Im Dialog mit der Sprache: Im Oberstufenzentrum Auen in Frauenfeld geht die Schreibwerkstatt «Schreibinsel» in die dritte Runde

Zwölf freiwillige Schülerinnen und Schüler nehmen dieses Jahr am Projekt« Schreibinsel» teil und arbeiten an vier Vormittagen an ihren Texten zum Thema «Die Geschichte des geschlossenen Buchs». Unterstützung erhalten sie von Schreibcoach Usama Al Shahmani.

Sophie Ade
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Schreibcoach und Autor Usama Al Shahmani gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der «Schreibinsel» Inputs.

Schreibcoach und Autor Usama Al Shahmani gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der «Schreibinsel» Inputs.

Bild: Andrea Stalder

«Keine Bewertungen. Nur Empfehlungen.» Mit diesen Worten will Schriftsteller Usama Al Shahmani die stummen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Schreibwerkstatt «Schreibinsel» dazu ermuntern, ihren ersten Textentwurf vorzulesen. Noch wagt keiner der zwölf Schülerinnen und Schüler der dritten Sek des Oberstufenzentrums Auen, die Hand zu heben. Al Shahmani hat Verständnis:

«Texte schreiben heisst, etwas von sich preiszugeben, und das erfordert viel Mut.»
Schreibcoach Usama Al-Shahmani.

Schreibcoach Usama Al-Shahmani.

(Bild: Andrea Stalder)

Bereits das dritte Jahr in Folge wurde er vom Frauenfelder Verein Bibliothek der Kulturen (VBdK) angefragt, um als Schreibcoach den Jugendlichen an vier Vormittagen die Sprache und das Texten näherzubringen. Der Verein organisiert und finanziert seit 2008 Angebote im Bereich Sprach- und Leseförderung für Kinder und Erwachsene, beispielsweise das Deutschcafé. Die «Schreibinsel», ursprünglich ein Projekt vom Dachverein der interkulturellen Bibliotheken der Schweiz, soll Jugendliche mittels kreativen Schreibens an Themen wie Interkulturalität und Mehrsprachigkeit heranführen.

Texten für den grossen Auftritt

Dieses Jahr widmen sich die freiwilligen Schülerinnen und Schüler aus zwei Klassen dem selbstausgesuchten Thema «Die Geschichte des geschlossenen Buchs». Nun heisst es, das eigene Verständnis und die eigenen Ideen dazu auf Papier zu bringen und bis am 27. Januar daran zu feilen. Dann dürfen sie ihre Texte in der Kantonsbibliothek Frauenfeld vortragen.

Doch noch liegt der Schreibprozess vor ihnen. Dieser soll von möglichst wenig Druck begleitet werden. «Wir Lehrpersonen legen oftmals strikte Vorgaben fest. Zudem wissen die Schüler, dass ihre Texte am Ende immer bewertet werden», sagt die Klassenlehrerin Beatrice Keller. Sie macht zum ersten Mal mit und hofft, dass ihre Schüler so Freude am freien Schreiben gewinnen. Das wünscht sich auch Werner Gunterswiler, ebenfalls Klassenlehrer.

«In der Schule konzentriert man sich auf die Theorie. Bei der ‹Schreibinsel› kommt nun die andere Seite der Sprache zum Zuge, was wertvoll ist.»

Um diese Seite auch zu erfahren, und viel in ihren Unterricht mitzunehmen, machen sich beide Lehrpersonen viele Notizen.

Nachdem Al Shahmani den Startschuss zum Texten erteilt hat, werden neue Dokumente auf dem Computer geöffnet und die ersten Zeilen geschrieben. Während die Abschnitte der Schüler immer länger werden, greift Al Shahmani zu seiner Wasserflasche. Es freut ihn, wie eifrig die Schüler am Schreiben sind.

«Man merkt, dass der Antrieb ein ganz anderer ist.»

Nebst seiner Rolle als Schreibcoach möchte er den Teilnehmern auch möglichst viel von seinen eigenen Erfahrungen als Schriftsteller mitgeben und sie zum Schreiben ermutigen. Denn das sei nichts anderes, als das Gelesene wiederzugeben.

Mehr Informationen zum Verein: www.bibliothekderkulturen.ch