In Diessenhofen sagt Ende Jahr der letzte Bäcker definitiv Adieu

Ende Jahr schliesst Rolf Kern seine Klosterbäckerei in Diessenhofen. Nicht aber, ohne sich davor zu verabschieden und seine Zeit Revue passieren zu lassen.

Thomas Brack
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Rolf Kern vor der Tür seiner Klosterbäckerei in der Kirchgasse.

Rolf Kern vor der Tür seiner Klosterbäckerei in der Kirchgasse.

(Bild: Thomas Brack)

Aus, Schluss und vorbei. Die letzten Tage der Klosterbäckerei in Diessenhofen sind gezählt. Denn per Ende Jahr schliesst Rolf Kern als letzter Bäcker in Diessenhofen seine Klosterbäckerei an der Ecke Kirchgasse/Rheinhalde. Für manche Diessenhofer geht damit ein Stück ihrer Lebensqualität verloren: der Gang zur Klosterbäckerei, der Duft frisch gebackenen Brots in der Nase und die Vorfreude, in ein knuspriges Kern-Brot zu beissen. Diese Erlebnisse werden bald nur noch Erinnerungen sein.

Frisch sind auch Rolf Kerns Erinnerungen an den Start zu seiner Bäckerkarriere. «Mein Eltern haben nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Liegenschaft gekauft und 1957 die Bäckerei um- sowie ein Café eingebaut», erzählt er. 1979 absolvierte Kern die Meisterprüfung, übernahm das Geschäft von seinem Vater und führte es zunächst mit der Mutter, später mit seiner Ehefrau. Während seiner 40-jährigen Arbeit hat er über ein Dutzend Lehrlinge ausgebildet, und mit Silvia Neidhart stand ihm jahrelang eine treue Mitarbeiterin zur Seite.

«Hebeln» für die perfekte Konsistenz des Teiges

«Wer nicht gerne aufsteht, muss nicht Bäcker lernen.» Mit dieser Aussage ist das Leben eines Bäckers auf den Punkt gebracht, das in der Regel zwischen zwei und drei Uhr beginnt. Gegen Mittag gibt es dann eine Pause, bevor Kern gegen Abend mit dem «Hebeln» beginnt. «Das bedeutet, dass ein Teil der Teige vorproduziert wird», sagt Kern. Leider würden das heutzutage nur noch wenige Bäckereien so praktizieren. Denn beim «Hebeln» muss jeden Abend Vorarbeit geleistet werden, was grössere Betriebe mit der Verarbeitung mit Maschinen kaum oder gar nicht mehr leisten. «Hebeln» benötigt viel Handarbeit.

«Früher war Hefe teuer. Um davon zu sparen, bereitete man den Teig abends während etwa einer Stunde vor.»

Das Geheimnis für ein gutes Brot sei eine lange Teigruhe, die das Brot geschmacklich verbessert, länger haltbar und somit auch verträglicher macht.

Verändertes Verhalten der Konsumenten

Das Ende der Klosterbäckerei ist das letzte Glied einer langen Kette von verschwundenen Detailhandelsgeschäften im Rheinstädtchen. Er meint:

«Früher gab es in Diessenhofen fünf Bäckereien und vier Metzgereien.»

Jede Mutter habe für die Kinder Brot und Äpfel zuhause. Heute gibt’s Cornflakes, Müsli, Reiswaffeln», sagt er. Spielte das Brot früher eine zentrale Rolle in der Ernährung, ist es heute nur ein Lebensmittel unter vielen. Zudem wünsche der Konsument heute bequem mit dem Auto vorzufahren, was bei der Klosterbäckerei nur sehr begrenzt möglich war. «Meine Bäckerei liegt nicht an einer Durchgangsstrasse.»

Höhepunkte in Kerns Zeit waren die grossen Feste wie die Markt- und Pontonierfeste, wo er die Brote liefern durfte und seine Backstube heisslief. Ebenso froh war er um Lieferungen an die Hotels Unterhof und Krone. Zudem möchte er all seinen Kunden danken, die extra wegen seiner Brote den Weg zu ihm gefunden haben. «Ich hatte eine gute und treue Kundschaft.» Ende Jahr heisst es nun definitiv: Aus, Schluss und vorbei.

«Ich hoffe, dass meine treuen und langjährigen Mitarbeiterinnen noch anderswo eine Arbeitsstelle finden.»

Zum Abschluss lädt er am Samstag, 4. Januar, zwischen 16 bis 19 Uhr nochmals alle Kunden zu einem Abschiedsapéro ins Café Klosterhaus ein. Dann sagt der Letzte seiner Art Adieu.