahlten Beiträge liegt daher tendenziell tiefer.

Das heisst also: Für die Energieförderung vorgesehenes Geld bleibt in diesem Kässeli liegen. Denn der Energiefonds wird jährlich mit einer Million Franken geäufnet, die eine Hälfte zuhanden städtischer Projekte. Die anderen 500000 Franken sind für Projekte Privater zu verwenden. Beim Anteil privater Projekte war der 2012 installierte Fonds per Ende 2017 mit 374000 Franken gefüllt. Das heisst: In diesen ersten sechs Jahren blieben im Schnitt jährlich über 60000 Franken unbenutzt liegen. Beim Anteil städtischer Projekte ist die Problematik vergleichbar.

Stadtrat zeigt sich offen für Diskussion

Was also machen, damit das Geld dem Verwendungszweck entsprechend eingesetzt wird? Man öffnet den Verwendungszweck und nimmt mehr Förderkategorien auf. Wie Urs Müller, zuständiger Stadtrat und Departementsvorsteher Bau und Verkehr, erklärt, sei man sich dieser Problematik bewusst.

«Der Stadtrat ist grundsätzlich offen, über eine Anpassung des Verwendungszwecks zu diskutieren.»

Konkret traktandiert sei dazu aber nichts. Und das letzte Wort bei einer Reglementsanpassung hätte sowieso der Gemeinderat.

Müller verweist einerseits auf die gestiegenen ausbezahlten Beiträge 2018 gegenüber 2017. Andererseits erhofft er sich durch die Neuaufgleisung der regionalen Energieberatungsstellen eine steigende Zahl Beratungen und daraus mehr Gesuche. Im Januar und Februar 2018 nahm der Frauenfelder Energieberater Daniel Moos vier Beratungen vor, heuer sind Ende Februar bereits 15 Beratungen erfolgt respektive Beratungstermine vereinbart.

Früher E-Bikes, heute Batteriespeicher

«Die Förderung erneuerbarer Energien ist eine sehr dynamische Thematik», erklärt Stadtrat Müller. Die Förderkategorien auf dem neusten Stand zu halten, sei eine Daueraufgabe. In den Anfangszeiten des Energiefonds’ habe man beispielsweise noch E-Bikes gefördert. Weil Förderung einen Anreiz darstellen solle, sei das heute nicht mehr nötig.

Energieberater Daniel Moos. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Energieberater Daniel Moos. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Wie Energieberater Moos erklärt, seien früher mehr Gesuche für Fotovoltaikanlagen eingegangen. Dafür laufe die noch eher neue Förderung von Batteriespeichern sehr gut. Er kann sich vorstellen, dass eine Umstellung bei den Gebäudesanierungen einen Einfluss auf die 2018 gesunkenen Gesuchen haben könnte. Neu sind die Fördergelder davon abhängig, wie viele GEAK-Effizienzklassen aufgrund der Massnahmen an der Gebäudehülle übersprungen werden. Die Stadt fördert derzeit Gebäudehüllensanierungen, Sanierungen nach GEAK-Effizienzklassen, Gesamtsanierungen nach Minergie sowie thermische Solaranlagen, Solarstromanlagen und Batteriespeicher. Der Kanton dagegen kennt 23 Förderkategorien. 2018 sind vom Kanton zum Beispiel neun Gesuche aus Frauenfeld für eine Wärmepumpenanlage bewilligt worden und deren vier für Holzfeuerungen.

Mehr Wärmepumpen als Gebäudehüllensanierungen

Thurgauweit sind im vergangenen Jahr mehr Wärmepumpen (331) gefördert worden als Gebäudehüllensanierungen (290). Reto Hunziker, bei der Abteilung Energie des Kantons für das Förderprogramm zuständig, sagt denn auch: «Die Erweiterung des Frauenfelder Förderprogramms ist eine politische Frage, die letztlich von der Stadt beantwortet werden muss. Die Ausweitung der Förderung auf Wärmeerzeugung/Wärmeversorgung wäre sicherlich ein gangbarer Weg.» Unter Wärmeversorgung fallen zum Beispiel Fernwärmenetze. Und damit kennt sich Frauenfeld ja mittlerweile gut aus.

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