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17-Jähriger aus Felben-Wellhausen lässt sich im Alleingang einbürgern

Einbürgerungen von Jugendlichen sind selten. Ruben Goncalves hat diesen Weg gewählt. Im Dezember wurde der 17-jährige Portugiese in seiner Wohngemeinde eingebürgert.
Evi Biedermann
Ruben Goncalves bespricht mit Pflegefachfrau Doris Forrer den Einsatzplan. (Bild: Evi Biedermann)

Ruben Goncalves bespricht mit Pflegefachfrau Doris Forrer den Einsatzplan. (Bild: Evi Biedermann)

Gefühlt sei er schon lange ein Schweizer, sagt Ruben Goncalves. «Ich bin in Winterthur geboren, lebe seit 2009 in Wellhausen und bin hier integriert.» Die Gewissheit reichte dem 17-jährigen Portugiesen jedoch nicht. Er wollte nicht nur gefühlt, sondern auch legal dazugehören und Schweizer Bürger werden. In der Regel werden Minderjährige in das Gesuch der Eltern einbezogen, ab dem vollendeten 15. Altersjahr können sie jedoch ein eigenes Gesuch um Einbürgerung stellen.

Goncalves Eltern kamen in den 1990er-Jahren aus Portugal in die Schweiz. «Sie fühlen sich wohl mit ihrem Aufenthaltsstatus», sagt Sohn Ruben. Ihn jedoch hat die Gemeindeversammlung von Felben-Wellhausen letzten Monat eingebürgert.

Nun fehlt noch die Zustimmung des Grossen Rats. Segnet dieser als letzte Instanz das Verfahren ab, erhält Ruben Goncalves das Kantonsbürgerrecht und wird auch Schweizer Bürger. Rund zweieinhalb Jahre dauerte das Verfahren. Ein Personalwechsel auf der Gemeinde hat es verzögert. «Mein Dossier war vorübergehend nicht mehr auffindbar.»

Rekrutenschule als Erfahrungsfeld

Er habe sich schon früh Gedanken darüber gemacht, was es bedeutet, nicht Schweizer zu sein, sagt Ruben Goncalves. Der Gemeindeschreiber, bei dem er sich als 15-Jähriger über die Einbürgerung informierte, erklärte ihm erst einmal, was es heisst, Schweizer zu sein. Etwa Militärdienst leisten: Rekrutenschule und so weiter. «Ist doch gut», meint Ruben Goncalves entspannt.

«Ich sehe die RS weniger als Pflicht, sondern als Erfahrungsfeld.»

Als lernender Fachmann Gesundheit sieht er auch schon einen möglichen Ausbildungsplatz für sich: die Sanitätsschule. Es werde relativ viel verlangt von Einbürgerungswilligen, sagt er im Rückblick. Dank der hiesigen Schulbildung und weitsichtigen Eltern habe er jedoch gute Voraussetzungen mitgebracht. Den Eltern sei wichtig gewesen, dass sich die beiden Söhne integrieren.

«Sie haben uns in die Kinderkrippe geschickt und von klein auf bewusst gemacht, wie wichtig es ist, die Kultur des Gastlands zu akzeptieren.»

Einen nicht alltäglichen Weg für einen Jugendlichen hat Ruben Goncalves auch bei seiner Berufswahl gewählt. Erstaunlich ist weniger der Beruf – in seiner Klasse an der Berufsschule sind immerhin fünf männliche unter den 20 angehenden Fachangestellten für Gesundheit – sondern die Ausbildungsstätte.

Sein Arbeitsplatz bei der Spitex Region Müllheim ist nicht ein fixer Ort mit Kollegen und Vorgesetzten, sondern die Wohnung von Klienten. Der private Raum von älteren und alten, zum Teil gebrechlichen Menschen, die der 2.-Jahr-Lehrling selbstständig betreut.

Mit dem Roller zu den Klienten

Wie kam es dazu? Nach dem Schnuppern an diversen Orten habe er bei der Spitex auf Anhieb Chancen erkannt, seine Sozialkompetenz einzusetzen, praxisorientiert zu arbeiten und sich bewegen zu können. «All das kann ich nun», sagt Goncalves, der mit dem Roller zu den Klienten fährt. Dass diese 60 und mehr Jahre älter sind, stört ihn nicht. Im Gegenteil. «Alte Leute sind dankbar und teils trotz körperlicher Schwächen geistig fit und zufrieden», ist seine Erfahrung.

Trotz dem Wunsch, Schweizer zu werden: Die Wurzeln der Eltern sind auch im Sohn verankert. Allein durch die portugiesische Sprache, die man zuhause spricht. Richtig lebendig werden diese Wurzeln jedoch, wenn Goncalves von seinen Ferien in Portugal erzählt. Von den einfachen, schmackhaften Gerichten, die seine Verwandten zubereiten.

Oder vom Fado, Portugals ausdrucksstarkem Musikstil, der die Landsleute miteinander verbindet. «Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust», hört man da Goethes Faust seufzen. Ruben Goncalves lässt beiden Raum. Als Portugiese, gefühlter Schweizer und zukünftiger Doppelbürger.

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