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Chic auf Heimatbesuch. Nina Belz im blauen Mantel in einem Zürcher Café.(Bilder: Andrea Stalder)

Chic auf Heimatbesuch. Nina Belz im blauen Mantel in einem Zürcher Café.
(Bilder: Andrea Stalder)

Ihr Büro liegt in Paris:
Die Frauenfelderin Nina Belz ist Auslandskorrespondentin der NZZ

An die kaputte Heizung und den vollen Terminkalender muss sie sich erst noch gewöhnen: Seit vier Monaten schreibt Nina Belz als Auslandkorrespondentin für die «Neue Zürcher Zeitung» aus Paris.
Maria Keller

Wenn Nina Belz um sieben Uhr aufsteht, greift sie als erstes zur Zeitung. «Le Monde», «Le Figaro» und «Les Échos» gehören für die nächsten Jahre zu ihrer Alltagslektüre. Seit Juli dieses Jahres berichtet die gebürtige Frauenfelderin als Auslandskorrespondentin der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ) aus Paris. Und gerade ist sie von der französischen Hauptstadt für eine Woche zurück in die Schweiz gereist. An einem Freitagmorgen sitzt Belz in einem Café am Limmatplatz in Zürich, das mit seinen verschnörkelten Holzstühlen und versteckten Sitznischen schon fast französischen Charme versprüht. Mit ihrem eleganten blauen Trenchcoat à la Pariser Mode passt die Journalistin ins Bild.

Fussball WM und Wildpinkler

Der Terminplaner der 35-Jährigen ist prall gefüllt, in zwei Stunden steht die nächste Verabredung an. Belz redet schnell. «Ich muss noch daran arbeiten, meine Work-Life-Balance besser in den Griff zu kriegen», sagt sie und lacht. Während des morgendlichen Joggens das Handy auch mal wegzulegen, einen Sportverein zu besuchen und nicht immer den Drang zu verspüren, nochmals Twitter abzuchecken. «Das wäre das Ziel.» Aber natürlich wolle man seinen Job gut machen. Und Belz ist ehrgeizig. «Die Arbeit ist anstrengend und intensiv, aber ich gebe Vollgas.» Als Auslandskorrespondentin ist sie für ganz Frankreich verantwortlich. Sie berichtete an der Fussball-WM direkt von der Champs-Elysées, sprach mit empörten Frauen vor der von der Schliessung bedrohten Maternité in Le Blanc und schrieb über «polarisierende Wildpinkler» auf der Ile Saint-Louis. Grundsätzlich gilt: Alles, was Frankreich bewegt, muss Belz abdecken. Dabei ist sie sich für nichts zu schade. Aktuell arbeitet sie an einer der bisher aufwendigsten Geschichten. Sie sagt:

«Für den Geldwäscherei-Prozess der UBS sitze ich oft drei Mal in der Woche im Gerichtssaal. Ansonsten arbeite ich regelmässig auch von Zuhause aus und führe Telefonate.»

Französisches Flair: Nina Belz auf Besuch in Zürich.

Französisches Flair: Nina Belz auf Besuch in Zürich.

Meist wisse sie am Abend zuvor nicht, was am nächsten Tag anstehe, sagt Belz. Es sei ein konstantes Suchen nach Geschichten, die den NZZ-Leser am Frühstückstisch 500 Kilometer weiter weg interessieren könnten. «Jeder Tag ist anders. Das ist es, was den Job stressig und aufregend zugleich macht.»

Die Herausforderung ist die Sprache

Gerichtsverhandlungen, Interviews, Telefonate: natürlich alles en français. «Die Sprache hat sich als eine der grössten Herausforderungen entpuppt», sagt Belz. «Als ich vor mehr als einem Jahr erfahren habe, dass es mich nach Paris verschlägt, belegte ich sofort einen Französischkurs.» Zuletzt sei sie an der Kanti Frauenfeld regelmässig mit der Sprache konfrontiert worden. So könne sie sich nun durchschlagen. Trotzdem muss sie noch Wörter nachgeschlagen und die Arbeit an den Berichten dauert länger als gewöhnlich. In Paris rechne man es ihr zum Teil hoch an, wenn nicht jedes Wort sitze.

«Ausserhalb der Hauptstadt werden die Leute toleranter.»

Der grosse Vorteil laut Belz: «Ich kann selbständig ohne Dolmetscher mit Primärquellen arbeiten und bin so näher am Geschehen.» Das Einsatzgebiet ist für Belz Neuland. Als Mitglied der Auslandsredaktion war sie bei der NZZ bisher zuständig für Fern-Ost und Südostasien. Über das einiges nähere Frankreich und dessen Kultur wusste sie viel weniger. Sie werde immer wieder überrascht, und sei nun schon schlauer als noch vor ein paar Monaten. Sie weiss, dass sie einfach mehrere Male anrufen muss, bis sie einen Gesprächspartner zu einem Termin verpflichten kann. Und dass die kaputte Heizung in der Wohnung auch nicht schneller ersetzt wird, wenn sie jede Woche beim Vermieter anruft. «Häufig reagieren die Leute lange nicht.» Spontan und flexibel zu sein, sei in solchen Situationen unvermeidlich.

An vieles in Paris musste sich Nina Belz, hier in einem Café in Zürich, erst gewöhnen.

An vieles in Paris musste sich Nina Belz, hier in einem Café in Zürich, erst gewöhnen.

Belz wohnt und arbeitet in einer Altbauwohnung im Zentrum der Metropole, zusammen mit ihrem Partner. «Er hat glücklicherweise einen Job in der Stadt gefunden.» Eine Erleichterung für die Journalistin. Denn ihr Partner hatte den Job in der Schweiz aufgegeben, um mit ihr nach Paris zu kommen. «Wir haben nicht lange gezögert. Wer will nicht einmal in Paris leben?», sagt Belz. «Frankreich ist so gross, und ich kenne bisher nur einen Bruchteil des Landes. Deshalb haben wir nun begonnen, am Wochenende auch einmal etwas ausserhalb von Paris zu unternehmen.» Wenn dann die Zeit da ist. «Bisher waren wir noch so von unserer Arbeit absorbiert, dass wir keine Energie hatten, uns ein soziales Netzwerk aufzubauen», sagt Belz. Es scheint ihr aber nicht allzu viel auszumachen.

Von der Politikwissenschaft zum Journalismus

Dass sie einmal in Paris leben und arbeiten würde, hätte sich Nina Belz vor zehn Jahren nicht erträumen können. Doch sie ist aufgeschlossen, neugierig, interessiert. So ist es nachvollziehbar, dass sie auf diesem Posten gelandet ist. Nach dem Studium der Politikwissenschaft an der Uni Zürich folgte ein Praktikum auf der Schweizerischen Botschaft, wo ihr Vorgesetzter beim Abschlussgespräch fragte, wieso sie nicht Journalistin werde. Damals war Belz 25 Jahre alt. Ein zweijähriges Volontariat bei der «FAZ» sowie mehrere Praktika brachten sie der Branche näher. «Ich war damals eingeschüchtert und unsicher. Mein Chef war hart, meine Texte wurden zerpflückt, aber in dieser Zeit habe ich zweifellos sehr viel gelernt», sagt Belz.

Und auch wenn sie den Medien eigentlich immer kritisch gegenübergestanden hatte, habe sie damals wie heute «mega Freude» an ihrem Beruf. «Ich habe Respekt vor gewissen Themen, die ständige Ungewissheit kann stressig sein, aber ich sage immer: ‹It keeps you going!›»

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