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Polizistin auf vier Pfoten: Im Einsatz mit der Thurgauer Polizeihündin Elly

Diensthunde sind für die Kantonspolizei Thurgau eine wertvolle zusätzliche Hilfskraft im Einsatz. Wir begleiten Elly mit ihrem Hundeführer beim Training der Vermisstensuche.
Text: Dinah Hauser, Video: Raphael Rohner

Der Wind pfeift um die Ohren. Aber das kümmert die Malinois-Hündin Elly nicht. Gespannt wartet sie darauf, dass sie den Geruch der Vermissten 14-jährigen Anina Oesch aufnehmen kann. Elly bettelt Christian Herzog, Diensthundeführer bei der Kantonspolizei Thurgau, förmlich an, endlich den Plastikbeutel zu öffnen. Darin befindet sich die Gaze mit dem Geruch der Vermissten.

Kaum hat Elly die Spur aufgenommen, will sie davon flitzen. Christian Herzog hält die 10-jährige Hündin aber mit der Leine in Schach. Die Spur führt zum Pferdezentrum der Frauenfelder Allmend. Dort auf der Tribüne sitzt das Mädchen. Die Hündin sucht aber nicht mit ihren Augen, nur der Geruch zählt. Elly schnuppert an jeder Ecke; der starke Wind hat den Geruch verweht. Hundeführer Christian Herzog weiss, dass dieser Einsatz ein Training ist, und wartet deshalb geduldig, bis sich Elly neben Anina Oesch setzt und anzeigt. Danach gibt’s das ersehnte Spielzeug: eine Stoffrolle. Herzog sagt:

«Meine Elly ist sehr verspielt, deshalb ist das ihre Belohnung.»

Diese ist bei der Ausbildung sehr wichtig. Denn der Hund lernt am besten mit Belohnung. Je nach Charakter des Hundes könne diese auch Futter sein. «Einmal hatten wir einen Hund in der Ausbildung, der reagierte weder auf Futter noch auf ein Spielzeug», sagt Herzog. Schlussendlich hat der Hund ein Gummihuhn als Spielzeug bevorzugt.

Die Personensuchhündin Elly folgt ihrer Nase: Die Diensthundeführer der Kantonspolizei Thurgau leisten jährlich rund 100 Einsätze mit ihren vierbeinigen Partnern. (Bilder: Andrea Stalder)
Elly nimmt den Geruch der Vermisten auf.
Dank Ellys Nase ist die «vermisste »14-jährige Anina Oesch bald gefunden.
Beim Einsatz ist Teamwork gefragt.
Nach gelungenem Einsatz gibt's eine Belohnung: Das ersehnte Spielzeug.
5 Bilder

Immer der Nase nach

Hundeführer sind in erster Linie Polizisten

Bei der Kantonspolizei Thurgau gibt es zwischen 10 und 15 Diensthundeführer, welche pro Jahr durchschnittlich 100-mal im Einsatz stehen. «Die Hundeführer sind ausgebildete Polizisten und nebenamtlich als Hundeführer tätig», sagt Polizeisprecher Matthias Graf. Wer Hundeführer werden möchte, muss mindestens zwei Jahre Diensterfahrung mitbringen. Danach folgen sechs Monate Probezeit zur Eignungsüberprüfung. «Die interessierte Person nimmt an jedem Training teil und führt fremde Hunde. So bekommt sie ein klares Bild der zukünftigen Aufgabe und kann entscheiden, ob sie dazu bereit ist», sagt Graf.

Für Christian Herzog hat es gepasst, denn das Hundeführerwesen hatte ihn fasziniert. So durfte er einen Welpen ausbilden. Herzog beschreibt die schicksalhafte Begegnung vor 10 Jahren so:

«Ich hatte die Wahl zwischen zwei Hunden. Als dann Elly sofort auf mich zugerannt kam, war die Entscheidung klar.»

Die ersten Jahre der Ausbildung sind nicht nur für den Hund, sondern auch für dessen Führer wichtig und intensiv. «Der Hundeführer muss die Übersicht behalten», sagt Herzog. Wenn die Spur beispielsweise einen Hang hinauf führt, kann es je nach Windlage sein, dass sie unterbrochen ist. «Ich als Hundeführer muss dann wissen, dass der Geruch zuoberst intensiver sein könnte und setze dort mit Elly nochmals an», sagt Herzog.

Elly und ihr Hundeführer Christian Herzog im Einsatz. (Bild: Andrea Stalder)

Elly und ihr Hundeführer Christian Herzog im Einsatz. (Bild: Andrea Stalder)

Zusammenspiel ist wichtig

Der Einsatz eines Diensthundes alleine garantiere aber keinen Erfolg bei der Vermisstensuche. Das Zusammenspiel aller Beteiligten sei ebenso wichtig. «Auch kommt es auf die Witterung an, wie lange die menschliche Spur erhalten bleibt», sagt Herzog. Bei extremer Kälte etwa sei die Geruchsentwicklung gehemmt. Gerade bei Teenagern sei die Spur für den Hund teilweise schwer zu lesen. Herzog sagt:

«In der Pubertät verändert sich der Hormonhaushalt des Körpers und damit sein Geruch.»

Auch sei es herausfordernd, die Suche nach einer vermissten Person bei deren Wohnort zu starten. «Da muss man am richtigen Punkt ansetzen, damit man gute Chancen hat, dass der Hund die neueste Spur findet, die zur Person führt.»

Wenn der Hund heiss läuft

Ein Hundeführer ist nicht nur während der Dienstzeit gefordert. «Meine Partnerin Elly ist 24 Stunden am Tag bei mir», sagt Herzog. Auch in der Freizeit muss er sich um seinen Hund kümmern. «An meinem freien Tag kann ich nicht zu Elly sagen: ‹Heute mache ich nichts mit dir›», sagt Herzog, «sie will konstant beschäftigt werden.» Auch ins Familienleben sei die Hündin gut integriert.

Bei der Kantonspolizei sucht Elly nach Betäubungsmitteln oder Personen. «Sobald ich ihr das Geschirr anlege, weiss sie: ‹Jetzt arbeite ich.›» Malinois, eine Unterrasse des Belgischen Schäferhunds, arbeiten bis zum Umfallen. «Ich als Hundeführer muss während des Einsatzes regelmässig Pausen einlegen», sagt Herzog.

Diensthundeführer tragen ein spezielles Abzeichen auf ihrer Weste. (Bild: Andrea Stalder)

Diensthundeführer tragen ein spezielles Abzeichen auf ihrer Weste. (Bild: Andrea Stalder)

Denn wenn ein Hund arbeitet, erhöht sich seine Körpertemperatur rasch. Hunde können sie nur durch Hecheln regulieren. Wenn sie aber schnuppern, so bleibt dafür keine Zeit – der Hund läuft sprichwörtlich heiss. Mittlerweile lege sich Elly bei Einsätzen gerne in den Schatten, um kurz auszuruhen. «Danach nimmt sie die Fährte von alleine wieder auf», sagt Herzog. Denn auf Elly kann er sich verlassen.

Mantrailing

Der englische Begriff Mantrailing bedeutet der Spur eines Menschen folgen. Jeder Mensch besitzt einen individuellen Geruch. Dieser haftet nicht nur an ihm und seiner Kleidung, sondern auch dort wo er sich aufgehalten hat. «Man muss sich das wie bei Hänsel und Gretel vorstellen: Der Mensch verliert Geruchspartikel wie Brotkrümel. Der Hund folgt dann der ausgelegten Spur», sagt Christian Herzog, Diensthundeführer bei der Kantonspolizei Thurgau. Für den Personensuchhund sei es besonders wichtig, dass er einen eindeutigen Geruch der vermissten Person aufnehmen kann. Dazu wird ein sogenannter Identifikationsgegenstand benötigt, der von niemand anderem angefasst wurde. Hierfür eigenen sich Kleidungsstücke, Schmuck, Bettbezüge oder aber auch Körperflüssigkeiten wie Blut. (dh)

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