IN DER WERFT
Die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein setzt die MS Stein am Rhein trocken

Der Bund verlangt, dass Schiffe, die älter als 50 Jahre alt sind, alle vier Jahre komplett durchkontrolliert werden. Am Mittwochvormittag erfolgte in der URh-Werft in Langwiesen die Hellingnahme der MS Stein am Rhein. Immer wieder ein imposantes Schauspiel.

Thomas Güntert
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Die Lastenkran zieht die MS Stein am Rhein in die Werft.

Die Lastenkran zieht die MS Stein am Rhein in die Werft.

Bild: Thomas Güntert

Ein knappe Stunde dauerte die Aktion am Mittwochvormittag. So lange dauerte es, bis die 64 Jahre alte MS Stein am Rhein in der Werft war.

«Ich bin sehr zufrieden und weiss, dass ich mich komplett auf meine erfahrene Mannschaft verlassen kann.»
Remo Rey, Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh).

Remo Rey, Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh).

Bild: Donato Caspari

Das sagte Remo Rey, Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh). Nachdem es am Anfang wegen einer Ruderstörung etwas Hektik gab, lief danach alles rund. Das Schiff wurde zuerst auf den im Wasser liegenden Hellingwagen gefahren, der dann mit einem Drahtseil gezogen wurde, bis er unter dem Kiel anstand. Mit seitlichen Kettenzügen wurde das Schiff auf den Lagerböcken ins Lot gesetzt und befestigt, damit es nicht kippt, wenn es aus dem Wasser kommt. Danach wurde der Wagen mit dem Schiff mit einer grossen Drahtseilwinde langsam auf die Helling gezogen.

Schifffahrtsgesellschaft URh setzt auch auf Nostalgie

Auf dem Weg in die Werft.

Auf dem Weg in die Werft.

Bild: Thomas Güntert

Schiffe, die über 50 Jahre alt sind, müssen alle vier Jahre aus dem Wasser genommen werden. Das Bundesamt für Verkehr verlangt eine komplette Kontrolle im Innen- und Aussenbereich, die auf einem fünfseitigen Formular protokolliert werden muss. Da die MS Stein am Rhein bereits vor zwei Jahren aus dem Wasser genommen wurde und viele Detailarbeiten gemacht wurden, waren nun keine grosse Arbeiten geplant. Werft-Betriebsleiter Herbert Risby sagte denn auch:

«Wir erwarten keine grössere Schäden.»

Die rund dreiwöchigen Arbeiten werden durch die nautischen Mitarbeitenden der URh durchgeführt, die im Sommer auf dem Wasser sind. Die MS Stein am Rhein ist das letzte und somit älteste Zweitakt-Motorschiff mit einem Winterthurer Sulzer-Dieselmotor, das in der Schweiz noch im Kursverkehr unterwegs ist. «Es gibt spezielle Fans, die nur wegen dieses Schiffs an den Untersee kommen», sagte Rey und fügte hinzu, dass der Motor noch richtig stampft und dass der Fahrgast noch hören kann, wenn geschafft wird.

Ziel: Früher in Konstanz, später am Rheinfall

Die MS Stein am Rhein ist in der Hochsaison vom 1. Juli bis Mitte September jeweils an den Donnerstagen als «Dunnschtigsschiff» auf Kurs. Am Morgen fährt es in Steckborn ab und am Abend bis nach Gaienhofen zurück. Es fährt denselben Rundkurs wie die anderen Schiffe, fängt allerdings anders an und hört anders auf. Rey erklärte, dass es sich dabei um eine Testphase für eine allfällige Fahrplanerneuerung handelt. Künftig will die URh die Leute früher nach Konstanz/Kreuzlingen bringen und später vom Rheinfall in die Ferienregion vom Untersee zurückfahren.

Nautische Mitarbeiter an Bord der MS Stein am Rhein.

Nautische Mitarbeiter an Bord der MS Stein am Rhein.

Bild: Thomas Güntert

Das älteste Schiff der URh ist allerdings die MS Konstanz aus dem Jahr 1925. Das Schiff wird jedoch nur noch für Charterfahrten und als Schiffhotel eingesetzt. Ab dem 1. Mai liegt es in Schaffhausen und kann von zwei Personen zur Übernachtung in der Hotelsuite gebucht werden. Die Saisoneröffnung der URh ist auf den 2. April geplant. Bis dahin werden die letzten Werftarbeiten durchgeführt und ein neues, der Coronazeit angepasstes kontaktloses Kassensystem installiert, wofür die URh 160'000 Franken investiert hat.