Immer auf Achse: In Frauenfeld eröffnet der Verein Fründeskreis eine Bar in einem Bus

Auf dem Parkplatz Unteres Mätteli öffnet die Bar «Haltestell» am Freitag ihre Bustüren. «Wir hätten höher pokern sollen», sagt Tiana Borcherding über das erfolgreiche Crowdfunding des Vereins.

Amina Mvidie
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Auf dem Unteren Mätteli öffnet die Bar «Haltestell» vom Verein Fründeskreis.

Auf dem Unteren Mätteli öffnet die Bar «Haltestell» vom Verein Fründeskreis.

(Bild: Donato Caspari)

Der Bartresen ist aufgebaut, die Kühlschubladen sind montiert. In den vergangenen Monaten hat der Verein Fründeskreis einen Neuenburger Linienbus in eine Bar umgebaut. Die «Haltestell» steht auf dem Parkplatz Unteres Mätteli in Frauenfeld.

«Wir hätten höher pokern sollen.»
Der Linienbus stammt aus Neuenburg.

Der Linienbus stammt aus Neuenburg.

(Bild: Donato Caspari)

Das sagt Vereinsmitglied Tiana Borcherding. Über eine Plattform hat der Verein Ende Juni ein Crowdfunding zur Finanzierung der Bus-Bar gestartet. Innerhalb von drei Tagen haben sie die Finanzierungsschwelle von 15'000 Franken erreicht. «Das haben wir nicht erwartet», sagt Vorstandsmitglied Nino Blumer.

Vom WC-Wagen zur Busbar – Schritt für Schritt zum eigenen Lokal

Vom WC-Wagen zur Busbar – Schritt für Schritt zum eigenen Lokal Der Verein Fründeskreis besteht aus 30 Mitgliedern zwischen 18 und 25 Jahren. Die Mitglieder kommen aus Stettfurt, Thundorf und Frauenfeld. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, die Kulturszene in Frauenfeld zu beleben und Treffpunkte für Jung und Alt zu schaffen. Vor zwei Jahren hat der Verein bereits einen WC-Wagen umgebaut, der nun als privates Vereinslokal dient. Dieser Bauwagen habe den Verein zur Idee mit dem Bus inspiriert, sagt Nino Blumer. «Mit der Busbar kommen wir unserem Ziel eines festen Lokals nun etwas näher.» (amv)

lokalhelden.ch/haltestell

Trotzdem reiche dieser Betrag nicht für die komplette Finanzierung, so Tiana Borcherding. Ziel ist es, insgesamt 35'000 Franken zusammenzubekommen. So könnten sie sämtliche Ausgaben, die der Verein aus eigener Hand getätigt habe, decken und Geld für Veranstaltungen beiseitelegen, sagt die 18-Jährige. Das Crowd­funding läuft trotz Eröffnung am Freitag noch bis Mitte August.

Unterstützung von allen Seiten

Der Verein hat den Bus selbst umgebaut.

Der Verein hat den Bus selbst umgebaut.

(Bild: Donato Caspari)

Ursprünglich wollte der Verein den Bus im Murg-Auen-Park platzieren. Doch die Stadt Frauenfeld hat diesen Antrag abgelehnt und stattdessen den Standort auf dem Unteren Mätteli vorgeschlagen, wo der Bus bis Ende Oktober mietfrei stehen kann. «Den Umbau haben wir ohne die Sicherheit eines festen Standplatzes angefangen», sagt Tiana Borcherding. Timon Borcherding fügt an:

«Wir haben das Projekt mit dem Risiko auf Verlust gestartet.»

Umso erfreuter zeigen sie sich über die Unterstützung, die sie von verschiedenen Seiten erfahren. Die Stadt stellt ihnen einen Strom- und Wasseranschluss sowie das Taubenhäuschen für die Sanitäranlagen und einen Platz für einen grossen Kühlschrank zur Verfügung. Von der Stadtgärtnerei erhalten sie Pflanzen. Auch das Kulturlokal Kaff unterstützt den Fründeskreis, indem es dem Verein die Bühnentechnik bis auf weiteres ausleiht.

Der Bus steht auf dem Parkplatz Unteres Mätteli in der Nähe vom Bahnhof.

Der Bus steht auf dem Parkplatz Unteres Mätteli in der Nähe vom Bahnhof.

(Bild: Donato Caspari)

Trotz des vielen Zuspruchs sei auch ein gewisser Widerstand zu spüren, sagt Nino Blumer. «Manche Leute sind gegen die Bar und haben ihre Bedenken geäussert.» Das bereite ihm jedoch nicht allzu grosse Sorgen, sagt Blumer und schmunzelt.

«Da wir jederzeit davonfahren können, kann man uns nicht wirklich rausschmeissen.»

Zum Eröffnung am Freitag gibt es ab 19 Uhr Livemusik vom Frauenfelder Bedroom-Pop-Künstler Gamma Kite. Damit auch in Zukunft verschiedene Acts in der «Haltestell» auftreten können, will der Verein den Gewinn aus der Bar unter anderem für Künstlergagen nutzen. «Uns geht es nicht um Profit», sagt Nino Blumer, «mit dem Gewinn wollen wir weitere kulturelle Projekte lancieren.» Doch zuerst konzentriere sich die Freundesgruppe nun auf ihre Sommerbar. Mit zehn bis zwölf Innenplätzen und 30 Aussenplätze starten sie am Freitag um 16 Uhr in ihre erste Saison.