In Aadorf warnt ein Schild vor einem «bösen Schafbock»

Beim Aadorfer Pumpwerk Auwiesen weidet eine kleine Schafherde. Entgegen dem Warnhinweis am Zaun sei der Schafbock darin aber gar nicht so böse, sagt Besitzer Jakob Mathis.

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Jakob Mathis konnte den Warnhinweis wieder entfernen, der Schafbock weidet nicht mehr beim Pumpwerk Auwiesen.

Jakob Mathis konnte den Warnhinweis wieder entfernen, der Schafbock weidet nicht mehr beim Pumpwerk Auwiesen.

Bild: Roman Scherrer

(kli/rsc) Gewöhnlich wird sie kaum beachtet, die Weidefläche beim Aadorfer Pumpwerk Auwiesen jenseits der Lützelmurg. Zuweilen können sich die wenigen Passanten am Anblick einer friedlich weidenden kleinen Schafherde erfreuen, die sich mit hochgewachsenem Gras begnügt. Dann ist der kleine Spickel mit einem mobilen Zaun umgeben. Dieses Jahr mit einem Unterschied: Eine Beschriftung weist darauf hin, dass sich in der Herde ein böser Schafbock befindet.

Der Warnhinweis.

Der Warnhinweis.

Bild: Kurt Lichtensteiger

Der Bock ist leicht auszumachen, nicht zuletzt seiner beeindruckenden Grösse wegen. Das imposante Tier stösst mit mehrmaligem Blöken seine Befindlichkeit aus. Offenbar nimmt es seine Rolle als Chef und Beschützer der Herde ernst. Dann trottet der Bock davon, beginnt wieder zu äsen und legt sich nieder.

Hinweis ist nur eine Vorsichtsmassnahme

Besitzer der Schafherde ist Jakob Mathis, pensionierter Klärmeister. Schon seit über 30 Jahren gilt sein Hobby der Schafzucht. Den Warnhinweis habe seine Frau gemacht. «Ich habe ihn nur sicherheitshalber angebracht», erklärt er. So habe beispielsweise schon eine Mutter ihr Kind ins Gehege gehoben, was nicht empfehlenswert ist. Der Bock mit seinen rund 100 Kilos betrachtet den Eindringling nämlich als Fremdling und möchte diesen vertreiben. Mathis erklärt:

«Böse ist der Koloss jedoch nicht.»

Er streichelt liebevoll dessen Kopf und Hals, als würde es sich um ein Schmusetier handeln. Der sorgsame Schäfer hält fest, dass nichts zu dramatisieren ist, und bittet gleichzeitig die Schaulustigen, die Tiere nicht zu füttern.

Jakob Mathis mit dem Schafbock.

Jakob Mathis mit dem Schafbock.

Bild: Kurt Lichtensteiger

Der Bock ist verkauft

Mittlerweile ist die vermeintliche Gefahr auch gar nicht mehr vorhanden. Denn Mathis konnte das Warnschild wieder vom Hag entfernen, der Bock weidet gar nicht mehr beim Pumpwerk. Mathis hat ihn soeben verkauft. «Ein jüngerer Bock wird nachrücken, um das Blut wieder aufzufrischen», sagt er. Übrig geblieben sind sechs Mutterschafe in der Auwiesen.

Dorthin kommt Jakob Mathis, der sich mit seiner Tochter um die Tiere kümmert, jeweils morgens und abends. Er steigt jeden Tag über Umzäunung – und schon sieht er sich umringt von seinen Lieblingen. Alle wollen vom mitgebrachten Brot fressen, präpariert in kleinen Mocken. Ansonsten stehen den Hungrigen neben zwei Wasserbecken ein salziger Leckstein und ein Leckbecken mit Mineralstoffen zur Verfügung.

Im Winter hält Mathis die Nutztiere bei sich zu Hause in Ettenhausen. Von April bis Ende Jahr bringt er sie in einem Anhänger zu verschiedenen Weideplätzen, die jährlich dreimal aufgesucht werden. In wenigen Tagen siedelt Jakob Mathis die Schafe wieder um, zur Kläranlage, wo sie wieder neue Nahrung finden werden.