Serie

In der Badi Stettfurt: «Pflästerli-Service» für die Kinder

Sommerserie: Wir besuchen Bademeister im Bezirk Frauenfeld und schauen ihnen über die Schulter. Markus Bernhard ist seit vier Jahren Bademeister in der Badi Stettfurt und Herr über Chlorgehalt sowie PH-Wert.

Rahel Haag
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Stettfurt TG - Bademeister Markus Bernhard im Schwimmbad Stettfurt.

Stettfurt TG - Bademeister Markus Bernhard im Schwimmbad Stettfurt.

Noch ist es ruhig in der Badi Stettfurt. Auf den Steinplatten tummeln sich ein paar kleine Eidechsen. «Meine Haustiere», sagt Markus Bernhard. Es ist acht Uhr morgens und Zeit für die «Morgenkehr», wie Bernhard den Kontrollrundgang nennt. Seit vier Jahren arbeitet er hier als Bademeister. «Am See von Stettfurt.» Er lächelt.

An einem Spitzentag kommen bis zu 800 Badegäste. Das komme vor allem an heissen Mittwochnachmittagen vor, wenn die Schulkinder frei haben. In den Sommerferien sei es dagegen ruhiger. Im Schnitt kämen 250 Personen pro Tag, schätzt Bernhard.

«Man merkt, dass viele Familien in die Ferien ans Meer fahren.»

Heutzutage sei die Badi nicht mehr das Sommerhighlight. Es sei auch schon vorgekommen, dass an einem bewölkten Tag nur zwischen acht und zwölf Leute gekommen sind. Das seien dann vor allem Stammgäste, also Schwimmer, gewesen. Die gibt es auch in der Badi. «Sie kommen jeweils am morgen», sagt er und schaut auf die Uhr. Bis die Badi um neun Uhr ihre Tore öffnet, gibt es noch einiges zu tun.

Wasserqualität wird täglich mehrmals kontrolliert

Bernhard geht voraus in den Technikraum, «das Herz der Badi», wie er ihn nennt. Im Innern ist es heiss und es wummert. Der 42-Jährige liest den PH- und Chlor-Wert, die angezeigt werden. Mehrmals am Tag nimmt er Wasserproben, überprüft die Werte und trägt sie in eine Liste ein. «Ich kontrolliere die Maschine», sagt er.

Im Raum nebenan steht eine Vorrichtung mit einem eingespannten Kessel voll Chlor in Form von weissem Pulver. Bernhard klopft ihn ab. «Leer», sagt er, bevor er losgeht und sich einen Mundschutz überzieht. Rasch und mit routinierten Handgriffen wechselt er den Kessel, der 45 Kilogramm fasst. «Normalerweise hält er rund eine Woche.» Wenn es besonders heiss sei und viele Badegäste kämen, geht das Chlor schneller zur Neige.

Nochmals einen Raum weiter steht ein Bottich voller Schwefelsäure. Sie wird zur Regulierung des PH-Werts eingesetzt. Idealerweise sollte er bei 7 liegen. Bernhard schraubt den Deckel ab und spienzelt in den Bottich, der mit 1100 Kilogramm angeschrieben ist. «Das reicht noch.»

Die Eckdaten der Badi Stettfurt

Öffnungszeiten: Die Badi Stettfurt ist unter der Woche jeweils von 9 bis 20 Uhr und samstags, sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Eintritt: Für Kinder bis 4 Jahre ist der Eintritt gratis. Jugendliche bis 16 Jahre bezahlen 3.50 und jene zwischen 16 und 20 Jahren 4.50 Franken. Für Erwachsene kostet der Eintritt 6 Franken.

Anfahrt: Von Frauenfeld der Frauenfelderstrasse folgen. In Matzingen links abbiegen, den Bahnübergang überqueren und der Stettfurterstrasse folgen. Gut 200 Meter nach dem Ortsausfahrtsschild rechts abbiegen und der Badistrasse folgen. Der Parkplatz ist an die Badi angeschlossen und befindet sich auf der rechten Seite.

Besonderes: Die Badi sticht durch ihr grosses Angebot an verschiedenen Attraktionen hervor. Sie verfügt über eine Rutschbahn und einen Sprungturm mit einem Ein- sowie Drei-Meter-Brett. Zudem können sich die Besucher auf dem Beachvolleyball- oder Fussballfeld sportlich betätigen. Wer es eine Nummer kleiner mag, spiel Tischtennis oder -fussball. (rha)

Nebst der Technik ist Markus Bernhard selbstredend auch für die Badeaufsicht zuständig. Eine brenzlige Situation habe er in den vergangenen Jahren nie erlebt. «Zum Glück», sagt er, «und hoffentlich bleibt es so.» Vielmehr biete er in Stettfurt einen «Pflästerli-Service» an. Sprich: Bernhard verarztet Kinder, die hingefallen sind und sich beispielsweise die Knie aufgeschlagen haben. Zu tun hat er mit der Aufsicht dennoch.

«Ich appelliere immer wieder an die Eltern, dass sie auf ihre Kinder aufpassen.»

Er allein könne nicht alles im Auge haben.

Ein Bub amüsiert sich auf der Wasserrutsche. (Bild: Reto Martin)

Ein Bub amüsiert sich auf der Wasserrutsche. (Bild: Reto Martin)

Bernhard kennt die Badi noch aus seiner Kindheit

Die Badi Stettfurt wurde 1966 erbaut. Das Wasser stellt die nahe gelegene Hefe Schweiz AG gratis zur Verfügung. Dank des erwärmten Kühlwassers kann die Badi ohne Energieaufwand mit angenehmen Wassertemperaturen aufwarten. «Bei 28 Grad ist das Limit aber erreicht», sagt Bernhard. Wärmer sollte das Wasser nicht sein.

Er ist in Matzingen aufgewachsen.

«Ich kam als Kind und Jugendlicher schon hier in die Badi.»
In der Gartenwirtschaft der Badi Stettfurt können die Gäste gemütlich verweilen. (Bild: Reto Martin)

In der Gartenwirtschaft der Badi Stettfurt können die Gäste gemütlich verweilen. (Bild: Reto Martin)

Damals habe es hier aber noch ein wenig anders ausgesehen. Bernhard deutet auf die Gartenwirtschaft und sagt: «Hier war das Kinderplanschbecken.» Heute befindet sich hier das Reich von Küchenchefin Luciana Selci. Die Italienerin lasse sich kulinarisch immer wieder etwas Neues einfallen. «Dank ihr und ihrer mediterranen Küche kommt auch bei uns Ferienflair auf.» Bernhard lächelt.

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Samuel Koch