Coronapandemie
Mehr Probleme wegen Corona: Thurgauer Regierung sieht in der Impfung den Schlüssel zurück zur Normalität

Der Thurgauer Regierungsrat bezeichnet die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie trotz grosser Unterschiede in den verschiedenen Lebensbereichen insgesamt als hoch. Es gibt mehr Menschen mit psychischen Problemen und eine Übersterblichkeit, aber keinen Anstieg bei häuslicher Gewalt und Suiziden oder Suizidversuchen.

Hans Suter
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Die Anzahl Einsätze im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt ist im Pandemiejahr 2020 zurückgegangen.

Die Anzahl Einsätze im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt ist im Pandemiejahr 2020 zurückgegangen.

Bild: Fotolia

Welche Auswirkungen hat die Coronapandemie hinsichtlich Suizidrate, häuslicher Gewalt, Übersterblichkeit und psychischen Krankheiten im Kanton Thurgau? «Die Auswirkungen sind hoch», schreibt die Regierung in ihrer Antwort auf die Einfache Anfrage der Kantonsräte Oliver Martin (SVP, Leimbach), Peter Schenk (EDU, Zihlschlacht), Gottfried Möckli (SVP, Basadingen) und Hermann Lei (SVP, Frauenfeld).

Die Anzahl der stationären Behandlungen in den drei psychiatrischen Kliniken im Kanton Thurgau ist gemäss der Antwort seit 2017 konstant, während die ambulanten Behandlungen ansteigen. Im ambulanten Bereich lag 2019 und somit bereits vor der Covid-19-Pandemie ein überproportionaler Anstieg der Fallzahlen vor. Die Clienia Littenheid AG verzeichnet im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie 2019 einen Anstieg von 35 Prozent und 2020 von 16 Prozent. Auch die Spital Thurgau AG registrierte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJPD) mehr Anmeldungen.

Nur teilweise durch die Coronapandemie erklärbar

Da die Fallzahlen im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie vor Beginn der Pandemie angestiegen sind, sei dieser Anstieg nicht durch die Covid-19-Pandemie erklärbar. Für den Bereich der Erwachsenenpsychiatrie hingegen berichten sowohl die Spital Thurgau AG als auch die Clienia Littenheid AG und die Privatklinik Aadorf von einem überproportionalen Anstieg der ambulanten Fallzahlen, was gemäss ihrer Einschätzung teilweise auf die Covid-19-Pandemie zurückgeführt werden kann. Insgesamt wurde eine Zunahme schwerer depressiver Symptome im Verlauf des Jahres 2020 festgestellt, wobei junge Personen besonders betroffen waren.

Erkenntnisse der Regierung

Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft bezeichnet die Regierung als «hoch». In jeder Phase der Pandemie galt es, gesundheitspolitische, wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Interessen gegeneinander abzuwägen. Mittlerweile sei klar, dass vor allem ältere Menschen und Personen mit gewissen Vorerkrankungen, etwa Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronischen Atemwegserkrankungen, gefährdet sind. Die ergriffenen Massnahmen erachtet der Regierungsrat rückblickend als insgesamt erforderlich und angemessen, zumal die Schweiz im internationalen Vergleich verhältnismässig wenig einschneidende Massnahmen angeordnet hat. Zudem habe die Rezession dank rascher und wirkungsvoller Massnahmen zur Stützung der Wirtschaft bisher verhältnismässig gut gemeistert werden können. Seit dem Frühjahr 2021 sei klar, dass die Impfung in der Pandemiebekämpfung der Schlüssel zurück zur Normalität sei. Entsprechend wichtig sei eine hohe Impfrate der Bevölkerung, weil dies den gesundheitspolitischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Interessen diene. Gesundheitspolitisch gelte es zudem, den Faktoren, welche die Bevölkerung in normalen Zeiten gesund halten, wieder vermehrt Raum und Aufmerksamkeit zu geben. (has)

Kein Anstieg bei Suizid und häuslicher Gewalt

Betreffend Suizidversuche und Suizide war keine Tendenz feststellbar. Allerdings weist der erste Teilbericht zum Einfluss der Covid-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit der Schweizer Bevölkerung und die psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung in der Schweiz auf verschiedene Aspekte hin, die mit einem Verzögerungseffekt eine Zunahme von Suizidgedanken erwarten lassen.

Die Anzahl Ausrückfälle im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt (451/2019: 566) und die Anzahl Fälle mit mindestens einem Straftatbestand (271/2019: 308) sind im Pandemiejahr 2020 zurückgegangen. Die Dunkelziffer ist unklar.

Die aktuellen Zahlen zeigen für die Schweiz und den Kanton Thurgau nach wie vor eine Übersterblichkeit für das Jahr 2020: Im Thurgau starben 2301 Menschen, 2019 waren es 2079. Die Übersterblichkeit für das Jahr 2020 wird mit 101 beziffert.

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