In den Thurgauer Kantonsspitälern werden täglich vier bis acht Corona-Tests gemacht – auch die neue Hotline des Kantons läuft heiss

Das Corona-Virus beschäftigt die Thurgauer Kantonsspitäler «massiv». Die meisten Patienten erfüllen die Verdachtskriterien aber nicht. Bei der kantonalen Hotline gingen in den ersten Stunden 100 Anrufe ein – die meisten wegen der Bewilligung für Veranstaltungen.

Larissa Flammer
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Der Kanton Thurgau hat wie hier im Kanton Tessin eine Corona-Virus-Hotline für die Bevölkerung eingerichtet.

Der Kanton Thurgau hat wie hier im Kanton Tessin eine Corona-Virus-Hotline für die Bevölkerung eingerichtet.

Bild: Pablo Gianinazzi/KEY

«Einige Dutzend» Personen melden sich zurzeit täglich im Kantonsspital Frauenfeld, weil sie befürchten, am Corona-Virus erkrankt zu sein. Und nochmals so viele wenden sich an das Kantonsspital Münsterlingen. Das teilt Marc Kohler auf Anfrage mit. Der CEO der Spital Thurgau AG betont:

«Fast alle erfüllen aber die Verdachtskriterien nicht, sondern haben ganz einfach Erkältungen oder die normale Grippe.»
Marc Kohler, CEO Spital Thurgau.

Marc Kohler, CEO Spital Thurgau.

Bild: Andrea Stalder

Zum Glück würden die meisten vorher anrufen, dann zeige sich, dass sie fast alle gar nicht erst ins Spital sollen, sondern die Erkältung oder normale Grippe besser zu Hause auskurieren.

Kommt eine Person mit Verdacht auf Corona-Virus in die Thurgauer Spitäler, folgt zunächst eine Befragung und Evaluation der Verdachtskriterien. Es wird also abgeklärt, ob sie Grippe-Symptome haben und sich in einem Risikogebiet aufgehalten oder Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten. Wenn dies erfüllt ist, wird der spezielle Coronavirus-Abstrich gemacht. Aktuell ist das bei zwei bis vier Personen pro Tag und Spital der Fall, teilt Kohler mit:

«Wir testen da nach wie vor eher grosszügig.»

Bisher wurden gemäss Auskunft des Kantons 54 Verdachtsfälle getestet, 43 davon negativ, 11 waren am Montagabend noch ausstehen. Das Referenzlabor für die Corona-Virus-Tests ist in Genf, zudem wurde am Wochenende ein Labor in Zürich für die Spital Thurgau AG freigegeben. Aus Zürich dauert die Antwort einige Stunden, es braucht aber für einen positiven Befund immer noch die Bestätigung aus Genf, sagt CEO Kohler: «Die dauert etwas länger.»

Eine grosse Anzahl Infizierter könnten die Spitäler nicht aufnehmen

Auf die Frage zu Quarantäne-Massnahmen antwortet er: «Es gibt in beiden Kantonsspitälern Isolierzimmer.» Die meisten Verdachtsfälle würden aber nach wie vor zu Hause isoliert – dies in Übereinstimmung mit den Richtlinien des Bundes. Wird eine grosse Anzahl Personen im Thurgau infiziert, wäre der kantonale Führungsstab für das weitere Vorgehen zuständig. Kohler teilt mit: «Wir haben gewisse Reserven vorbereitet, allerdings primär nur für schwer erkrankte Fälle.» Dafür sei die Spital Thurgau AG einsatzbereit. Der CEO sagt aber auch:

«Für eine grosse Anzahl Fälle ist ein Kantonsspital nicht die richtige Massnahme, dafür haben wir auch nicht die Kapazitäten.»

Das Corona-Virus sei auch für seine Betriebe eine Herausforderung, «welche uns massiv beschäftigt». Um die Risiken für eine Weiterverbreitung so gering wie möglich zu halten, sollen Personen, die Grippesymptome haben, möglichst direkt auf die Notfallstationen gehen. Die Abläufe werden verbessert, wenn sich die Patienten vorher kurz bei der Notfallpraxis im Kantonsspital Frauenfeld (052'723'77'77) oder im Kantonsspital Münsterlingen (071'686'21'78) anmelden. Allgemeine Fragen zum Corona-Virus sind aber an die Hotline des Bundes zu richten (058'463'00'00).

Veranstaltungen werden erst fünf Tage im Voraus bewilligt

Bei der Hotline des Kantons, die am Montag lanciert wurde, sind am ersten Tag zwischen 8 und 14 Uhr schon 108 Anrufe eingegangen. «Wir haben die Kapazitäten ab dem Mittag erhöht», sagt Bettina Kunz vom Informationsdienst.

Bettina Kunz, Informationsdienst Kanton Thurgau.

Bettina Kunz, Informationsdienst Kanton Thurgau.

Bild: Donato Caspari

Die meisten Fragen kommen von Veranstaltern, die abklären müssen, ob sie ihren Anlass durchführen können. Das zweithäufigste Thema ist die Vorgehensweise bei Symptomen. Kunz sagt: «Dafür ist eigentlich die Hotline des Bundes zuständig. Wir antworten jeweils anhand der Weisungen des Bundesamts für Gesundheit.» Das dritte grosse Thema sind die Auswirkungen auf schulische Aktivitäten.

Demnächst will der Kanton für Veranstalter ein Online-Formular bereitstellen, damit die Hotline-Mitarbeiter nicht alle Angaben zu den Anlässen mündlich entgegennehmen und notieren müssen. Im Thurgau sind bisher alle Veranstaltungen mit über 1000 Personen, wie vom Bund beschlossen, verboten. Unter anderem wurde zudem eine Quartierversammlung untersagt, weil dort die erwarteten Besucher vom Alter her eher zu den Risikogruppen zählen. Kunz sagt:

«Die meisten kleineren Veranstaltungen werden mit Auflagen bewilligt.»

Allerdings zurzeit nur fünf Tage im Voraus, weil sich die Situation schnell verändern kann. Seit Freitag gingen im Thurgau Anfragen zu 280 Veranstaltungen ein, 80 wurden bereits beantwortet, hiess es am Montagnachmittag. Viele müssen warten, weil sie erst in mehr als fünf Tagen stattfinden.

Zu den Auflagen gehört, dass die Veranstalter Seife und Wegwerftücher bereitstellen, die Plakate des Bundes aufhängen und Teilnehmerlisten erstellen müssen. Ausserdem müssen die Verantwortlichen ausschliessen können, dass Besucher in Risikogebieten waren – so will es der Bund.

Zu den Kriterien, die das Amt für Gesundheit abklärt, gehören die Anzahl Personen, die räumlichen Voraussetzungen, die Aktivitäten oder die ergriffenen Massnahmen, sagt Bettina Kunz. Der Führungsstab trifft sich am Dienstag wieder zu einer Gesamtsitzung. Bis am Montagabend gab es weiterhin keinen bestätigten Fall einer Corona-Infektion im Thurgau.

Hinweis: Mehr Informationen auf den Webseiten der Spital Thurgau AG und des Kantons Thurgau

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