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Der Amriswiler Nicolo Soller
singt bei "Mamma Mia"

Abba-Musical: An den Thunerseespielen verkörpert der Thurgauer einen forschen Frauenschwarm. Hinter der Bühne spricht er über seine Passion, die Zukunft und Mona Vetsch.
Maria Keller
«Sei immer nett»: Musical-Darsteller Nicolo Soller aus Amriswil. (Bild: PD/Lenja Schultze)

«Sei immer nett»: Musical-Darsteller Nicolo Soller aus Amriswil. (Bild: PD/Lenja Schultze)

Weisse Converse, Sommershorts und ein simples rotes Shirt. Ausnahmsweise ist Nicolo Soller in zivil auf der Bühne anzutreffen. Kein Make-up im Gesicht und keine Perücke auf dem Kopf.

Im Laufschritt führt er über die Seespielbühne in Thun. Rauf auf eine der drei gebauten Inseln auf dem Thunersee, rein in das nachempfundene Haus der Figur Donna und ihrer Tochter Sophie. Weiter in die Bar auf der Hauptbühne, wo Soller als Chili die junggebliebene Tanja verführen will. Dann in die Künstlergarderobe, die Maskenabteilung und hoch auf die Tribüne mit den rund 3000 Sitzplätzen. Dazwischen ein Händeschütteln mit dem Bühnenbildner hier, ein kurzer Wortwechsel mit dem Regisseur da.

Die Requisiten liegen beschriftet an ihrem Platz, das Krönchen für die «Dancing Queen»-Nummer wurde genauestens an Sollers Kopf angepasst. Die Kulissen scheinen bereit für die Premiere der Thunerseespiele am 11. Juli. Bereit ist auch der 26-Jährige aus Amriswil.

Vor Eiger, Mönch und Jungfrau

In der Open-Air-Produktion des Musicals «Mamma Mia» verkörpert Nicolo Soller nebst der Nebenrolle des Junggesellen Chili die Zweitbesetzung für die Hauptrolle des Bräutigams Sky. «Ich bin unglaublich stolz, es soweit geschafft zu haben. Das hier ist ein Traumspielort», sagt er. Auf der Tribüne mit Ausblick auf den Thunersee, in der malerischen Kulisse mit Eiger, Mönch und Jungfrau im Hintergrund, kommt der Schauspieler ins Erzählen.

«Schon im Kindergarten habe ich mich dauernd verkleidet und bin in verschiedene Rollen geschlüpft. Ich hatte nie Scham, wenn es darum ging, mich als Frau zu verkleiden.» Was das Allerwichtigste in seinem Business sei? «Mut zur Hässlichkeit. Das prägen sie einem in der Ausbildung als Erstes ein.» Sollers Leidenschaft zur Schauspielerei entflammte erst so richtig in der Oberstufe, als er unter der Leitung seines damaligen Musiklehrers in zahlreichen Theaterproduktionen mitwirkte. Nichtsdestotrotz schlug er zuerst einen anderen beruflichen Pfad ein.

"Ich war ein roher Diamant, der in der Ausbildungsphase von meinen Dozenten geschliffen wurde."

Während seiner kaufmännischen Lehre bei der BINA in Bischofszell nahm er Gesangsstunden. Danach folgten zwei Jahre an der SAMTS, StageArt Musical & Theatre School, in Zürich neben der Beruflichen Maturitätsschule und schliesslich kam das Erlangen des Bachelor of Arts im Studiengang Musical in München.

«So abgestumpft es auch klingen mag: Ich war ein roher Diamant, der in der Ausbildungsphase von meinen Dozenten geschliffen wurde.» Klar sei aber: «Die Passion für diesen Beruf hat man einfach.» Anderes müsse trainiert und perfektioniert werden. «Ich bin eher der Schauspieler und Sänger. Das Tanzen ist noch meine grösste Baustelle.»

Zusammen in der Aare schwimmen

Soller schwärmt. Seine Euphorie, die Leidenschaft zum Theater ist schon in den ersten Minuten spürbar, wenn er von seiner jetzigen Tätigkeit erzählt. Nur diese Leidenschaft mache es ihm möglich, auch mit den Schattenseiten der Branche umzugehen. Das Team der «Mamma Mia»-Produktion sei eine kleine Familie geworden. «In unserer Freizeit gehen wir wandern und in der Aare schwimmen.» Seine leibliche Familie hat er schon länger nicht mehr gesehen. Teils muss Soller an Weihnachten arbeiten oder lebt für eine Produktion eine Weile im Ausland. Seine Wohnung hat er in Hamburg, dort war er aber schon seit zwei Monaten nicht mehr.

Sein Partner Claudio Gottschalk-Schmitt, den er während des Studiums kennen gelernt hatte, spielt aktuell bei der Inszenierung von «Das Dschungelbuch» in der Festspielstadt Wunsiedel in Deutschland.

Mit vier Produktionen im Jahr ändere die «berufliche Familie» jedes Mal. «Ich lerne immer viele tolle Leute kennen, aber stelle oft auch fest, wie unpersönlich und gesichtslos dieses Business sein kann», sagt Soller. Es sei hart, aber man könne ja nicht mit jedem befreundet sein. «Deshalb bin ich neben dieser Schnelllebigkeit angewiesen auf Leute, die auch auf Dauer in meinem Leben bleiben, die standhaft sind», sagt Soller. «Und ich bin unglaublich dankbar, solche Leute in meinem Umfeld zu haben.» Man müsse in der Schauspielbranche lernen, auszuwählen. Sollers Motto trotz allem: «Always be professionell and nice.» Was soviel heisst wie: Sei immer professionell und nett.

"Wir Schauspieler
müssen uns
ständig beweisen."

Die Professionalität und gleichzeitige Offenheit und Herzlichkeit sprüht Soller förmlich aus. Sein Wesen ist offen und unkompliziert, doch mit einer gewissen Skepsis und Bedachtheit wenn nötig. Und nie voreilig.

«Wir Schauspieler müssen uns ständig beweisen», sagt Soller. «Die Auditions, die Branche generell: Das ist ein grosser Markt, wo wir uns kontinuierlich bewerben müssen.» Wenn einem dies nicht gelinge – und das sei gerade anfangs unumgänglich – müsse man lernen, mit der temporären Arbeitslosigkeit leben zu können.

«Selbst wenn ich in keiner Produktion mitwirke, gehe ich immer noch in Tanz- und Gesangsunterricht und arbeite an meinen Schwächen. Man muss nehmen, was man hat, und das Beste daraus machen.» Wenn man das nicht wirklich wolle, habe man keine Chance.

Er hat ein weibliches Vorbild

Nicolo Soller will es wirklich. Zumindest für den Moment. Festnageln auf das Eine und Einzige will er sich aber nicht. «Ich habe meinen Traumberuf gefunden. Gleichzeitig brenne ich für Veränderungen, Chancen.» So könne er es sich gut vorstellen, sich in Zukunft einmal spezifischer auf die Schauspielerei zu konzentrieren und vertieft in Kammermusicals oder Schauspielmusicals mitzuwirken.

Ausserdem reizt ihn die Moderation. «Mein grosses Vorbild ist Mona Vetsch. Diese Frau hat ein unglaubliches Wissen.» Es sei spannend, über die Zukunft und mögliche Veränderungen nachzudenken, doch vorerst bleibe er auf dem Bühnenboden stehen. Denn nach Ende der Thunerseespiele steht Soller unter Zweijahresvertrag beim TFN Theater für Niedersachsen in Hildesheim. Bis dahin freut er sich aber, als koketter Chili die Damenwelt um den Finger zu wickeln.

Hinweis

Thunerseespiele «Mamma Mia!», 11. Juli bis 30. August.

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