Im «Biermudadreieck» zwischen Steckborn, der Halbinsel Höri und der Insel Reichenau: Das neue Untersee-Bier ist auf Kurs

Bierfreunde aus Steckborn und von der Reichenau spannen für eine grenzüberschreitende Kooperation zusammen. Dafür gab es eine Bierverkostung mitten auf dem Untersee.

Margrith Pfister-Kübler
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Roger Pernet, Vereinspräsident IG Brauerei Steckborn, am Zapfhahn mit Brauereimitglied Jan Martin.

Roger Pernet, Vereinspräsident IG Brauerei Steckborn, am Zapfhahn mit Brauereimitglied Jan Martin.

Bild: Margrith Pfister-Kübler

Flagge zeigen – aber die richtige. Für die Erstaufführung des nautischen «Biermudadreiecks» auf dem Untersee nahe beim Seezeichen 6 zwischen Reichenau, Höri und Steckborn, schickte Petrus vergangenen Samstag ein paar trockene Stunden. «Um 14 Uhr ging der Himmel auf, und es machten sich Boote und Bööt­chen auf in Richtung Reichenau», sagt Roger Pernet, Präsident der IG Brauerei Steckborn. Und weiter:

«Aufgrund der Wetteransagen griffen einige auf die Alternative Pedalo zurück. Schliesslich kamen neun Boote mit 25 Bierfreundinnen und Bierfreunden zusammen – sogar Leute aus Weinfelden und Kreuzlingen.»

So habe man eine Vielzahl von Bieren degustiert und eifrig über deren Geschmack philosophiert. Der Dreieckverbund löste sich zum Sonnenuntergang mit der Gewissheit auf, dass man sich kommenden Sommer etwas früher zum zweiten «Biermudadreieck» treffen wollen.

Die Reichenauer Inselbrauerei hat dieses erstmalige Treffen initiiert. Das kreative Start-up von der Klosterinsel pflegt freundschaftliche Kontakte zur IG Brauerei Steckborn.

Verkostung auf dem Untersee.

Verkostung auf dem Untersee.

Bild: PD

Seit über 1000 Jahren Verbindungen über See

Die Steckborner waren bereits einmal in der Reichenauer Brauwerkstatt, einer alten Gemüsehalle am Fuss der Hochwart. Da wurden Steckborner und Reichenauer Bierkünste bei einem gemeinsamen Tasting genossen. Sigrun Bundschuh von der Inselbrauerei sagt:

«Dabei wurde die Idee geboren, als grenzüberschreitende Kooperation die alten, bereits weit über 1000 Jahre alten Verbindungen zwischen Steckborn, der Höri und der Reichenau wiederzubeleben.»

Nachdem der Wein auf der Reichenau Anfang des 9. Jahrhunderts durch Steckborner Rebleute im Klostergarten angebaut worden sei, freuten sich die Reichenauer Inselbrauer, nun gemeinsam mit den Steckbornern ein leckeres Untersee-Bier zu brauen und den alten Banden neuen Geist einzuhauchen.

Beim kürzlichen Gärschtähöck der IG Brauerei Steckborn.

Beim kürzlichen Gärschtähöck der IG Brauerei Steckborn.

Bild: Margrith Pfister-Kübler

Die Reichenauer arbeiten bereits daran, im Sommer 2021 testweise auch Hopfen anzubauen. Warum nicht die Gerste aus Steckborn holen, das Wasser aus dem gemeinsamen See? Thomas Bundschuh und Roger Pernet gefällt die Idee: «100 Prozent gemeinsamer See und Bierspezialitäten.» Man liebäugelt auch mit dem Horner Hirschen-Wirt auf der Höri, der sich kürzlich rückgebürgert hat, weil sein Grossvater August Ruggli aus Steckborn über den See siedelte und nun dessen Enkel Karl Ammann sowie die Urenkel Doppelbürger geworden sind.

«Es wäre super, wenn sich die Hirschen-Wirte uns anschliessen und damit die Geschichte perfekt machen würden.»

Das finden Sigrun Bundschuh und Roger Pernet. Beide sind davon überzeugt, dass ein früherer Aufführungstermin im nächsten Sommer noch mehr Boote, mehr Leute und mehr Biersorten auf die Seefläche zwischen Höri, Reichenau und dem Schweizer Ufer bringt.

Ein Selfie bei der Degustation auf hoher See.

Ein Selfie bei der Degustation auf hoher See.

Bild: PD

Umzug in Brauschopf steht vor der Tür

Zurzeit wird regelmässig in einer Garage in Steckborn gebraut. Dieses Bier reicht immer schön für die regelmässigen «Gärschtähocks». Roger Pernet meint: «Die Braumaschine wird vermutlich Ende Jahr in den Brauschopf verschoben werden können. Für die offizielle Eröffnung dauert es aber sicher noch bis Frühling 2021 – um den Brauschopf und das Pfleghaus betriebsbereit zu machen.» Bis man grössere Literzahlen erzielen könne, werde in Steckborn weiterhin nur für Mitglieder gebraut. Roger Pernet erklärt:

«Aber sobald wir bereit sind, einen Verkauf ins Auge zu fassen, werden wir das örtliche Gewerbe und die Gastronomie anfragen und sicherlich direkt ab der Brauerei verkaufen.»

Vom Verein IG Brauerei Steckborn wurden bisher für handwerkliche Arbeiten 450 Stunden aufgewendet. Weiter gab es Hilfe von der Baufirma Traber, von Sanitär Germann, Fenster Jenny, Heizung Staub, und Lutz Holzbau. «Diese Unternehmen geben uns einen Vereinsrabatt, und wir dürfen uns dann mal mit Bierlieferungen dankbar zeigen», erklärt Pernet die Finanzlage.

Die IG Brauerei im Internet: www.brauerei-steckborn.ch