In Ermatingen hüpften die Steine um die Wette

Die besten Steinschieferer der Schweiz trafen sich in der Badi. Der neue Rekord liegt bei über 100 Metern.

Emil Keller
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Ein Teilnehmer wirft von der Plattform aus seinen Stein übers Wasser.

Ein Teilnehmer wirft von der Plattform aus seinen Stein übers Wasser.

Bild: Emil Keller

Keine Welle kräuselt das Wasser vor der Ermatinger Badi. Perfekte Bedingungen, um Steine übers Wasser hüpfen zu lassen. Für einige Steine scheint es kein Halten mehr zu geben, nach jedem Aufsetzer gewinnen sie weiter an Fahrt.

«94 Meter, 44 Hüpfer», ertönt es aus den Walkie-Talkies der Schiedsrichter. Die Menge jubelt, die Mitkonkurrenten klatschen anerkennend. Die Schweizermeisterschaft im Steinschiefern ist in vollem Gange.

Wer am weitesten wirft, darf nach Schottland

Rund hundert Steinschleudernde und Zuschauer haben sich an diesem Sonntagnachmittag in der Ermatinger Badi versammelt, um ihren neuen Champion zu küren. Ein Steg dient als Abwurframpe und farbige Bojen entlang der Promenade ermöglichen es, die Länge der Würfe zu messen. Für die Einzel- und Teamwertung beim «Ermatinger Open» ist die Anzahl an Hüpfern ausschlaggebend. Wer seinen Stein jedoch am weitesten über die Seeoberfläche befördert, gewinnt eine Reise nach Schottland an die Weltmeisterschaft.

Fünf Versuche hat jeder und schnell wird klar, dass nicht Kraft das entscheidende Kriterium beim Schiefern ist. Der dreizehnjährige Sven Schulze etwa pfeffert seinen Stein 74 Meter weit. Weshalb er solch ein Händchen fürs Steinschiefern hat, kann er nicht so genau sagen:

«Ich habe einfach Freude daran, Steine zu werfen.»

Da kommt selbst der Speerwerfer und letztjährige Sieger ins Schwitzen. Mit eingeknicktem Knie und ausladender Armbewegung schleudert er seinen Stein 80 Meter weit. Bereits zum dritten Mal dabei und extra aus Holland angereist ist Hans Eshuis. Der Landschaftsgärtner hat seine eigenen Steine mit Gepäck. Maximal 7,5 Zentimeter darf der Durchmesser laut Reglement betragen. «Mein Gestein ist aber schwerer als das der Konkurrenz», verrät er. Seine Mühen machen sich bezahlt, unter grossem Staunen hören seine Geschosse gar nicht mehr auf zu schiefern. «Through the Wall» kommen begeisterte Rufe aus dem Publikum.

Alles andere als langweilig

Was vor sieben Jahren als eine Art Werbegag begonnen hat, um Ermatingen als «langweiligsten Ferienort der Schweiz» zu vermarkten, hat sich als eine feste Veranstaltung im Dorf verankert. «Sowohl die Teilnehmenden als auch die Helfer finden es alle total lässig», erklärt Organisator Andy Hostettler.

Langeweile kommt dabei besonders im Final nicht auf: Unter den zehn besten Werfern kann der Frauenfelder Claudio Künzli seinen Titel verteidigen. Mit 102 Metern stellt er einen neuen Rekord im «Ermatinger Open» auf. «Nicht mehr weit bis zum Weltrekord, der bei 120 Metern liegt», sagt Hostettler.