In Diessenhofen eilt's, weil bald die Äschen laichen

Die Stadtgemeinde lässt derzeit den Bootshafen ausbaggern. Wichtig ist das Bassin nicht nur für Bootsbesitzer, sondern auch die bedrohten Fische, die dort ein kühles Refugium finden sollen.

Thomas Güntert
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Das Ausbaggern des Bootshafens ist eine schlammig-feuchte Angelegenheit. (Bild: Thomas Güntert)

Das Ausbaggern des Bootshafens ist eine schlammig-feuchte Angelegenheit. (Bild: Thomas Güntert)

Im Bootshafen von Diessenhofen steht seit Montag ein Schreitbagger Marke «Menzi Muck» im Wasser. Unter der Regie des Werkhofleiters Werner Schellenberg haben drei Bauhofmitarbeiter mit zwei Mann des Tief- und Wasserbau-Unternehmen Geiges AG aus Warth-Weiningen damit begonnen, die Bojen der 61 Bootsliegeplätze zu entfernen.

In diesen Tagen baggern die Arbeiter die Sedimente aus, die sich im Laufe der letzten Jahre auf dem Kiesboden abgelagert haben. Es wird bis zu 80 Zentimeter tief gegraben und insgesamt werden rund 200 Kubikmeter Schlamm herausgeholt.

Letztes Mal nach dem Hitzesommer 2003

Diessenhofen lässt den Bootshafen rund alle zehn Jahre ausgebaggert. Das letzte Mal war das nach dem Jahrhundertsommer 2003 der Fall. Im Jahr 2014 wurde der Versuch unternommen, den Schlamm mit einem überdimensionierten Sauger in den Strömungsbereich des Rhein zu pumpen. Der Diessenhofer Stadtpräsident Markus Birk sagt:

«Heute würde man vermutlich keine Bewilligung mehr vom Kanton bekommen, um den Schlamm in den Rhein zu lassen.»
Markus Birk ist seit 2017 Stadtpräsident von Diessenhofen. (Bild: Reto Martin)

Markus Birk ist seit 2017 Stadtpräsident von Diessenhofen. (Bild: Reto Martin)

Im vergangenen Hitzesommer wurde bereits der vordere Drittel des Hafens mit finanzieller Unterstützung der Kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung ausgegraben, damit sich die Äschen in das kältere Wasser zurückziehen konnten.

Birk, der selbst Mitglied der Diessenhofer Fischerzunft ist, sagt, dass die Äschen nur in das Hafenbecken schwimmen, wenn der Rhein zu warm ist und der Geisslibach kaltes Wasser bringt. Im vergangenen Jahr kamen die Äschen zu Hunderten in den Hafen, und die Fischerzunft hat die Fische mit dem Netz abgefischt und in den kälteren Geisslibach eingesetzt.

«Stunden später konnte man den Vorgang wiederholen, die Fische sind regelrecht angestanden.»

Einige Bootsbesitzer mussten im Sommer ihre Boote auswassern, weil der Wasserstand zu tief und der Schlamm zu hoch war. Die Stadtgemeinde wollte die Grabungsarbeiten bei Niedrigwasser und vor allem vor der Äschenlaichzeit durchführen. Unmittelbar vor dem Hafen befindet sich ein Laichgebiet im Rhein, wo sich die Äschen Mitte Februar niederlassen. «Durch die Bauarbeiten und die Wassertrübungen würden sie beim Laichen gestört», sagt Birk.

Bewilligung kam im letzten Moment

Das Gesuch für die Gewässerunterhaltung hatte die Stadt im vergangenen Jahr eingereicht. Das Amt für Umwelt verlangte jedoch ein Baugesuch für den Unterhalt des Bootshafens und das Genehmigungsverfahren verzögerte sich.

«Weil es eilte, haben wir gegenüber dem Kanton Thurgau Druck aufgebaut.»

Das Amt habe daraufhin schnell reagiert und die Bewilligung noch am vergangenen Freitag ausgestellt. Gleichtags rollten die Baumaschinen an, damit Anfang Woche begonnen werden konnte. Die Arbeiten sollten diese Woche abgeschlossen werden.

Entsorgung des Schlammes geht ins Tuch

Ein Fragezeichen an dem Projekt sind die Entsorgungskosten für den Schlamm. Die Stadt rechnet mit rund 20'000 Franken, je nach Schadstoffkonzentration könnte sich der Betrag durchaus auch verdoppeln. Ein Problem könnten die sogenannt organisch gebundenen Kohlstoffe darstellen, wo leicht erhöhte Werte gemessen wurden. «Mir wurde gesagt, dass das nichts mit der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung am Geisslibach zu tun hat», sagt der Diessenhofer Stadtpräsident Markus Birk.

Er erklärte, dass angeschwemmte natürliche Stoffe die Ursache seien, wenn sie aus dem Boden ausgeschwemmt und konzentriert abgelagert werden. Nun die Stadtgemeinde eine Spezialfirma damit beauftragt, den Schlamm zu übernehmen und so zu behandeln, dass er dann in einer Deponie gefahrlos entsorgt werden könne.