In Aadorf liegen acht Parkplätze zu nahe an Zebrastreifen – jetzt müssen sie weg

Weil Sicherheitsnormen nicht erfüllt sind: An der Bahnhofstrasse und an der Morgentalstrasse in Aadorf legt der Kanton eine neue Verkehrsanordnung auf.

Olaf Kühne
Merken
Drucken
Teilen
Vor der Bahnhofstrasse 15 beginnen die Parkplätze exakt auf der Höhe des Fussgängerübergangs – zu nahe für heutige Normen.

Vor der Bahnhofstrasse 15 beginnen die Parkplätze exakt auf der Höhe des Fussgängerübergangs – zu nahe für heutige Normen.

(Bild: Olaf Kühne)

Es ist das altbekannte Dilemma: Autofahrerbequemlichkeit versus Fussgängersicherheit. In Aadorf stellt sich diese Frage derzeit auf der Bahnhofstrasse. Eine Strasse, welche mit unter anderem Kleider- und Schuhläden, Apotheke, Konditorei und Haushaltwaren ein für Hinterthurgauer Verhältnisse sehr breites Detailhandelsangebot bereit hält.

Just von der Bahnhofstrasse, welche auf der Höhe des Gemeindehauses kurz Hauptstrasse und ab der Kantonalbank dann Morgentalstrasse heisst, sollen nun acht Parkplätze verschwinden. Dies will zumindest das kantonale Tiefbauamt. Das Departement für Bau und Umwelt hat im kantonalen Amtsblatt den diesbezüglichen Entwurf einer Verkehranordnung publiziert. «Demarkierung von acht Parkplätzen», heisst das im Fachjargon. Betroffen sind die Parkplätze jeweils unmittelbar bei den Zebrastreifen – einer vor der Bahnhofstrasse 15, drei vor der Hausnummer 22 sowie je zwei vor der Bahnhofstrasse 12 und vor der Morgentalstrasse 7.

An der Morgentalstrasse 7 sind zwei Parkplätze unmittelbar vor dem Zebrastreifen betroffen.

An der Morgentalstrasse 7 sind zwei Parkplätze unmittelbar vor dem Zebrastreifen betroffen.

(Bild Olaf Kühne)

Die entscheidende Frage bei solchen Massnahmen lautet: Wie gut ist ein Fussgänger für den Autofahrer sichtbar? Laut Verkehrsicherheitsnorm muss ein Fussgänger, der eine Strasse überqueren will, aus 55 Metern Distanz erkennbar sein.

Kantonsingenieur Andy Heller

Kantonsingenieur Andy Heller

(Bild: Reto Martin)

«Wenn wir eine Strassensanierung planen, nehmen wir immer auch eine Sicherheitsüberprüfung vor», erklärt Kantonsingenieur Andy Heller auf Anfrage unserer Zeitung. «Liegen offensichtliche Defizite vor, was in Aadorf der Fall ist, und können wir diese mit vertretbarem Aufwand beheben, machen wir das natürlich.» Dabei gehe es nicht nur um Distanzen zwischen Parkplätzen und Zebrastreifen, andernorts liege beispielsweise die Beleuchtung im Argen. Tempo 30 sei hingegen auf der stark frequentierten Aadorfer Bahnhofstrasse kein Thema. «Dafür sehen wir derzeit auf dieser Durchgangsstrasse keinen Anlass», sagt Andy Heller. Gleichzeitig mahnt der Leiter des kantonalen Tiefbauamtes: «50 ist die Höchstgeschwindigkeit.»

Matthias KüngGemeindepräsident Aadorf

Matthias KüngGemeindepräsident Aadorf

(Bild: Olaf Kühne)

Dass Parkplätze, vor allem ihr Verschwinden, ein sensibles Thema sind, weiss man auch im Aadorfer Gemeinderat. «Wir verstehen die Sicherheitsüberlegungen des Kantons», sagt Gemeindepräsident Matthias Küng. «Sachlich können wir die geplanten Massnahmen also nachvollziehen.»

Überrascht sei man hingegen vom Zeitpunkt. «Wir wollen dem Gewerbe gute Rahmenbedingungen bieten und nicht zuletzt dem Lädelisterben entgegen wirken», sagt Küng weiter. «Der Detailhandel ist auf Parkplätze angewiesen – und steckt jetzt wegen Corona sowieso schon in einer sehr schwierigen Lage.» Zudem sei die Bahnhofstrasse kaum je so zuparkiert, dass man sich dort als Fussgänger unsicher fühle. Weiter habe eine Rückfrage bei der Schulgemeinde gezeigt, dass die Schulwegsicherheit dort kein Thema sei. «Andererseits stellt sich natürlich auch die Frage: Muss immer zuerst etwas passieren?», gibt sich Küng diplomatisch.

Die Aufhebung der Parkplätze befindet sich derzeit noch im Einwendungsverfahren. Das ist vergleichbar mit der Vernehmlassung im Gesetzgebungsprozess. Sprich, Betroffene können ihre Einwände noch bis anfangs Juli schriftlich beim kantonalen Baudepartement einreichen. Eigentliche Einsprachen hingegen sind erst während der späteren öffentlichen Auflage möglich. Laut Andy Heller will das kantonale Tiefbauamt die Sicherheitsmassnahme noch in diesem Jahr umsetzen.