Bis vor kurzem arbeitete dieser Wittenwiler noch als Maschineningenieur, jetzt schnitzt er lebensgrosse Holzfiguren

Früher hat ihm das Arbeiten mit Holz nicht zugesagt. Seit Daniel Rickenbach aber seinen Job als Maschineningenieur gekündigt hat, konzentriert er sich auf seine neue Leidenschaft: das Holzbildhauen. Wie lange er das tun wird, weiss er derzeit selber noch nicht.

Roman Scherrer
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Daniel Rickenbach mit «Hans Holzmann» und «Kathrin», zwei seiner bisher zehn Holzfiguren. (Bilder: Donato Caspari)

Daniel Rickenbach mit «Hans Holzmann» und «Kathrin», zwei seiner bisher zehn Holzfiguren. (Bilder: Donato Caspari)

Vor dem modernen Wittenwiler Einfamilienhaus grüssen zwei lebensgrosse Holzfiguren – ein älterer Herr, der in die Weite schaut, und eine Frau, die einem auf dem Bauch liegend fröhlich anlächelt. «Eine Nachbarin hat der hölzernen Dame hallo gesagt, als sie hier im Mondlicht vorbeiging, andere haben sich ab dem Herrn schon erschrocken», erzählt Daniel Rickenbach schmunzelnd. Er ist der Schöpfer dieser Figuren.

Mit dem Holzbildhauen hat der 41-Jährige erst vor ein paar Monaten begonnen. Er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, Handwerk liegt ihm nicht fern, aber:

«Früher hat mir das Arbeiten mit Holz überhaupt nicht zugesagt.»

An der ETH hat Daniel Rickenbach sein Maschinenbaustudium absolviert. Bis Ende 2018 arbeitete er 14 Jahre lang bei der Bühler AG in Uzwil, war dort als Teamleiter tätig. «Bei schönem Wetter fand ich es jeweils schade, vor den Computer zu sitzen.» Dennoch, die Arbeit gefiel ihm. Nach personellen Wechseln ergaben sich aber persönliche Differenzen, weshalb der zweifache Vater nach einer für ihn schwierigen Zeit im vergangenen November die Kündigung einreichte.

Inspiration Schnitzlerweg

Seither konzentriert er sich auf das Holzbildhauen, eine Wanderung im Berner Oberland hat ihn überhaupt auf diese Idee gebracht. «Mit der Familie bin ich den Schnitzlerweg auf der Axalp abgelaufen. Die Holzfiguren dort haben mich fasziniert und ich dachte: Jetzt versuche ich das auch mal.»

So kaufte sich Rickenbach ein Schnitzmesser und besorgte sich Holz von einem seiner beiden Brüder, die beide Wald besitzen. Eine ältere Motorsäge hatte er bereits. Und so entstand die erste Figur, «Hans Holzmann», der alte Mann, der vor Daniel Rickenbachs Haus steht:

Wer seine Figuren sieht, mag erstaunt sein, dass Rickenbach bis vor kurzem nicht mit Holz gearbeitet hatte. Er selber winkt bescheiden ab:

«Das würde jeder hinkriegen. Ich denke, die meisten versuchen es einfach gar nicht erst.»

An den originellen Fotos, die er von den fertigen Figuren macht, hat Rickenbach fast noch mehr Freude als an den Figuren selber. «Es verlangt mir aber schon noch etwas Mut ab, sie für die Fotos zum Beispiel am Bahnhof hinzustellen.»

Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
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Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
Die fertigen Figuren platziert Daniel Rickenbach für originelle Fotos an speziellen Orten. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)
Die fertigen Figuren platziert Daniel Rickenbach für originelle Fotos an speziellen Orten. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)

Daniel Rickenbach dokumentiert die Entstehung seiner Holzfiguren jeweils mit Fotos. (Bild: PD/Daniel Rickenbach)

Seine Figur-Ideen findet Rickenbach in Alltagssituationen. Ihm gefällt der Gedanke, dass in den Bäumen die Figuren nur darauf warten, endlich befreit zu werden. Dafür muss der Wittenwiler die Stämme zunächst in seinen Keller befördern. Rickenbach erzählt lachend:

«Das erste Mal holte ich mir einen Hexenschuss».

Körperlich bedeutete die neue Tätigkeit ohnehin eine markante Umstellung für ihn.

Proportionen und Details von Fotos

Bevor er loslegt, fertigt Rickenbach Skizzen an. Von Fotos schaut er sich Proportionen und Details ab. Dann beginnt das Handwerk. «Ich versuche bereits mit der Motorsäge möglichst nahe an die definitiven Konturen zu kommen.»

Im Anschluss folgt die Feinarbeit mit dem Schnitzmesser sowie das Beizen und Ölen. Je nachdem erhält die Figur nämlich etwas Farbe. 

Daniel Rickenbach fertigt am liebsten grosse Figuren, die dann an der frischen Luft zu stehen kommen. «Ich fände es schön, wenn die Leute durch sie ins Gespräch kommen.»

Bis jetzt hat Rickenbach kaum etwas verdient mit seinen Werken. «Derzeit lebe ich vom Ersparten und von meiner Frau», sagt er und ergänzt:

«Würde meine Frau das nicht mitmachen, ginge es natürlich nicht.»

Klar sei es das Ziel, die Figuren verkaufen zu können. Zunächst hat Rickenbach aber an sich selber den Anspruch, sein Handwerk weiter zu verbessern.

Daniel Rickenbach scheint glücklich, vor einigen Monaten sein Leben umgekrempelt zu haben. Wenn er jeweils Bekannten erzählt, was er nun macht, liegen die Reaktionen zwischen Bewundern und Belächeln. «Dass die einen dies belächeln, verstehe ich, auch ich muss ab und zu darüber schmunzeln.» Es sei ihm aber klar geworden, wie sehr sich die Leute über den Beruf definieren.

«Die erste Frage lautet nämlich oft: Wann bewirbst du dich wieder?»

Wie lange er Holzfiguren kreieren wird oder ob er damit gar seine Berufung gefunden hat, weiss Rickenbach nicht. Aber es macht ihm Spass. «Deshalb passt es im Moment.»

Weitere Informationen unter www.ausdembaum.ch.