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Im Keller der Frauenfelder Schülerverbindung Concordia

Der Kantonsschulturnverein Concordia öffnet seinen muffigen Keller. Bei der Verbindung fliesst das Bier in Strömen, auf dem WC fehlt das Papier und eine Minute hat 36 Sekunden.
Rahel Haag v/o Word
Die jungen Männer unter sich: In ihrem Keller frönen sie den studentischen Traditionen wie dem Biergenuss. (Bilder: Donato Caspari)

Die jungen Männer unter sich: In ihrem Keller frönen sie den studentischen Traditionen wie dem Biergenuss. (Bilder: Donato Caspari)

«Ist die Lüftung kaputt?», fragt Pagallo. Youri schaut etwas irritiert und schüttelt dann den Kopf. «Ich glaube nicht, wieso?», «Es stinkt», sagt Pagallo, «riechst du das nicht?» Die Nasen werden gestreckt, es wird geschnuppert – tatsächlich riecht es etwas modrig. Wie in einem Keller eben.

2014 bezog der Kantonsschulturnverein Concordia den Keller an der Freie Strasse 27. Davor war die Verbindung im Keller des Restaurants Post, auch «Pöstli» genannt, zu Hause. «Dort müffelte es noch mehr», sagt Pagallo. Hägar, der sich unterdessen ebenfalls an den Tisch gesetzt hat, nickt.

Alle drei Tragen Hemd, Krawatte, Tschopen und das obligate rot-weiss-grüne Band. Hier im Keller sprechen sich die Mitglieder nur mit ihrem Vulgo, dem Verbindungsnamen, an. Hägar heisst mit bürgerlichem Namen Markus Mettler und ist Präsident der Altherren. Vor 31 Jahren ist er der Concordia beigetreten. Pagallo heisst Philipp Schelbert, ist Quästor und seit 32 Jahren Mitglied. Der 18-jährige Mattia Salvi alias Youri ist Präsident der Aktivitas, sprich Kantonsschüler.

Im obligaten Tenue: Mattia Salvi v/o Youri, Präsident der Aktivitas des Kantonschulturnvereins Concordia, sitzt an einem der Tische im Keller an der Freie Strasse. Im Jahr 2014 zog die Verbindung hierher.

Im obligaten Tenue: Mattia Salvi v/o Youri, Präsident der Aktivitas des Kantonschulturnvereins Concordia, sitzt an einem der Tische im Keller an der Freie Strasse. Im Jahr 2014 zog die Verbindung hierher.

Hier kann nicht jeder einfach «reinlatschen»

Immer mehr junge Männer kommen die Treppe herunter. Hände werden geschüttelt, und verschiedene Vulgos sind zu hören. Kavalier, Popeye, Asterix, Kafka, Achilles und Spin. Unter sie mischen sich Mitglieder der zweiten Frauenfelder Verbindung Thurgovia, unschwer an den grün-weiss-grünen Bändern zu erkennen. Zweifärber nennt sich ein solcher Anlass. Jeder könne hier aber nicht «reinlatschen», hält Pagallo fest. Hägar hebt den Finger und sagt: «Ausser in der Bechtelisnacht.» Er grinst.

«Silentium!»

Mattia Salvi v/o Youri, Präsident der Aktivitas der «Concordia »

Die Aktivitas der beiden Verbindungen hatten zuvor Fussball gespielt. «Wer hat gewonnen?», will Hägar wissen. Man habe sich auf unentschieden geeinigt. «Pfff», entfährt es ihm, «bei uns damals hätte es das nicht gegeben.» Er nimmt einen Schluck von seinem Bier. Gebracht hatte es ein sogenannter Fux. Die jüngeren Mitglieder sitzen am zweiten Tisch und tragen nur zweifarbige Bänder. Nach einem Jahr werden sie Burschen und wechseln nebst dem Band auch den Tisch. Getrunken wird Feldschlösschen. Zahlreiche Halbliterflaschen – manche voll, andere leer – stehen herum.

Youri wechselt an den Kopf des langen Tischs. Mit einem Säbel schlägt er auf ein dreifarbiges Holzbrett und ruft: «Silentium.» Die Burschen verstummen, der Abend ist eröffnet. Zu Beginn singen sie einen «Kantus», ein Lied, nach der zweiten Strophe ruft einer: «Schmierpause». Alle trinken einen Schluck Bier. Die jungen Männer geben sich redlich Mühe, den Gast zu unterhalten. Es wird zu einer «Bierstafette» aufgefordert. Je sechs Burschen der Thurgovia und der Concordia stehen sich gegenüber. Jeder hat ein volles Glas Bier in der Hand. «Hat einer eine Speiseröhrenverengung?», fragt der Schiedsrichter, «Jetzt ist noch Zeit, Ausreden zu platzieren.» Dann geht es los. Die Gläser müssen schnellstmöglich in einem Zug geleert werden, dann wird dem nächsten zugeprostet. Bei manchen scheint es, als würden sie sich den Kiefer ausrenken, zwei Schlucke später ist das Glas leer.

«Hat einer eine Speiseröhrenverengung? Jetzt ist noch Zeit, Ausreden zu platzieren.»

Schiedsrichter der «Bierstafette»

Später ruft die Natur. Links das Pissoir, rechts die Toilette. Die WC-Brille ist hochgeklappt, Toilettenpapier sucht Frau vergebens. Und dieser verdächtige, säuerliche Geruch. Es scheint, als würde die Keramikschüssel nur dann aufgesucht, wenn das Bier den gleichen Weg nimmt, den es gekommen ist.

Ein Blick in den Keller der «Concordia». (Bilder: Donato Caspari)
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
Ein Blick in den Keller der «Concordia».
15 Bilder

Impressionen aus dem «Concordia»-Keller

Was im Keller passiert, bleibt im Keller

Gegen 23 Uhr stellt sich Fux Asterix auf einen der Stühle. Die roten Polster sind versifft. Er setzt zu einer Produktion an, einem Gedicht: «Die Thurgauer Zeitung, wir begrüssen sie/ Ja, Sie sehen richtig: Die können saufen die», lauten die ersten Zeilen. Auch der Rest des Texts ist ganz auf den Gast ausgelegt. Kaum ist Asterix vom Stuhl gestiegen, wird die Redaktorin herausgefordert. «Mindestens einen Vierzeiler in 15 Bierminuten», lautet die Ansage. Eine Bierminute habe 36 Sekunden, erklärt Hägar. «Betrunken läuft die Zeit schneller.»

Mit Müh’ und Not gelingt ein Achtzeiler, der folgendermassen endet: «Zum Schluss bleibt nur eines zu sagen: /Die Redaktorin wünscht sich einen Namen.» Während Frau vom Stuhl steigt, klopfen die Männer bereits mit ihren Bierflaschen auf den Tisch und rufen im Chor: «Ehrenbecher». Für die Redaktorin bedeutet das ein Bier auf ex. Ganz so schnell wie bei den Burschen geht das aber nicht. Kaum ist das Glas geleert, wird Fux Asterix angewiesen, sie aus dem Keller zu führen. Im Geheimen soll über ihren Wunsch, einen Vulgo zu erhalten, diskutiert werden. Unterdessen wird draussen in der Mittelgasse gemeinsam mit den Burschen Achilles und Popeye eine Zigarette geraucht.

«Eine Bierminute hat 36 Sekunden. Betrunken läuft die Zeit schneller.»

Markus Mettler v/o Hägar, Präsident der Altherren

Dann geht die Tür wieder auf. Es ist dunkel, nur einige Teelichter markieren einen Weg die Treppe hinunter. Dann nimmt das Ritual seinen Lauf. Doch Kavaliers Anweisung ist klar: «Silentium Strictissimum.» Soll heissen: Was im Keller passiert, bleibt im Keller.

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