In der grauen Kleinstadthölle: «Madame Bovary» kommt nach Frauenfeld

Der Theaterverein Frauenfeld zeigt nächsten Mittwoch im Casino «Madame Bovary» von Gustave Flaubert.

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Szene aus «Madame Bovary».

Szene aus «Madame Bovary».

Bild: PD/Mark Noormann

(red) Die spiessig enge französische Provinz. Dort leben in einer grauen Kleinstadt der in allem gemässigte Arzt Charles Bovary und seine lebenshungrige Ehefrau Emma. Sie träumt von Paris und einem leidenschaftlichen Leben. Doch begnügen muss sie sich bei der jährlichen Landwirtschaftsmesse mit einem pomadisierten Provinz-Don-Juan und in der angrenzenden Kleinstadt mit einem blassen Notariatsgehilfen. Bis sie schliesslich alle Grenzen überschreitet.

Davon handelt der bekannte Roman «Madame Bovary» von Gustave Flaubert (1821-1880). Kaum eine andere Frauenfigur der Weltliteratur ist so faszinierend, kaum ein anderes Schicksal hat so viele Leser berührt. Kommenden Mittwoch zeigt der Theaterverein Frauenfeld im Casino eine Bühnenfassung des Romans, in der Inszenierung des Tournee-Theaters Thespiskarren aus Hannover.

Mädchenträume werden zur Obsession

Emma Bovary wächst nach dem Tod ihrer Mutter bei ihrem Vater auf einem abgelegenen Bauernhof in der Normandie auf. Sie liest leidenschaftlich gern, träumt von der grossen Liebe und der weiten Welt. Beides erhofft sie sich von der Heirat mit dem Landarzt. Der jedoch erweist sich bei aller Verehrung für seine Frau als schlicht und ambitionslos. Zudem mischt sich seine engstirnige Mutter ständig in das Leben des jungen Paares. Nach einer eher zufälligen Einladung auf einen Ball in adeligen Kreisen werden Emmas Mädchenträume zur Obsession.

Charles Bovary hofft, die «Beklemmungen» seiner Frau durch einen Ortswechsel heilen zu können. In ihrer neuen Heimat Yonville erwartet das Ehepaar jedoch nur kleinbürgerliche Enge, personifiziert in der Gestalt des selbstherrlichen Apothekers, der sich selbst für einen fortschrittlichen Freigeist hält.

Emma versucht, ihre Leidenschaften in Affären mit dem gewieften Don Juan Rodolphe und dem schüchternen, aber Kunst liebenden Kanzlisten Léon auszuleben. Um wenigstens etwas Luxus zu haben, verschuldet sie sich immer mehr bei dem schmierigen Geschäftsmann Lheureux. So wird sie erpressbar, und die allgegenwärtige, tratsch-süchtige Dorfgemeinschaft macht ihr das Leben zur Hölle.

Hinweis: Mittwoch, 12. Februar, 19.30 Uhr, Stadtcasino, Einführungsreferat, 18.45 Uhr mit Catherine Emonide Entress im Hotel Blumenstein (1. Stock); Billette gibt's beim Büro Witzig an der Rheinstrasse 10 oder an der Abendkasse.