In der Bananenschale steckt Strom – zu viele biogene Abfälle landen im Thurgau im  Kehrichtsack 

Im Thurgauer Kehricht landet zu viel biogener Abfall, wie es im kantonalen Abfallbericht heisst. Dabei könnte daraus Strom oder Wärme gewonnen werden. 

Sebastian Keller
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Vor dem Historischen Bauteillager in Kradolf-Schönenberg: Peter Steiner, Eric Gerber, Urs Neuhauser, Martin Eugster, Carmen Haag und Achim Kayser.

Vor dem Historischen Bauteillager in Kradolf-Schönenberg: Peter Steiner, Eric Gerber, Urs Neuhauser, Martin Eugster, Carmen Haag und Achim Kayser. 

(Bild: Reto Martin)
  • Der Kanton Thurgau präsentiert den neuen Abfallbericht 2019
  • Dieser Bericht zeigt aktuelle Entwicklungen im Bereich der Sammlung, Verwertung und Entsorgung von Kehricht und separat gesammelten Wertstoffen im Kanton Thurgau auf.
  • Wie im aktuellen Bericht zu lesen ist, landen nach wie vor zu viele biogene Abfälle im Abfallsack. Diese könnten aber separat gesammelt werden. Nun soll an der Sensibilisierung gearbeitet werden.

Bananenschalen, verwelkte Rosen, schimmliger Reis: Diesen vermeintlichen Unrat entsorgen Thurgauer auch im Hausmüll. In einem durchschnittlichen Kehrichtsack stecken 30 Prozent biogene Abfälle. Diese Zahl war an der Präsentation des Abfallberichts 2019 in Kradolf-Schönenberg zu vernehmen. Und die Zahl ist den Verantwortlichen zu hoch. Denn: Die Bananenschale könnte auch vergärt oder kompostiert werden. Das passiert bereits.

So konnten in den Thurgauer Vergärungsanlagen im Jahr 2018 29 GWh Energie – Wärme, Strome oder Biomethan – produziert werden. Auch 49000 Kubikmeter Kompost wurden hergestellt. Und es könnte mehr werden, wenn Bananenschalen nicht mehr im Kehrichtsack landen.

Sammlung ist sehr unterschiedlich organisiert

Wie es im Abfallbericht heisst, müssten Speiseresten, Garten- und Rüstabfälle in allen Gemeinden regelmässig gesammelt werden. Doch das sei in den Gemeinden «sehr unterschiedlich organisiert». Dieser Zustand könnte vereinfacht werden, wenn mehrere Gemeinden zusammen die öffentliche Sammlung ausschreiben würden. «Dies wirkt sich positiv auf die Kosten aus.» Empfohlen wird eine wöchentliche Sammlung. Martin Eugster, Chef des Amtes für Umwelt, sagt, man sei dabei, Hilfsmittel für Gemeinden zu erarbeiten.

Neue Deponiestandort wird gesucht

Kehlhof ist zu 91 Prozent verfüllt

(seb.) Die Typ-E-Deponie Kehlhof in der Gemeinde Berg verfügt über ein Restvolumen für die nächsten sechs bis sieben Jahre. Dort werden primär belastetes Aushubmaterial oder gemischte Bauabfälle abgelagert. 2018 kamen 10'130 Tonnen dazu. Die Deponie ist zu 91 Prozent verfüllt. Deshalb sucht der Kanton einen neuen Standort. Wie am Rande der Medienorientierung zu erfahren war, sind drei mögliche Standorte im teilrevidierten Richtplan vom August 2019 zu finden: Aspi, Homburg; Oberes Schlatt/Engwang, Wigoltingen und Zelgli/Altishausen, Kemmental. Ihre Eignung muss noch abgeklärt werden. «Für den Standortentscheid brauchen wir auch eine kantonale Deponieplanung», sagt Regierungsrätin Carmen Haag. Diese wird eventuell 2020 präsentiert werden. Falls Kehlhof schon vor der Eröffnung der neuen Deponie voll ist, könnten E-Materialien in Deponien der Nachbarkantone abgelagert werden.

Auch bei biogenen Abfällen orten die Verantwortlichen Optimierungspotenzial. «Wir haben ein Problem mit Fremdstoffen», sagt Achim Kayser, Leiter Abteilung Abfall und Boden. Als Beispiel nennt er den Bio- oder Fairtrade-Kleber, der mit der Bananenschale im Biomüll landet. Der Anteil der Fremdstoffe soll reduziert werden.

Insgesamt produzierte jeder Thurgauer im Jahr 2018 284 Kilogramm Abfall – eingerechnet sind wiederverwertbare Stoffe wie Glas und Papier. Im Vorjahr waren es 269 Kilogramm. Begründet wird dies mit folgenden Entwicklungen: Bevölkerungswachstum, zunehmende Kaufkraft, verpackungsintensive Produkte sowie der Online-Handel. So war 2018 mit 8790 Tonnen die Sammlung von Papier und Karton um fast 7 Prozent höher als im Vorjahr. Achim Kayser sagt:

«Wir wissen nicht, ob das ein Zalando-Effekt ist.»

Einen Höchstwert hat die gemischte Kunststoffsammlung erreicht. In KUH-Bags können Plastikflaschen und Getränkekartons gesammelt werden. Seit diesem Jahr ist dies im ganzen Thurgau möglich. 2018 ist die Sammelmenge auf 557 Tonnen im Gebiet der KVA Thurgau und des ZAB angewachsen. Derzeit kann laut Abfallbericht rund 50 Prozent der Sammelmenge wiederverwertet werden. Dieser Anteil wird als Granulat aufbereitet. Der Rest wird in Weinfelden verbrannt.

Ziel ist es laut Bericht, sowohl die Sammelmenge als auch der stofflich verwertbare Anteil zu erhöhen. Wie KVA-Chef Peter Steiner sagt, finden sich in den wenigsten KUH-Bags unerwünschtes Material – dazu gehört die Bananenschale.

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