Die Industrie- und Handelskammer Thurgau feiert ihr 150-Jahr-Jubiläum und beschenkt den Thurgau

Die Industrie- und Handelskammer Thurgau forciert den «Digital Campus Thurgau».

Sebastian Keller
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Jérôme Müggler, Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau, Präsident Christian Neuweiler und Tiziana Ferigutti, stellvertretende Direktorin.

Jérôme Müggler, Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau, Präsident Christian Neuweiler und Tiziana Ferigutti, stellvertretende Direktorin.

(Bild: Reto Martin)

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Thurgau feiert Geburtstag. Am 20. Februar 1870, vor genau 150 Jahren, wurde in Weinfelden die «Handels- und Gewerbegesellschaft des Kantons Thurgau», die Vorgängerorganisation der IHK Thurgau, gegründet.

Die Versammlungsleitung oblag Regierungsrat Johann Ludwig Sulzberger. Der erste Mitgliederbeitrag belief sich auf 1 bis 2 Franken. Diesen kurzen Blick in den Rückspiegel der Geschichte bot Jérôme Müggler, Direktor der IHK, an einer Medienkonferenz in Weinfelden. Er wusste auch zu berichten, dass mit der Wahl von Odette Ueltschi-Gegauf in den Vorstand des Verbandes am 25.April 1974 mutmasslich die erste Frau in ein Führungsgremium einer Schweizer Handelskammer gewählt wurde. Die IHK beleuchtet ihre 150-jährige Geschichte im Sommer in ihrem Verbandsorgan.

IT-Kompetenzen für Thurgauer

Auch wenn die IHK sich selber feiert (siehe Kasten), sie will auch einen Beitrag leisten, damit der Thurgau in den nächsten 150 Jahren Grund zum Anstossen hat. So treibt sie das Projekt «Digital Campus Thurgau» voran. «Wir haben dafür grünes Licht vom Kanton erhalten», sagt Christian Neuweiler, Präsident der IHK Thurgau und Unternehmer. Es gehe darum, die Thurgauer Bevölkerung mit IT-Kompetenzen auszustatten. Müggler ergänzt:

«Dafür wollen wir die bestehende Infrastruktur nutzen.»

So ist eine Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule in Kreuzlingen, dem Berufsbildungszentrum für Technik in Frauenfeld, aber auch mit der Universität Konstanz vorgesehen. Die Angebote dieses virtuellen Campus ziehen sich durch die gesamte Bildungslaufbahn – von der Volksschule über die Berufsbildung und Hochschule bis zur Weiterbildung.

Karin Keller-Sutter und die Sonnenkönigin

Die IHK Thurgau feiert ihr 150-Jahr-Jubiläum mit verschiedenen Aktivitäten. So hält Bundesrätin Karin Keller-Sutter an der Generalversammlung vom 8. Mai in Weinfelden eine Rede. Am 20. August begeht die Organisation den eigentlichen Jubiläumsanlass. Schauplatz ist die «MS Sonnenkönigin» der österreichischen Schifffahrtsgesellschaft Vorarlberg Lines. «Die Wogen gingen etwas hoch wegen der Wahl des Schiffes», sagt IHK-Präsident Christian Neuweiler. Die Wahl fiel wegen der Kapazität auf das Event- und Charterschiff aus Bregenz. Die Schweiz werde jedoch nicht vernachlässigt, ein Schweizer Caterer bewirtet die geladenen Gäste auf dem Schiff. (seb.)

So sollen konkret verschiedene Kurse für die berufliche Weiterbildung angeboten werden. Geplant ist auch ein An-Institut an der Uni Konstanz mit eigener Professur für die Forschung, wie Neuweiler auf Nachfrage bestätigt. Mit An-Instituten hat der Thurgau Erfahrung. Zu nennen sind das Biotechnologie Institut Thurgau und das Thurgauer Wirtschaftsinstitut, die beide an der Uni Konstanz angesiedelt sind.

Wie Präsentationsfolie zu entnehmen ist, wirken beim Digital Campus Thurgau auch Smarter Thurgau, der Kanton Thurgau sowie die Thurgauer Kantonalbank mit. Neuweiler:

«Wir hoffen, dass wir 2022 starten können.»

Müggler: «Wir sind jetzt daran, ein Vorprojekt zu starten.»

«Begrenzungsinitiative ist gefährlich»

Die IHK ist auch mit dem Fachkräftemangel beschäftigt. Dieser sei besonders gross bei Ingenieurberufen. «Alleine der Thurgauer Zugbauer Stadler kann im Thurgau 60 Stellen nicht besetzen.» Die IHK pocht auf eine baldige Klärung des Verhältnisses mit der Europäischen Union (EU). «Für uns wäre der Beitritt zum EWR ein Ansatz», sagt Neuweiler. Der Europäische Wirtschaftsraum ist eine ausgebaute Freihandelszone zwischen der EU und der Europäischen Freihandelsassoziation, wo etwa Liechtenstein und Norwegen dabei sind.

Die Begrenzungsinitiative der SVP lehnt der Verband ab. Sie ist auf einer weiteren Folie mit der Überschrift «wirtschaftsfeindliche Politik» aufgeführt. Neuweiler sagt:

«Die kontrollierte Einwanderung tönt zwar verheissungsvoll, die Initiative ist aber gefährlich.»

Eine Annahme hiesse das Ende der Personenfreizügigkeit, der Zugang zum europäischen Markt würde erschwert. Jérôme Müggler betont: «75 Prozent der Thurgauer Exporte gehen in die EU.» Die Freizügigkeit sei wichtig – auch als Mittel gegen den Fachkräftemangel.

Zufrieden zeigt sich die IHK mit dem Ja zum Steuerpaket. Bereits kündigten Unternehmen an, in den Thurgau zu ziehen. «Es ist schön, dass man so schnell Resultate der Kampagne sieht», sagt Tiziana Ferigutti, stellvertretende Direktorin.