In Felben müssen Bauern wegen Baustelle
tiefer ins Grundwasser bohren

Der Thurgauer Regierungsrat stellt sich hinter das Amt für Umwelt. Die Bewilligungspraxis für Eingriffe ins Grundwasser sei korrekt. 

Thomas Wunderlin
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Daniel Jung, Präsident der Naturschutzgruppe Felben-Wellhausen, sorgt sich um das Laichgebiet Räckholderbüel.

Daniel Jung, Präsident der Naturschutzgruppe Felben-Wellhausen, sorgt sich um das Laichgebiet Räckholderbüel.

Donato Caspari

Ende Januar trocknete ein Weiher im Räckholderbüel fast aus. Daniel Jung, Präsident der Naturschutzgruppe Felben-Wellhausen, sorgte sich um Frösche, Kröten und Molche in dem Amphibienlaichgebiet, das die Gemeinde unter Schutz gestellt hatte. Bauern fürchteten, nicht mehr genug Brauchwasser hochpumpen zu können.

Inzwischen ist der Grundwasserpegel rund 35 Zentimeter gestiegen. Heinz Ehmann, Abteilungsleiter im kantonalen Amt für Umwelt, spricht von «tiefem Mittelwasserstand». Laut Jung ist jetzt genügend Wasser im Weiher, weniger dürfe es nicht sein.

Baufirma pumpt 24'000 Liter Grundwasser pro Minute ab

Nebst dem trockenen Wetter hatte eine Grossbaustelle in Felben das Grundwasser absinken lassen. Die Baufirma Vetter hatte die Bewilligung erhalten, pro Minute 24000 Liter Grundwasser abzupumpen. Davon mussten 15000 Liter wieder ins Grundwasser zurückgepresst werden.

Heinz Ehmann, Abteilungsleiter im Amt für Umwelt.

Heinz Ehmann, Abteilungsleiter im Amt für Umwelt.

Nana do Carmo

Dennoch sank der Grundwasserspiegel in 50 Meter Entfernung zur Baugrube um 2 Meter, bei 500 Meter Distanz waren es immer noch 1,1 Meter. Diese Angaben stammen aus der letzte Woche veröffentlichten Antwort des Regierungsrats auf eine Einfache Anfrage von Roland A. Huber (BDP, Frauenfeld). Ausgeglichen war der Pegel erst in zwei Kilometern Entfernung. Der Regen anfangs Februar liess den Pegel wieder steigen.

In Zukunft erhält Trockenheit «mehr Bedeutung»

Gemäss Regierungsrat ist die Praxis des Amts für Umwelt bei Bauvorhaben im Grundwasserbereich nicht zu beanstanden. Er würde rückblickend nichts anders machen, sagt Abteilungsleiter Ehmann. Künftig werde man dem Thema Trockenheit allerdings noch mehr Bedeutung beimessen müssen.

In Felben stösst man in ein bis zwei Meter Tiefe auf Grundwasser, während es in der Region Weinfelden acht Meter sein können. Um überhaupt bauen zu können, musste die Baustelle trockengelegt werden. Das war laut Regierungsrat mit sogenannten Spundwänden nicht möglich.

Diese bestehen aus Bohlen, die in den Boden unter grossem Lärm einvibriert werden. Benachbarte Häuser können Risse bekommen. Dies auch, wenn die Bohlen herausgezogen werden. Denn daran kann Material kleben bleiben und die entstandenen Hohlräume können Setzungen auslösen.

Obstbauer hat genug Wasser als Frostschutz

An einer Sitzung mit den involvierten Seiten wurde im Februar beschlossen, die betroffenen Entnahmefassungen unverzüglich abzutiefen. So hat laut Ehmann ein Obstbauer jetzt genügend Brauchwasser zur Verfügung, um die Blüten seiner Bäume zum Schutz gegen allfälligen Frühlingsfrost zu beregnen.

Die Kosten teilten sich die Baufirma und die betroffenen Bauern. Diese profitieren davon, dass sie nun gegen Trockenheit besser abgesichert sind.

Die Abtiefung ist in der Region Felben-Wellhausen kein Problem. Die wasserführende Schicht sei 10 bis 12 Meter mächtig, sagt Ehmann:

«In Felben hat es immer genug Wasser.»

Falls der Räckholderbüel-Weiher trocken gefallen wäre, hätte das Amt für Umwelt allenfalls verlangt, dass von der Baustelle abgepumptes Wasser eingeleitet wird.

Im Reckholderbüel-Weiher hat es jetzt genug Wasser, sagt der Naturschützer Daniel Jung. Weniger dürfe es aber nicht sein.

Im Reckholderbüel-Weiher hat es jetzt genug Wasser, sagt der Naturschützer Daniel Jung. Weniger dürfe es aber nicht sein.

Donato Caspari

Für ihn als Naturschützer, sagt Jung, sei «ein solch gewaltiger Eingriff in den Grundwasserstrom fragwürdig». Er frage sich, wer die verlangte Wiedereinleitung der 15 Tonnen Wasser pro Minute kontrolliere:

«Man hätte nicht noch mehr Wasser entziehen sollen.»

Bauherren müssten verpflichtet werden, nachträglich Auswirkungen auf den Grundwasserstrom untersuchen zu lassen.

Bäume litten schon letztes Jahr unter Trockenheit

Die Baustelle habe eine «zünftige Absenkung» des Grundwasserpegels in der Umgebung bewirkt, sagt Jung. Diese sei nicht förderlich für die Vegetation und die grossen alten Bäume, die schon letzten Sommer gelitten und Laub abgeworfen hätten.

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