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Ihn müssen Fälle berühren: Der Frauenfelder Bezirksgerichtspräsident Rudolf Fuchs stellt sich nach 27 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl

Rudolf Fuchs ist seit 1992 Berufsrichter am Bezirksgericht Frauenfeld, seit elf Jahren leitet er es. Kommenden Frühling tritt er ab, ein Jahr vor seiner ordentlichen Pensionierung.
Mathias Frei
Gerichtspräsident Rudolf Fuchs in der Bibliothek des Bezirksgerichts Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

Gerichtspräsident Rudolf Fuchs in der Bibliothek des Bezirksgerichts Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

«Es wäre absolut vermessen, zu behaupten, ich hätte immer richtig entschieden.» Rudolf Fuchs sagt das – er ist Richter, ein Grandseigneur der Thurgauer Justiz. Er könne nur sagen, dass er immer versucht habe, richtig zu entschieden. Fuchs als Vertreter der CVP ist ein Richter mit Demut, seit 27 Jahren. 1992 schaffte er die Wahl zum Berufsrichter am Bezirksgericht Frauenfeld und übernahm sogleich das Vizepräsidium. Vor nun elf Jahren der nächste Schritt, die Wahl zum Bezirksgerichtspräsidenten. Kommenden Februar tritt Fuchs bei den Gesamterneuerungswahlen nicht mehr an. Im Frühling 2020, wenn seine letzte Legislatur zu Ende geht, wird er 64 Jahre alt.

«Schwere Erkrankungen von Kollegen haben mir aufgezeigt, dass der Beruf nicht alles ist», sagt Fuchs. Er will es ruhiger angehen, aber sicher noch nicht aufhören zu arbeiten. Nicht mehr als 50 Prozent, eher nicht mehr in einer Kanzlei, aber zum Beispiel als Berater für Unternehmen. Früher, als Berufsrichter noch ein Nebenamt war (bis Ende 2010) und er daneben noch als Rechtsanwalt arbeitete, habe seine Familie zweifellos zu wenig von ihm gehabt.

Vor den Gesamterneuerungswahlen 2016: Die Berufsrichter des Bezirksgerichts Frauenfeld - Irene Herzog, Gerichtspräsident Rudolf Fuchs, Vizepräsident René Hunziker und Christine Steiger Eggli - stellten sich zur Wiederwahl. (Bild: Reto Martin)

Vor den Gesamterneuerungswahlen 2016: Die Berufsrichter des Bezirksgerichts Frauenfeld - Irene Herzog, Gerichtspräsident Rudolf Fuchs, Vizepräsident René Hunziker und Christine Steiger Eggli - stellten sich zur Wiederwahl. (Bild: Reto Martin)

«Zmittag habe ich immer daheim gegessen. Aber hätte ich abends vor 19 Uhr Feierabend gehabt, hätte meine Frau wohl geglaubt, dass ich krank wäre.»

Wenn am Ende alle gleich unzufrieden sind

Privat sei er ein beinahe schon harmoniebedürftiger Mensch, sagt Fuchs. «Ich brauche zu viel Nerven, wenn ich daheim streite.» Auch beruflich ist er nicht auf Konfrontation aus. Als Richter müsse man verständnisvoll sein.

«Man muss die Anliegen der Parteien verstehen wollen und dann als unbeteiligter Dritter die richten Schluss ziehen.»

Wer nicht fähig sei, einen Entscheid zu fällen, sollte nicht Richter werden, sagt Fuchs. Wobei es unter den Richtern keinen Wettbewerb gebe, wer die meisten Urteile spreche. Vielmehr seien ihm im Zivilrecht Vergleiche am liebsten.

«Wenn beide Parteien am Ende gleich unzufrieden sind.»

Wobei die zivilrechtlichen Verfahren seit seinem Einstieg als Richter sicher komplizierter geworden seien. «Heute ist es ohne Excel-Tabelle nicht mehr möglich Unterhaltsbeiträge zu ermitteln.» Und im Strafrecht werde bei der Strafzumessung immer mehr theoretisiert, «was ich nicht gut finde». Der vom Gesetzgeber produzierte Formalismus führe zu teils auch für ihn unverständlichen Urteilen.

«Die Legislative mischt sich in die Judikative ein. Das engt das richterliche Ermessen ein.»

Fuchs spricht vom lustvollen Moment des Richtens. «Ich habe meine Arbeit immer gerne gemacht.» Sicherlich habe auch jene Zeit das Ihrige dazu beigetragen, als er Rechtsanwalt und daneben Berufsrichter im Nebenamt war. «Dieses Nebeneinander hat mir Verständnis für beiden Funktionen gebracht. Wer ein Leben lang nur in der Justiz arbeitet, baut Scheuklappen auf.»

Als Richter müsse man sich bewusst sein, dass man mit Negativem konfrontiert werde. Es geben immer wieder Fälle, die einen belasteten. Dank der Familie und der Hobbys könne er sich aber gut abgrenzen. «Gleichwohl müssen mich Fälle echt berühren», sagt Fuchs. Nur so könne er versuchen, ein gerechtes Urteil zu fällen.

«Auch wenn es dafür eine schlaflose Nacht gebraucht hat.»

Das Stalking-Opfer, das den Kontakt suchte

Es gab aber auch die Momente, als Fuchs schmunzeln musste. Als es einer Frau um ein Kontaktverbot gegen ihren Ex-Freund ging, sich dann aber herausstellte, dass sie gleichwohl noch mit ihm schlief. Oder als ein Betrunkener der Kantonspolizei mit einem auf 40km/h plombierten Jeep über ein Feld entwischte. In Zukunft wird er sicher mehr zu lachen haben. Da sind zum Beispiel seine zwei Enkelkinder. Und auch sonst wird es ihm privat nicht langweilig, präsidiert er doch den Verein Jugendmusikschule Frauenfeld, ist Vize beim Verein Murghof. Und dem Kings-Club steht er auch vor. Da geht es um Rückenturnen für Männer.

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