Glosse
In Braunau wird aus altem Käse schnell kalter Kaffee

Südsicht auf die Urbanisierung, vor der selbst das Dorf Braunau nicht hundertprozentig geschützt ist.

Olaf Kühne
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Ganz schön urban: Wo früher die alte Käserei stand findet man heute eine Brache vor.

Ganz schön urban: Wo früher die alte Käserei stand findet man heute eine Brache vor.

Bild: Roman Scherrer

Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Das lehrt uns Corona. Aber eigentlich haben wir es schon seit Aids gewusst. Seit vier Jahren weiss es auch die alte Käserei in Braunau. Oder besser gesagt: Sie wüsste es, wenn sie noch stehen würde.

Das nicht sonderlich schmucke Gebäude stand nämlich unter Schutz. Wieso genau, weiss man nicht. Jedenfalls kümmerte das weder seinen Besitzer noch den Braunauer Gemeinderat, der die Abbruchbewilligung erteilte. Weg ist weg. Und so eine neue Wohnüberbauung kann man doch immer brauchen.

Olaf Kühne

Olaf Kühne

Eine Rüge vom Kanton gab’s für den Gemeinderat dennoch. Furchtbar schlimm tönt das jetzt nicht. Allzu begeistert von der alten Käserei scheint auch das Verwaltungsgericht nicht zu sein. Es lehnt den vom Heimatschutz geforderten Wiederaufbau ab. Käsereien haben im Thurgau eine schwache Lobby.

Selbst die Staatsanwaltschaft hat sich nicht gerade auf die Strafanzeige der Heimatschützer gestürzt. Das Verfahren ist nach vier Jahren noch hängig. So wird aus einer alten Käserei schnell kalter Kaffee. Jedenfalls hat Braunau jetzt eine Brache im Dorf. Nicht ganz so gross wie das Hardturm-Areal in Zürich. Aber schon ziemlich urban, so eine Brache. Dabei hat die Braunauer Gemeindeversammlung just vor einem Jahr die Ortsplanung bachab geschickt, weil man nicht städtisch werden will. Hundertprozentigen Schutz gibt’s also nicht mal vor der Urbanisierung.