Im Thurgau mangelt es an Corona-Testkits +++ Kanton stellt auf  Home-Office um: Keine Fahrprüfungen mehr

Im Thurgau sind zu wenig Testkits vorhanden. Nur noch Personen der Risikogruppe werden getestet.

Silvan Meile
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Die Kirchen bleiben offen, Gottesdienste finden aber keine mehr statt.

Die Kirchen bleiben offen, Gottesdienste finden aber keine mehr statt.

bild: Urs Bucher

23 bestätigte Corona-Fälle vermeldet der Kanton Thurgau am Dienstagvormittag. Das sei das Resultat von bisher 276 durchgeführten Tests. Die Dunkelziffer an Infizierten muss aber weit höher sein. Denn die Tests werden nur noch sparsam angewendet – «nur noch bei Risikopatienten und Personen aus dem Gesundheitswesen», sagt Mirjam Fonti vom Informationsdienst des Kantons.

Zwar wäre es wünschenswert, auch bei Personen unter 65 Jahren mit entsprechenden Symptomen zu prüfen, ob sie tatsächlich mit dem Corona-Virus infiziert sind. Doch das sei schlicht nicht möglich, «da zu wenig Testkits vorhanden sind», sagt Fonti. Weder eine Schätzung zur Dunkelziffer an Infizierten noch eine Aussage über die Anzahl noch vorrätiger Testkits ist zu erfahren. Auf Wünsche von Personen, die auf einen Test bestehen, könne «in der Regel nicht eingegangen werden». Letztlich entscheide aber der behandelnde Arzt.

Das öffentliche Leben erlahmt. Die Kantonsverwaltung krempelt ihren Arbeitsalltag allmählich um. Die Abteilungen bereiten sich darauf vor, dass ihre Mitarbeiter zu Hause arbeiten. Einige tun das bereits. Sitzungen fänden nur noch dort statt, «wo absolut nötig» – und wenn genügend Abstand zwischen den Teilnehmenden eingehalten werden könne, sagt Fonti.

Keine Prüfungen mehr beim Strassenverkehrsamt

Besonders einschneidend sind die Massnahmen beim kantonalen Strassenverkehrsamt. Alle praktischen und theoretischen Führerprüfungen fallen aus. Fahrzeugprüfungen werden ebenfalls keine mehr durchgeführt. Die Schalter in Frauenfeld und Amriswil bleiben geschlossen. Wie das RAV und die Arbeitslosenkasse kommuniziert auch das Strassenverkehrsamt nur noch per Telefon und E-Mail.

Vor einer grossen Herausforderung stehen derzeit die Gerichte. Thomas Soliva, Mediensprecher am Thurgauer Obergericht, sagt:

«Wir müssen den Betrieb dort runterfahren, wo keine dringlichen Verfahren anstehen.»
Thomas Soliva.

Thomas Soliva.

Bild: Reto Martin

Und: «Der Zutritt zu den Gerichtsgebäuden ist nur noch nach telefonischer Voranmeldung möglich.» Bei den Verhandlungen, die aufgrund ihrer Dringlichkeit noch stattfinden und nicht abgesagt wurden, ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Für akkreditierte Medienschaffende gibt es Ausnahmen. Bei den Friedensrichtern finden bis auf weiteres gar keine Verhandlungen mehr statt.

Wie an den Gerichten wird auch der Betrieb bei der Kesb, der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde, stark heruntergefahren. Dort gilt ebenfalls der Grundsatz, dass nur noch «in dringenden Fällen» Verhandlungen und Anhörungen stattfinden.

Der Gottesdienst im Livestream

Die Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus machen auch vor der geistlichen Welt nicht halt. So reagiert die Katholische Kirche auf die Weisungen des Bundesrates: Bis am 19. April werden im ganzen Bistum Basel keine öffentlichen Gottesdienste mehr gefeiert. «Die Kirchen bleiben offen und die Seelsorge ist gewährleistet», heisst es in einer Mitteilung. Bereits vergangene Woche haben verschiedene Bischöfe, auch jene von Basel und St.Gallen, die Sonntagspflicht aufgehoben.

Auch die Evangelische Landeskirche sieht von Versammlungen jeglicher Art ab. Es finden deshalb auch keine Gottesdienste und andere Zusammenkünfte mehr statt. «Aufgrund der vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen können somit auch keine Karfreitags- und Ostergottesdienste im traditionellen Format durchgeführt werden», heisst es in einer Mitteilung. Eine Ausnahme bestehe für Beerdigungen im engen Familienkreis.

Beide Landeskirchen erachten die Möglichkeit von Live­streams als gute Variante, dass die Gemeinschaft über das Internet an den Gottesdiensten teilhaben kann.

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