In den Thurgauer Gewässern haben 2019 drei Menschen ihr Leben verloren

Auf dem Thurgauer Teil des Bodensees und Hochrheins sowie den restlichen Gewässern im Kanton stieg die Anzahl Unfälle, Seenotfälle und geretteter Personen.

Larissa Flammer
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Spezialisten der Seepolizei richten eine gekenterte Jolle auf. Die Zahl der Schiffsbergungen ist 2019 deutlich angestiegen.

Spezialisten der Seepolizei richten eine gekenterte Jolle auf. Die Zahl der Schiffsbergungen ist 2019 deutlich angestiegen.

Bild: PD

Die Seepolizei der Thurgauer Kantonspolizei hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Im Vergleich zum Vorjahr kam es zu deutlich mehr Unfällen und Notfällen. Zusammen mit der Seerettung Arbon hat die Polizei zudem 170 Personen aus Thurgauer Gewässern gerettet, die das Ufer nicht mehr aus eigener Kraft erreicht hätten.

«Das Wetter ist nicht Schuld an den gestiegenen Zahlen», sagt Marcel Kuhn, Dienstchef der Seepolizei Thurgau, auf Anfrage. Er stellt fest, dass sich immer mehr Leute auf dem Wasser bewegen – und zwar relativ unvorbereitet.

«Diese Personen sehen im Internet Fotos davon, kaufen dann ein Gummiboot und fahren ohne Vorwissen den Rhein hinunter.»
Marcel Kuhn.

Marcel Kuhn.

Bild: Andrea Stalder

In einer Medienmitteilung von Freitag heisst es, dass es auf der Hochrheinstrecke zu mehreren Unfällen und brenzligen Situationen kam. Einige Bootsführer und andere Rheinbenutzer hätten die Kraft des Wassers und die Gefahren der Hindernisse unterschätzt.

Weiter teilt die Seepolizei mit: «Die Zwischenfälle lösten teils grossangelegte Suchaktionen aus, weil sich einige Verunfallte nicht bei der Polizei meldeten.» Vor allem die Schwimmer und Gummiboote auf dem Fluss würden auch in der kommenden Saison wieder mit einer Präventionskampagne sensibilisiert, kündigt der Dienstchef an.

Auf der Hochrheinstrecke kam im vergangenen Jahr es zu mehreren Unfällen und brenzligen Situationen.

Auf der Hochrheinstrecke kam im vergangenen Jahr es zu mehreren Unfällen und brenzligen Situationen.

Bild: PD

17 Tote auf gesamtem Bodensee und Hochrheinabschnitt bis Schaffhausen

Unfälle hat die Seepolizei auf den Thurgauer Gewässern im vergangenen Jahr 32 registriert. Dazu gehören unter anderem zusammengestossene Schiffe oder Personen, die in den See gefallen sind. Im Vorjahr kam es zu 24 Unfällen.

Seenotfälle zählten die Seepolizei und die Seerettung Arbon 113. Ein Seenotfall liegt etwa vor, wenn ein Schiff mitten auf dem See einen technischen Defekt erleidet. Auch die 91 geborgenen Boote bedeuten einen starken Anstieg gegenüber den Vorjahren, heisst es in der Mitteilung weiter.

Einen Rettungseinsatz verzeichnete die Polizei auch auf der Thur: Flussrettungsspezialisten brachten im August einen Mann, der mitten im Fluss festsass, sicher zurück ans Ufer. Der Stand-up-Paddler war vor einer Stromschnelle vom Brett gerutscht und hielt sich an einem Stein fest. Seine drei Kinder hatten etwas flussabwärts mit dem Brett ausgewassert und Hilfe geholt.

Im Jahr 2019 kamen im Zuständigkeitsbereich der Thurgauer Seepolizei drei Personen ums Leben, vier wurden verletzt. Im Juni wurde in Arbon ein Mann tot aus dem See geborgen, die Unfallursache konnte nicht abschliessend geklärt werden. Im Oktober verstarb in Ermatingen eine Autolenkerin, nachdem sie in den See gefahren war. Und in Romanshorn stürzte im November ein Fahrradfahrer über die Hafenmauer ins Hafenbecken und verstarb.

Auf dem gesamten Bodensee und dem Hochrheinabschnitt bis Schaffhausen ereigneten sich im vergangenen Jahr 198 Unfälle, die 38 Verletzte und 17 Tote forderten.

Starker Rückgang von gestohlenen Schiffsmotoren

Erfreuliches kann die Thurgauer Seepolizei bei den Vermögensdelikten verkünden. Im vergangen Jahr wurden lediglich zwei Schiffsmotoren als gestohlen gemeldet. Im Vorjahr waren es 21 gewesen. Mitverantwortlich für diesen Rückgang sei die vermehrte Polizeipräsenz in Hafengeländen und auf Trockenplätzen. Kuhn sagt: «Es ist vor allem die Regionalpolizei der Kantonspolizei, die da Präsenz markieren kann.»

Ein weiterer Grund war die Festnahme einer grösseren Bande von Motorendieben. Der Dienstchef sagt: «Da haben wir quasi in ein Wespennest gestochen.» Den Kampf gegen dieses organisierte Verbrechen führt die Thurgauer Polizei im Rahmen einer interkantonalen Sonderkommission, die weiterhin ermittelt.

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