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In die Thurgauer Windenergie-Politik kommt Bewegung

Bichelsee/Fischingen und Rodebärg bei Diessenhofen/Schlattingen sind als Windpotenzialgebiete gestrichen. In anderen Thurgauer Gemeinden geht Energieminister Walter Schönholzer auf Informationstour.
Silvan Meile/Christian Kamm
Windkraftanlagen auf dem Col du Mont-Crosin im Berner Jura. (Bild: KEY/Jean-Christophe Bott)

Windkraftanlagen auf dem Col du Mont-Crosin im Berner Jura. (Bild: KEY/Jean-Christophe Bott)

In der Energiedebatte im Thurgau weht ein frischer Wind. Eine erste Böe kommt aus dem Süden. Die Neubeurteilung der Windpotenzialgebiete im Kanton sei abgeschlossen, schreibt die Gemeinde Sirnach in ihren aktuellen Mitteilungen. Demnach hat der Kanton seine Hausaufgaben gemacht. Weil vor zwei Jahren anlässlich der Richtplanrevision fast hundert Einsprachen zum Thema Windenergie eingingen, zogen die kantonalen Raumplaner die Reissleine. Um nicht die ganze Richtplanüberarbeitung zu gefährden, strich der Kanton das Kapitel Windenergie raus und stellte in Aussicht, über die Bücher zu gehen.

Für die Braunauer sind Windräder kein Thema

Öffentlich über die unterdessen abgeschlossene Neubeurteilung der Windpotenzialgebiete informieren will man beim Kanton noch nicht, wie eine Nachfrage bei der kantonalen Abteilung Energie zeigt. «Wir gehen zuerst jede betroffene Gemeinde an, bevor wir etwas kommunizieren», sagt Abteilungsleiter Andrea Paoli. Gemäss Recherchen der Thurgauer Zeitung sind die Verantwortlichen beim Kanton in einem ersten Schritt vor allem bemüht, mit Gemeinden, in denen sich bereits in der Vernehmlassung zum Richtplan Widerstand gegen Windenergieprojekte formierte, in den Dialog zu treten.

Das ist in Braunau/Wuppenau, dem Zentrum des politischen Widerstands gegen Windenergie im Thurgau, bereits geschehen. «Dieses Gespräch hat stattgefunden», bestätigt der Braunauer Gemeindepräsident David Zimmermann auf Anfrage. Allerdings ist es aus Sicht der Windpark-Gegner vor Ort ernüchternd ausgefallen. Braunau/Wuppenau soll weiterhin als Windpotenzial-Gebiet im kantonalen Richtplan aufgeführt werden, wenn auch redimensioniert. Um der Bevölkerung diese Haltung zu erklären, scheut sich der Thurgauer Energieminister Regierungsrat Walter Schönholzer nicht, gleichsam in der Höhle des Löwen aufzutreten. Für den 3. Dezember ist in Wuppenau und am Tag darauf in Braunau eine Informationsveranstaltung geplant.

Derweil sieht sich Gemeindeoberhaupt Zimmermann punkto Windenergie-Pläne des Kantons am längeren Hebel. Für den Bau eines Windrades müsste früher oder später der kommunale Zonenplan geändert werden. «Und hier kann die Gemeinde beziehungsweise die Stimmbevölkerung Nein sagen.» Für Braunau seien Windräder kein Thema, so der Gemeindepräsident. Falls das spätere Generationen anders sähen, sei das dann deren Entscheid.

Wenig Widerstand in Homburg

Zwei aktuelle Energiefragen prallen in Schlatt aufeinander. Einerseits grenzt die westlichste Thurgauer Gemeinde an den möglichen Standort eines atomaren Endlagers, anderseits sind für den Kanton auch hier Windräder denkbar. Der Cholfirst soll auch nach der Überarbeitung als Windpotenzialgebiet im Richtplan ausgewiesen sein, sagt Gemeindepräsidentin Marianna Frei. Aus dieser Region wurden vor zwei Jahren ebenfalls Protestschreiben nach Frauenfeld geschickt. Auch hier ist bereits eine Infoveranstaltung des Kantons geplant. Am 23. November von 17 bis 20 Uhr werden Fragen aus der Bevölkerung beantwortet, sagt Frei.

Ein möglicher Standort von Windrädern bleibt auch die Gemeinde Homburg. «Ein Vertreter der kantonalen Abteilung Energie hat sich für die Gemeinderatssitzung in einigen Tagen angemeldet», sagt Gemeindepräsident Thomas Wiget. Wie in Braunau haben auch hier die Genfer Stadtwerke bereits Windmessungen vorgenommen. Mal sei von sieben, mal von fünf möglichen Turbinen die Rede gewesen, die hoch auf dem Hügelkamm Strom produzieren könnten, sagt Wiget. Gespräche zwischen Investoren und Landeignern hätten bereits stattgefunden. Doch die Verzögerung der Richtplanüberarbeitung habe das Projekt auf Eis gelegt. Homburg sei die am dünnsten besiedelte Gemeinde im Kanton. Gut möglich, dass sich hier der Widerstand in Grenzen halten könnte, falls sich das Vorhaben tatsächlich konkretisiert.

Wie berichtet (Ausgabe vom 24. Oktober) bleibt das Gebiet Sirnach/Littenheid als Windpotenzial im Richtplan. Ungewiss bleibt die Situation in den potenziellen Standorten Ottenberg und Thundorf.

Eine Überraschung in Bichelsee

Doch es gibt unter den ursprünglich acht ins Auge gefassten Windpotenzial-Gebieten auch Fälle, in denen der Kanton von sich aus zurückkrebst. Der Rückzieher in Bichelsee-Fischingen ist seit Mittwoch bekannt. «Ich habe das aus der ‹Thurgauer Zeitung› erfahren», sagt Gemeindepräsident Beat Weibel. Den Grund wisse er nicht. Den Artikel habe er trotzdem gleich mehrmals kopiert und den Gemeinderäten verteilt, erzählt er. In seiner Gemeinde ist damit die Windenergie vom Tisch, bevor sie ernsthaft diskutiert wurde.

Auch das Gebiet Rodebärg bei Diessenhofen/Schlattingen ist nach der Neubeurteilung des Kantons aus den Traktanden gefallen, wie auf Anfrage der Diessenhofer Stadtpräsident Markus Birk bestätigt. Wie in Bichselsee handelt es sich hier um ein Gebiet im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler. «Ich bin sehr froh über diesen Entscheid», sagt Birk. Die Region habe sich von Anfang an gegen die Pläne gewehrt.

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