Im Frauenfelder Stadtparlament hat ein Stadtbus-Kurzstreckentarif keine Chance

Drei Gemeinderätinnen von Chrampfe&Hirne wollten mit einem neuen Tarif den Stadtbus noch attraktiver machen. Das sah am Mittwoch die Mehrheit der Stadtparlamentarier anders.

Mathias Frei
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Wartende Stadtbusse am Bahnhof Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Wartende Stadtbusse am Bahnhof Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Sandra Kern, Gemeinderätin CH und Mitmotionärin. (Bild: PD)

Sandra Kern, Gemeinderätin CH und Mitmotionärin. (Bild: PD)

Für kurze Strecken ist ein Stadtbus-Einzelbillett zu teuer. Dieser Meinung sind die CH-Gemeinderätinnen Sandra Kern, Anita Bernhard und Salome Scheiben. Das ist ein Grund, weshalb sie mit einer Motion die Einführung eines Kurzstreckentarifs gefordert hatten. Eine Fahrt über maximal fünf Stationen sollte halb so viel kosten wie ein normales Einzelbillett. Der Vorstoss scheiterte am Mittwochabend im Gemeinderat aber vor allem am vom Stadtrat vorhergesagten schlechten Nutzen des neuen Tarifs. Letztlich erklärten 24 Gemeinderäte die Motion für nicht erheblich. 15 waren auf der Seite der drei Motionärinnen.

Salome Scheiben, Gemeinderätin CH und Mitmotionärin. (Bild: PD)

Salome Scheiben, Gemeinderätin CH und Mitmotionärin. (Bild: PD)

Ihr Ziel sei es, mit dem neuen Tarif den Stadtbus attraktiver zu machen und so neue Nutzergruppen zu generieren, sagte Motionärin Sandra Kern. Statt utopischen Neuerungen wollte das Trio einen kleinen, aber umsetzbaren Vorschlag einbringen. Kern bedauerte, dass sich der Stadtrat an Ist-Zahlen klammere und zu stark auf den Bahnhof fokussiere.

Während Fredi Marty (MproF) sich hinter das Anliegen der Motion stellte und sagte, es habe in dieser Legislatur auch schon schlechtere Vorstösse gegeben, hielt der zuständige Stadtrat Urs Müller dagegen:

«Dass es schon schlechtere Vorstösse gegeben hat, muss nicht heissen, dass dieser Vorstoss gut ist.»
Anita Bernhard, Gemeinderätin CH und Mitmotionärin. (Bild: PD)

Anita Bernhard, Gemeinderätin CH und Mitmotionärin. (Bild: PD)

Man müsse sich auf Ist-Zahlen abstützen, sonst komme der Vorwurf der Fantasterei. Zudem gehe der Trend Richtung Abo. 2014 seien 40 Prozent der Fahrten mit Einzelbillett gemacht worden, heute seien es noch 25 Prozent. Heinrich Christ (CH) wollte Frauenfeld nicht mit Kreuzlingen oder Wil vergleichen, wo es keinen Kurzstreckentarif gibt. Félicie Haueter (SP) würde eine Vergrösserung der Kurzstreckenzone auf mehr als fünf Station begrüssen. Das würde zum Energiestadt-Label passen. Bei kurzen Strecke könne der Stadtbus preislich heute nicht mit dem Auto mithalten, votierte Roman Fischer (Grüne) für die Motion.

Dagegen sprachen sich Susanna Dreyer (CVP), Ursula Duewell (FDP) und Andres Storrer (SVP) aus. Dreyer war angetan von günstigeren Tageskarten, ein Kurzstreckentarif rechtfertige aber die teure Umstellung nicht. Duewell monierte, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Passagiere vom neuen Tarif profitierten. Zudem mutmasste sie, dass die zusätzlichen Kosten kaum durch eine Nachfragesteigerung gedeckt werden könnten. Für Storrer ist der Nutzen des neuen Tarifs fraglich.