Impfaktion
Weil sie noch keine Impfdosen erhalten, sind Thurgauer Hausärzte sauer auf den Gesundheitsdirektor

Hausärzte kritisieren die Impfstrategie des Kantons scharf. Sie sind empört, weil sie noch nicht selber impfen können. Doch auch in den Impfzentren ist der Impfstoff knapp. Dort muss deshalb der Betrieb heruntergefahren werden.

Silvan Meile
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Angehörige des Thurgauer Zivilschutzes bauten vergangene Woche die MS Thurgau zu einem Impfschiff um.

Angehörige des Thurgauer Zivilschutzes bauten vergangene Woche die MS Thurgau zu einem Impfschiff um.

Alexandra Wey / Key

Thurgauer Hausärzte mischen sich ein in den Verteilkampf um Coronaimpfungen. In E-Mails, welche der Redaktion vorliegen, kritisieren sie Gesundheitsdirektor Urs Martin scharf. Hintergrund der Empörung sind offensichtlich 3000 Dosen des Coronaimpfstoffs, welche Urs Martin Hausärzten für Anfang dieser Woche in Aussicht gestellt hat, falls solche verfügbar seien. Aufgrund von Lieferengpässen können diese aber noch nicht ausgeliefert werden, sagt Martin.

Der derzeitig verfügbare Impfstoff sei so knapp, dass auch die Auslastung der beiden Impfzentren des Kantons deutlich gedrosselt werden müsse. Deshalb verzögere sich auch die Auslieferung der erwähnten 3000 Impfdosen an 30 Arztpraxen wohl bis Anfang nächster Woche, wie Regierungsrat Martin gegenüber dieser Zeitung erklärt. «Wir können ihnen den Impfstoff nur weitergeben, wenn uns der Bund solchen liefert.»

Lieferung von Impfdosen an Kanton verzögert sich

Das vermag gewisse Hausärzte nicht zu beruhigen. Einige verlieren sogar die Contenance: Martin veranstalte lieber eine «medienwirksame Impfshow auf dem Partyboot», zu der sogar Bundesrat Alain Berset eingeladen sei, schreibt ein Frauenfelder Hausarzt in einem E-Mail.

Auch eine Roggwiler Hausärztin schiesst scharf gegen das Impfschiff, das am Dienstag seinen Betrieb aufnimmt. In einem Brief an Martin schreibt sie: «Die Ärzteschaft steht nicht hinter Ihrem Impfschiff, da an jedem Ort, den es anläuft, mindestens 10-15 bestens funktionierende und impfbereite Hausarztpraxen stehen.» Auch am Impfzentrum in Frauenfeld lässt sie kein gutes Haar und kritisiert damit die Impfstrategie des Kantons. Die Hausärzte seien viel näher an den Risikopatienten. Dass der Kanton auch Alters- und Pflegeheime aufsucht, lässt sie hingegen unerwähnt.

Urs Martin sagt, ihm liege viel daran, die Ärzte in die Impfaktion des Kantons einzubeziehen. «Dafür benötigen wir aber genügend Impfstoff.» Ende der vergangenen Woche sei klar geworden, dass die Lieferung für die aktuelle Woche verzögert eintrifft. Umgehend seien auch die Ärzte informiert worden.