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Im Thurgau gibt es Heimatkunde nur noch online

Von Schnecken über den Wigoltinger Handel bis zur Bodensee-Thurtalstrasse: Für den Unterricht in Heimatkunde hat das Thurgauer Amt für Volksschule das erste reine Onlinelehrmittel des Kantons geschaffen. Der Name: «Thurgau du Heimat».
Thomas Wunderlin
Yvonne Kesseli, Mitarbeiterin des Amts für Volksschule, leitete das Projekt «Thurgau du Heimat». (Bild: Andrea Stalder)

Yvonne Kesseli, Mitarbeiterin des Amts für Volksschule, leitete das Projekt «Thurgau du Heimat». (Bild: Andrea Stalder)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Ausgerechnet beim Schreiben dieses Satzes zeigt sich der Nachteil eines Onlinelehrmittels: die Abhängigkeit von einem Server. Das Portal von «Thurgau du Heimat» ist zwar erreichbar (www.tgdh.ch). Doch die Links zu den Lerneinheiten führen nur zur Meldung: «Oops, an error occurred!»

Man versteht die Primarlehrerin aus der Region Kreuzlingen, die «Thurgau du Heimat» nicht im Unterricht einsetzen will, da sie Bücher vorzieht:

«Ich habe gern etwas Handfestes.»

Der Chef des Amts für Volksschule, Beat Brüllmann, erklärt: «Im Moment werden offensichtlich Wartungsarbeiten durchgeführt. Dies muss während der Schulferien geschehen.» Zurzeit ist die Internetplattform «Thurgau du Heimat» noch bei der Eduteam GmbH im glarnerischen Mollis daheim. Die Migration auf einen Server des Amts für Informatik ist laut Brüllmann auf Ende des Jahres vorgesehen.

1. bis 3. Klässler lernen den Thurgau anhand des Apfels kennen. (Bild: Screenshot)

1. bis 3. Klässler lernen den Thurgau anhand des Apfels kennen. (Bild: Screenshot)

200 Thurgauer Lehrer haben ein Login beantragt

Bis zum Unterrichtsbeginn am 13. August sollte das Warten ein Ende haben. «In diesem Schuljahr fängt die Betriebsphase an», sagt Projektleiterin Yvonne Kesseli. «2017 haben wir mit 15 Lerneinheiten gestartet, im letzten halben Jahr haben wir alle abgeschlossen.» Das heisst: 28 Lerneinheiten stehen zur Verfügung, wenn der Server wieder läuft.

200 Lehrer, die ein Login beantragt haben, wollen offensichtlich mit ihren Schülern damit arbeiten. Nicht so die erwähnte Primarlehrerin. Sie wird auch deshalb «Thurgau du Heimat» im Unterricht nicht verwenden, weil das Onlinelehrmittel «zu hoch für meine Einführungsklässler» sei. Auch eine Lehrerin aus dem Oberthurgau hat nicht vor, sich damit zu befassen; sie erklärt: «Ich unterrichte Sprachen und Geschichte auf der Sekundarstufe.»

Offensichtlich ist «Thurgau du Heimat» in der Thurgauer Volksschule noch nicht angekommen. Auch wenn das «Schulblatt» das neue Lehrmittel zum Anlass genommen hat, eine Ausgabe dem Thema Heimat zu widmen.

3. bis 6. Klässler lernen Siedlungsraum, Wald, Kulturland und Gewässer unterscheiden. (Bild: Screenshot)

3. bis 6. Klässler lernen Siedlungsraum, Wald, Kulturland und Gewässer unterscheiden. (Bild: Screenshot)

Ein reines Onlinelehrmittel sei gewöhnungsbedürftig, sagt Amtschef Brüllmann. Die bisherigen Rückmeldungen seien positiv.

Beim Rückblick kam die zukunftsweisende Idee auf

Die Idee des Onlinelehrmittels entstand 2009, als das Amt für Volksschule ein Sonderheft zum 175-Jahr-Jubiläum der Thurgauer Volksschule herausgab. Es hiess «Zeitonline», doch das Trägermaterial war das traditionelle Papier. Online verfügbar war nur etwas Quellenmaterial zur Geschichte. 2013 regte die Abteilung Schulaufsicht an, dieses Onlinematerial zu einem Lehrmittel weiterzuentwickeln. Damit sollte es leichter werden, Medien und Informatik in die Schule zu bringen, wie es der neue Lehrplan verlangt. Nach ersten Abklärungen entschied man sich für einen Neustart mit einer eigenen Plattform.

Auch der Staatsdienst und das Vereinswesen werden thematisiert. (Bild: Screenshot)

Auch der Staatsdienst und das Vereinswesen werden thematisiert. (Bild: Screenshot)

Sowohl Einführungsklässler wie Sekundarschüler finden darauf Angebote, die auf sie zugeschnitten sind. Die 28 Lerneinheiten verteilen sich auf drei Zyklen: 1.–2. Klasse Primarschule, 3.–6. Klasse und Sekundarschule. «Thurgau du Heimat» ist laut Brüllmann das erste rein digitale Lehrmittel des Kantons Thurgau. Auch in den Nachbarkantonen gebe es nichts Vergleichbares.

Der Name erinnert ans Thurgauerlied, aber auch an «Der Thurgau – du Heimat», ein 1970 im Thurgauer Lehrmittelverlag erschienenes Heimatkundebuch, illustriert mit Fotos von Hans Baumgartner.

Eher nicht für das breite Publikum gedacht

Beat Brüllmann, Chef Amt für Volksschule. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Beat Brüllmann, Chef Amt für Volksschule. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Der Unterschied des Onlinelehrmittels zum traditionellen Schulbuch besteht aber nicht nur im Medium. Wer sich durch das öffentlich zugängliche «Thurgau du Heimat» klickt, der findet nicht ohne Weiteres Informationen zur Thurgauer Geografie, Geschichte oder Natur, wie sie das Heimatkundebuch serviert hatte. Brüllmann sagt:

«Man muss relativ schnell selber etwas machen.»

Nach einigen Klicks gelangt man eher zufällig zu Themen wie dem Wigoltinger Handel oder der Bodensee-Thurtalstrasse; eine gezielte Suche ist kaum möglich. Relativ einfach ist der Zugriff im Geschichtsarchiv. Oft steht am Ende ein Link zu einem kantonalen Amt oder einem Internetlexikon wie Wikipedia und dem Historischen Lexikon der Schweiz. «Es gibt ein paar coole Sachen wie den Zeitstrahl zur Geschichte», sagt Brüllmann. Er nehme aber nicht an, dass die Website ein breites Publikum anziehen werde.

Auf "Thurgau du Heimat" gibt es auch Daten zur Geschichte - etwa zu den Gletschern oder den Römern. (Bild: Screenshot)

Auf "Thurgau du Heimat" gibt es auch Daten zur Geschichte - etwa zu den Gletschern oder den Römern. (Bild: Screenshot)

«Die Lerneinheiten sind alle ähnlich aufgebaut», erklärt Projektleiterin Kesseli. Nach einem kurzen Film, der das Thema vorstellt, folgen eine Einführung mit Begriffserklärungen und eine Übung, in der sich die Schüler selber Gedanken machen müssen. Beispielsweise lernen sie in der Einheit «Unterwegs im Thurgau», die zum ersten Zyklus gehört, den Unterschied zwischen Siedlungsraum und Naturraum kennen. Dann müssen sie zwei Gebäude und zwei Gewässer einem der beiden Räume zuordnen. Am Ende stehen Vorschläge für Projektarbeiten.

Arbeiten können digital abgegeben werden

Damit ein Onlinelehrmittel in die Schulen kommen kann, benötigen diese einen Internetanschluss – darüber verfügen heute laut Brüllmann «praktisch alle». Viele hätten WLAN, manche LAN. «Nicht alle haben denselben Datendurchsatz; aber die Geschwindigkeit ist nicht so wichtig.» Auch Tablets oder Laptops seien vorhanden. «Man braucht nicht viel, es reicht ein Gerät pro Gruppe.» Papier und Stift braucht es hingegen kaum noch. Denn die Schüler liefern das Resultat ihrer Arbeiten digital ab, indem sie es auf das Portal hochladen.

Sekundarschüler beschäftigen sich unter anderem mit Zahlen und Statistiken zu verschiedenen Thurgauer Themen. (Bild: Screenshot)

Sekundarschüler beschäftigen sich unter anderem mit Zahlen und Statistiken zu verschiedenen Thurgauer Themen. (Bild: Screenshot)

Um eine Lerneinheit durchzuarbeiten, braucht es etwa drei bis sechs Lektionen. «Es kommt darauf an, was die Lehrperson verlangt», sagt Brüllmann. «Es ist nicht die Idee, dass das ganze Lehrmittel von vorne bis hinten durchgearbeitet wird. Sondern die Lehrperson wählt ein Thema aus, das sie bearbeiten will, und schaut, was ihr zur Verfügung steht.»

Romanshorner Kantonsschülerin liest Aufgaben vor

Jüngeren Schülern dient ein Löwe als Identifikationsfigur. Im ersten Zyklus wendet er sich direkt an den Benutzer. Den jüngeren Schülern liest zudem eine unsichtbare Sprecherin die Aufgaben vor; die Stimme ist jene der Romanshorner Kantonsschülerin Viviane Schiess.

Wieder ein Buch wie «Der Thurgau – du Heimat» zu machen, das sei kein Thema gewesen, sagt die Projektleiterin. Man habe das vorhandene Quellenmaterial und die Fotos zusammenbringen wollen mit den Bezügen zu den kantonalen Museen und Fachstellen. «Diesen Reichtum in einem Buch zusammenzubringen – das geht gar nicht.» Das Onlinelehrmittel habe auch den Vorteil, dass es leicht aktualisiert werden könne.

«Ein Printlehrmittel hat heute eine Lebenszeit von etwa fünf Jahren.»

60'000 Franken pro Jahr

Die laufenden Kosten des Projekts «Thurgau du Heimat» betragen nach Angaben des Chefs des Amts für Volksschule, Beat Brüllmann, zurzeit rund 400'000 Franken. Die Schlussabrechnung wurde noch nicht erstellt. Die Aufwendungen für die Betriebsphase betragen jährlich 60'000 Franken und werden während der Einführungsphase vom Amt für Volksschule getragen. Nach der vierjährigen Einführungszeit wird über die Form der finanziellen Beteiligung durch die Schulen entschieden. (wu)

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