In der Ostschweiz sind viele der beliebten Buure-Zmorge am 1. August dieses Jahr wegen Corona abgesagt – doch es gibt Ausnahmen

Dieses Jahr laden Schweizweit nur rund 150 Bauernhöfe zum Bauernbrunch am Nationalfeiertag ein. Bisher waren es durchschnittlich um die 350. In der Ostschweiz sind es 23 von etwa 45 Höfen. Insbesondere traditionelle Bauernhöfe passen.

Enrico Kampmann
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1.-Augustbrunch auf dem Bauernhof der Familie Schuerch in Homburg, 2014.

1.-Augustbrunch auf dem Bauernhof der Familie Schuerch in Homburg, 2014.

Bild: Nana Do Carmo

Eine Platte mit Aufschnitt und Käse aus der Region, dazu Rösti und eine feine Bratwurst. Und das Ganze an der frischen Luft auf einem Bauernhof im Grünen. Auch dieses Jahr laden Landwirtschaftsbetriebe in der ganzen Schweiz am Nationalfeiertag wieder zum Bauernbrunch auf ihre Höfe ein. Allerdings sind es wegen Corona schweizweit nur etwa rund 150 Bauernhöfe, verglichen mit durchschnittlich 350 in den Vorjahren.

Die Hälfte der Höfe ist bereits ausgebucht

Insgesamt werden immerhin bis zu 100'000 Gäste erwartet. Trotz Corona sei die Nachfrage da, sagt Andrea Oldani, Projektleiterin des Bauernbrunchs am 1. August beim Schweizer Bauernverband. «Die Hälfte der Höfe, die dieses Jahr mitmachen, ist schon ausgebucht.» Der Bauernbrunch sei immer ein sehr gefragter Event und in der Regel seien am 1. August auf den meisten Höfen die Plätze voll besetzt. Auch dieses Jahr werde das wahrscheinlich nicht anders sein, sagt Oldani.

«Gerade jetzt während Corona geniessen es die Leute umso mehr, mal zum Zmörgele aufs Land zu fahren, um dort die Natur zu geniessen.»

Dennoch haben es die Höfe nicht einfach. Die Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit für die Corona-Schutzkonzepte sind streng. Deshalb können die meisten Höfe weitaus weniger Gäste bewirten als in den Vorjahren. Wohl auch deswegen sind es vor allem traditionellere Bauernhöfe, die während dem Rest der Saison keine Gastronomie betreiben, die dieses Jahr entschieden haben, den Bauernbrunch auszulassen, wie Oldani bestätigt.

Das Mieten der Zelte, das Bereitstellen von Sanitäranlagen und anderer Infrastruktur sei für viele Höfe mit hohem Aufwand und Kosten verbunden. Mit weniger Gästen und dem zusätzlichen Mehraufwand für die Umsetzung der Schutzkonzepte lohne es sich für viele nicht mehr.

Im Thurgau laden dieses Jahr fünf Betriebe zum Brunch ein, letztes Jahr waren es neun. Unter ihnen ist der «Hof Widler-Stolz» in Mettlen, der während des Jahres keinen Gastrobetrieb führt. Roman Widler, der zusammen mit seiner Frau Sabrina den Hof betreibt, sagt, dass normalerweise bis zu 360 Menschen im grossen Stall Platz fänden. Dieses Jahr hätten sie die Besucherzahl aber auf 260 beschränkt. Zwar seien noch ein paar Plätze frei, aber er sei zuversichtlich, dass diese bis zum Nationalfeiertag noch besetzt würden.

Sabrina Widler bäckt auf ihrem Hof in Mettlen rund 12 Zöpfe für den Bauernbrunch am 1. August.

Sabrina Widler bäckt auf ihrem Hof in Mettlen rund 12 Zöpfe für den Bauernbrunch am 1. August.

Bild: Andrea Stalder

Die Auflagen sind streng aber umsetzbar

Widler sagt, die Auflagen seien streng, aber zu meistern. Die Kontaktdaten der Besucher würden aufgrund der Reservierungen sowieso erhoben. Um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten, stünden am Anfang des Buffets für jeden Gast Handschuhe und Schöpfbesteck bereit, welche nach dem Schöpfen sofort zu entsorgen seien.

Gruppen bis maximal acht Personen seien zulässig, dazwischen würde ausreichend Platz gelassen. Dennoch plädiert Widler auch auf die Eigenverantwortung, schliesslich könne er nicht jeden seiner 260 Gäste auf Schritt und Tritt kontrollieren.

Er wisse von mindestens drei anderen Höfen, die den Brunch aus Angst vor dem Virus abgesagt hätten. Aus diesem Grund wolle er in erster Linie etwas für die Allgemeinheit tun, sagt Widler.

«Irgendwann muss man auch wieder zur Normalität zurückkehren.»

Klar versuche man, am Ende auf eine schwarze Null, doch der finanzielle Aspekt sei dieses Jahr zweitrangig.

Auf dem «Erlebnisweingut-Burkhart» in Weinfelden weiss man sogar jetzt schon, dass es am 1. August ein Defizit geben wird. «Als wir den Brunch 2017 das letzte Mal durchgeführt haben, hatten wir 250 Gäste. Dieses Jahr sind es 100», sagt Inhaber Michael Burkhart. «Wegen des Schutzkonzeptes haben wir ausserdem auf Selbstbedienung am Buffet verzichtet und servieren stattdessen.» Dadurch bräuchten sie für den Brunch insgesamt 23 Helfer für 100 Leute; das rechne sich nicht, sagt Burkhart.

«Wir machen es trotzdem, weil es eine gute Sache ist.»
Die Vorbereitung für den 1. August-Brunch auf dem Hof bei Familie Widler in Mettlen laufen.

Die Vorbereitung für den 1. August-Brunch auf dem Hof bei Familie Widler in Mettlen laufen.

Bild: Andrea Stalder

Im Kanton St. Gallen sieht es besser aus

Im Kanton St.Gallen sieht die Bilanz besser aus als im Schweizer Durchschnitt. 17 Höfe laden zum Brunch ein, verglichen zu 23 im Vorjahr. Doch auch hier scheinen es in erster Linie Gasthöfe und Alprestaurants zu sein, die sich dazu entschieden haben, einen Bauernbrunch aufzugleisen. Sie bewirten ohnehin regelmässig Gäste und müssen so für den 1. August keinen wirklichen Mehraufwand betreiben, wie mehrere St.Galler Höfe auf anfrage bestätigt haben.

Eine Ausnahme ist der Hof der Familie Buchegger in Häggenschwil. Nur einmal im Jahr am 1. August laden die Bucherggers zum Brunch ein. Normalerweise hätten sie um die 200 Gäste, dieses Jahr nur 150. Komplett ausgebucht sei der Event noch nicht, sagt Emil Buchegger.

«Die Leute sind vorsichtig. Einige haben angerufen, um sich nach den Schutzmassnahmen zu erkundigen.»

Dennoch schätze ein Grossteil der Menschen die Gelegenheit, trotz Virus wieder einmal etwas unternehmen zu können. Ausserdem sei der Bauernbrunch am Nationalfeiertag etwas Besonderes, sagt Buchegger. «Es stellt Kontakt zur Bevölkerung her und gibt den Leuten die Möglichkeit, einen Bauernbetrieb von Nahem zu sehen und auch dort zu verweilen.» Ob es sich auch finanziell lohne, werde sich noch herausstellen. Aber er sei definitiv froh, dass am 1. August gutes Wetter angesagt ist.

Hof im Appenzellerland setzt auf Altbewährtes

Rolf und Judith Bischofberger auf dem Sunnehof in Büriswilen.

Rolf und Judith Bischofberger auf dem Sunnehof in Büriswilen.

Bild: Eva Wenaweser

Im Appenzellerland bietet dieses Jahr sogar nur ein einziger Bauernhof einen Brunch an. In den letzten Jahren waren es zwischen fünf und zehn. Judith und Rolf Bischofberger, die Betreiber des «Sunnehof» in Büriswilen, setzen dabei auf altbewährte Methoden. Zugewiesene Plätze und eine Liste mit den Besuchern waren schon in den Vorjahren Standard, dieses Jahr notieren sie sich auch die Telefonnummern.

Ausserdem stellen sie mehr Tische zur Verfügung, damit die Abstände gewährleistet werden können. Von den 200 möglichen Plätzen sind bereits rund 160 gebucht und das Buffet findet im Freien und vom Regen geschützt statt. Beim Hofrundgang mit Rolf Bischofberger haben die Gäste zudem die Möglichkeit, aus nächster Nähe zu sehen, woher das Essen auf ihren Tellern kommt.

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