In den Wäldern der Gemeinden Uesslingen-­Buch, Warth-Weiningen und Neunforn schützt neu Käferholz vor Wildverbiss

Der Verband Thurforst verwendet neuerdings befallenes Holz für die Aufforstung eines widerstandsfähigen Waldes.

Thomas Güntert
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Der Revierförster Paul Koch (rechts) und der lernende Forstwart Brendan Hafen montieren einen Käferholzbaumschutz, um die junge Pflanze zu schützen.

Der Revierförster Paul Koch (rechts) und der lernende Forstwart Brendan Hafen montieren einen Käferholzbaumschutz, um die junge Pflanze zu schützen.

Bild: Thomas Güntert

«Die Preise auf dem Holzmarkt sind tiefer als im Keller», sagt Paul Koch, Betriebsleiter beim Verband Thurforst, in dem 340 Waldbesitzer zusammengeschlossen sind. Der Revierförster der Gemeinden Uesslingen-­Buch, Warth-Weiningen und Neunforn hat einen durchschnittlichen Hiebsatz von 5500 Kubikmeter Holz.

Im laufenden Forstjahr, das noch bis Ende September dauert, wurde bereits die doppelte Menge geschlagen, rund 85 Prozent davon ist Käferholz. Paul Koch sagt:

Paul Koch, Revierförster.

Paul Koch, Revierförster.

Bild: PD
«Die regionalen Sägewerke nehmen kein Rundholz unter 25 Zentimeter Durchmesser mehr, und das einzige Schweizer Holzplattenindustriewerk ist überlastet.»

Der Preis für den Festmeter Käferholz liegt zwischen 25 und 45 Franken, wobei die Kosten für die Holzernte mit dem Harvester bei 40 Franken pro Festmeter und beim manuellen Holzschlag bei 45 Franken liegen.

Förster und Waldbesitzer wollen einen sauberen Wald

Wo sich für Paul Koch die Chance bietet, gesunde Fichten zu retten, werden die befallenen Bäume herausgenommen und ausserhalb des Waldes zwischengelagert oder in die Sägerei gebracht. In hoffnungslosen Gebieten wird das Käferholz vorläufig stehen gelassen.

Um mit zukunftsträchtigen Baumarten den Wald neu aufzuforsten, pflanzt Koch jährlich rund 3000 junge Bäume. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Baumschutz, da die Rehe ausser Fichte und Buche nahezu die Triebe aller Jungbäume fressen. Koch schützt rund 1000 Bäume mit Einzelbaumschützen vor Wildverbiss. Bisher wurde eine Plastikummantelung über die Jungpflanze gestülpt, die mit der Zeit allerdings zerbrach und im Wald für unerwünschten Abfall sorgte.

Bretter und Verbindungsdrahtstücke verrotten

In diesem Jahr verwendet Koch hölzerne Baumschütze, die von der Konrad Keller AG, Stammheim, seit einigen Monaten vertrieben werden. Die Sägerei mit Hobel- und Holzleimwerk verarbeitet ausschliesslich Schweizer Holz und schneidet das Käferholz zu sägerohen Brettern zu. Im Arbeitsbetrieb vom Gefängnis Winterthur werden die Baumschütze zusammengebaut.

Nach fünf bis sechs Jahren zerfallen die Bretter und verrotten im Wald. Die unverzinkten Verbindungsdrahtstücke und Nägel verschwinden in der Erde und verrotten ebenfalls nach kurzer Zeit. Koch sagt:

«Einige Privatwaldbesitzer verwenden bei der Wiederaufforstung die hölzernen Schütze und leisten damit ohne grosse Kosten einen wertvollen Beitrag für einen sauberen Wald.»

Ein Einzelbaumschutz mit Haltepfahl kostet 7,85 Franken. Der grösste Teil der Wildschadensvorkehrung tragen im Thurgau die Gemeinden, die einen Drittel der Jagdpacht erhalten. Für den Schutz von Laubholzarten gibt es einen Zuschuss von vier Franken pro Baum, bei Nadelbäumen fünf Franken. Der Privatwaldbesitzer kann die Holzschütze in Rechnung stellen und der Revierförster stellt das finanzielle Gesuch bei der Gemeinde. Die Arbeitskosten muss der Waldbesitzer allerdings selbst tragen.

Fichte kombiniert mit Lärche, Eiche oder Douglasie

Der sechsteilige Einzelbaumschutz ist 1,25 Meter lang und aufgeklappt insgesamt 63 Zentimeter breit. Weil Fichtenholz in der Erde bereits nach zwei Jahren verfaulen würde, werden die 25 x 30 mm dicken und 1,60 Meter langen Haltepfähle aus Lärche, Eiche oder Douglasie gefertigt. (gün)

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