Im Dienste der nächsten Generationen: Anpacken für den Schutz der Thurgauer Kulturgüter

Was, wenn ein Sturm eine Schneise der Verwüstung durch Frauenfeld schlägt und die Dächer des Schlosses Frauenfeld und des Zentraldepots des Amts für Archäologie aufdeckt. Für einen Fall wie diesen übt der Thurgau den Schutz seiner kostbaren Gegenstände aus der Vergangenheit.

Christof Lampart
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Zivilschutzmitarbeiter sichern die Gegenstände während einer Übung zum Kulturgüterschutz im Historischen Museum Thurgau im Schloss Frauenfeld.

Zivilschutzmitarbeiter sichern die Gegenstände während einer Übung zum Kulturgüterschutz im Historischen Museum Thurgau im Schloss Frauenfeld.

Ennio Leanza / Key

Der Kanton rechnet mit dem Schlimmsten. Die Fachstelle des Kulturgüterschutzes des Kantons Thurgau hatte zu einer Übung aufgeboten, welche beim Amt für Denkmalpflege angesiedelt und von den Zivilschutzorganisationen unterstützt wird.

Beteiligt an der Übung waren auch die Kollegen aus der Stadt Zürich; insgesamt waren 73 Kulturgüterschützer – 25 aus dem Thurgau, 48 aus Zürich – im Einsatz, um die «Schätze» –, welche für die Übung durch billige Substitute ersetzt wurden, die Original blieben an Ort und Stelle – aus den maroden Gemäuern zu retten.

Rettung erfolgte rasch und reibungslos

Derweil das Experten-Team im ersten Obergeschoss des Schlosses Frauenfeld die geborgenen Objekte aufgrund ihres erlittenen fiktiven Schadens (feucht, nass oder trocken) und somit auch die Dringlichkeit ihrer Behandlung einschätzte, waren wenige Meter entfernt Kulturgüterschützer damit beschäftigt, die kostbaren Gegenstände zuerst in Seidenpapier und dann in Druckpolsterfolie einzuwickeln.

Ein Zivilschutzmitarbeiter sichert den Eingang.

Ein Zivilschutzmitarbeiter sichert den Eingang.

Ennio Leanza / Key

Dass das wertvollste Objekt des Museums, die Mitra aus dem Kloster Kreuzlingen, mehr wie eine Narrenkappe aussieht (und tatsächlich auch eine ist) – geschenkt: Die Kulturgüterschützenden packen sie nichtsdestotrotz effizient und sorgfältig ein – und bestanden so aus der Sicht von Daniel Häberli, Leiter der Fachstelle Kulturgüterschutz im Thurgau, den Test: «Bei solchen Übungen geht es darum, alles nur menschenmöglich zu unternehmen, damit die identitätsstiftenden Kulturgüter für die nachfolgenden Generationen rasch gerettet und erhalten werden können. Bis jetzt verläuft die Übung professionell und reibungslos», freute sich Häberli.

Der Thurgau als Vorbild für Zürich

Auch für den Kommandanten der Zivilschutzregion «Zürich West», der Stadt Zürich und Verantwortlichen für Kulturgüterschutz, Claudio Pupolin, war die interkantonale Übung wie ein Sechser im Lotto. «Im Thurgau ist der Kulturgüterschutz, da er beim Kanton und nicht beim Zivilschutz angegliedert ist, viel besser aufgestellt und dotiert als wir in der Stadt Zürich. Für uns ist die Übung deshalb eine gute Möglichkeit, um zu sehen, wo und wie wir uns noch in vielerlei Hinsicht verbessern können», erklärte Pupolin.

Zivilschutzmitarbeiter sichern die Gegenstände.

Zivilschutzmitarbeiter sichern die Gegenstände.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Dann packten Thurgauer und Zürcher Einsatzkräfte gemeinsam historisch Wertvolles in die Kisten und trugen dieses vors Schloss, wo in Zelten die geretteten Objekte verglichen, notiert und auf der Liste abgehakt wurden.

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