Impfen
Nach jetzigem Stand der Anmeldungen verfehlt der Thurgau die Herdenimmunität

Der Kanton Thurgau ruft alle Einwohner dazu auf, sich für eine Covid-19-Impfung anzumelden. Neuangemeldete kommen innert 10 bis 14 Tagen an die Reihe. Dank grosser Impfstofflieferungen wird das Impfzentrum Weinfelden auf die volle Kapazität ausgebaut.

Thomas Wunderlin
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Ein Fläschchen Impfstoff reicht für zehn bis elf Dosen.

Ein Fläschchen Impfstoff reicht für zehn bis elf Dosen.

Bild: Dennis Kalt

Diese Woche hat das Impfzentrum Weinfelden die Impfspuren elf und zwölf in Betrieb genommen. Nächste Woche wird die volle Kapazität von 14 Spuren erreicht. Dank grosser Impfstofflieferungen können nun jeden Tag allein in Weinfelden 2000 Personen geimpft werden.

Der Fachstab Pandemie ruft alle Thurgauerinnen und Thurgauer ab 16 Jahren dazu auf, sich zügig für eine Covid-19-Impfung anzumelden. Freie Termine hat es vor allem in Weinfelden. Neuangemeldete kommen innert 10 bis 14 Tagen an die Reihe. Der Fachstab Pandemie schreibt:

«Um rasch und nachhaltig aus der Coronakrise zu kommen, ist es wichtig, dass sich möglichst viele Personen impfen lassen.»

In Frauenfeld, wo vier Impfspuren und eine Tageskapazität von 576 Impfungen vorhanden sind, ist die Warteliste länger. Wer bei der Anmeldung nur Frauenfeld als Impfort angegeben hat, wurde deshalb automatisch auch auf Weinfelden gebucht.

Karin Frischknecht, Chefin des Amts für Gesundheit.

Karin Frischknecht, Chefin des Amts für Gesundheit.

Bild: Andrea Stalder

Derzeit haben 103'000 Thurgauer mindestens eine erste Impfung erhalten, was knapp 37 Prozent der Bevölkerung entspricht. Unklar ist, wie gross die Impfwilligkeit ist. Karin Frischknecht, Leiterin des Amts für Gesundheit, sagt:

«Wir haben noch Anmeldungen für ein paar Wochen. Es sind weniger, als wir erhofft haben.»

Nach jetzigem Stand werde der Thurgau bei einer Impfrate von 50 bis 60 Prozent landen: «Das ist zu wenig für die Herdenimmunität.» Frischknecht setzt jetzt darauf, dass sich noch Impfwillige anmelden, die sich bisher zurückgehalten haben, um andern den Vortritt zu lassen. Schweizweit liege die Impfwilligkeit gemäss Umfragen bei 70 Prozent.

Weiterhin ist in den Impfzentren nur die Thurgauer Wohnbevölkerung zugelassen. Bei den Firmen-Impfungen werden jedoch Grenzgänger und Ausserkantonale mitgeimpft.

Apotheken können auch impfen

Im Thurgau können nun auch Apotheker Covid-19-Impfungen durchführen. Der Regierungsrat hat dies entschieden, um einem Bedürfnis der Bevölkerung entgegenzukommen. Die kantonalen Impfzentren sollen nach und nach durch Apotheker und Hausärzte abgelöst werden.

Der Regierungsrat hat dies auch deshalb entschieden, «weil durch mögliche Virusmutationen in den kommenden Jahren Nachimpfungen erforderlich sein könnten und der Kanton nicht jahrelang Impfzentren betreiben kann».

Etwa zwölf Apotheken hätten Interesse bekundet, sagt die Leiterin des Gesundheitsamts. Welche definitiv dabei sind, wisse sie noch nicht. Empfohlen wird, dass die impfenden Apotheker eine Kurzschulung in einem Impfzentrum absolvieren. Sie müssen die Software für das Impfmonitoring beherrschen, damit auch in Apotheken Covid-Zertifikate abgegeben werden können.

Die Herausforderung besteht darin, ein geöffnetes Impfstoff-Fläschchen etwa innert einem halben Tag aufzubrauchen. Dafür müssen zehn bis elf Impfwillige zusammengebracht werden.

Das Impfzentrum Weinfelden erhöht seine Kapazität auf Volllast.

Das Impfzentrum Weinfelden erhöht seine Kapazität auf Volllast.

Bild: Kevin Roth

Der Pfizer/Biontech-Impfstoff wird wegen der anspruchsvollen Handhabung und Lagerbedingungen nur in den kantonalen Impfzentren verabreicht. Der Moderna-Impfstoff wird auch von Hausärzten verabreicht. Der Regierungsrat erwartet, dass diesen Sommer weitere Impfstoffe zugelassen werden, die sich für die dezentrale Impfung eignen.

Bei den Hausärzten gehen die verabreichten Impfungen «rasant zurück», sagt Frischknecht. Sie hätten meist ihre Patienten durchgeimpft. Die Leiterin des Amts für Gesundheit rechnet damit, dass bis Ende Juni die ersten Covid-Zertifikate verfügbar sind.

Genesene, die in der Bundesdatenbank verzeichnet sind, müssten über eine Webapplikation einen Antrag dafür stellen. Bei den Geimpften ist noch offen, ob sie sich selber darum bemühen müssten oder ob ihnen von Amtes wegen ein Zertifikat zugeschickt wird.

Regierungsrat Martin gibt Leitung des Fachstabs ab

Einen Schritt zurück Richtung Normalität macht der Thurgau auch dadurch, dass Regierungsrat Urs Martin nach einem Jahr die Leitung des Fachstabs Pandemie abgibt. Seine bisherige Stellvertreterin Karin Frischknecht übernimmt die Leitung.