Identität festgestellt: Wolf mit der Bezeichnung M93 riss Schafe in den Kantonen Thurgau und St.Gallen

Ende November hat ein Wolf im Kanton Thurgau acht Schafe und im Dezember im Kanton St.Gallen sechs weitere gerissen. Jetzt steht fest: Für die Schafrisse ist derselbe Wolf verantwortlich. Es handelt sich um einen Wolfsrüden mit der Bezeichnung M93.

Sebastian Keller
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Ein europäischer Wolf im Wildpark Bruderhaus bei Winterthur. In freier Wildbahn sind die Raubtiere sehr schwierig zu fotografieren, da sie sehr menschenscheu sind. (Bild: Benjamin Manser)

Ein europäischer Wolf im Wildpark Bruderhaus bei Winterthur. In freier Wildbahn sind die Raubtiere sehr schwierig zu fotografieren, da sie sehr menschenscheu sind. (Bild: Benjamin Manser)

Er ist schon lange über alle Berge. Ende November brach ein Wolf am Ottenberg bei Berg in eine umzäunte Weide ein. Dort tötete er vier Schafe; vier weitere verletzte er so schwer, dass sie erlegt werden mussten.

Nun hat die Universität Lausanne die Identität des Grossraubtiers eindeutig geklärt – mittels Individualanalyse. «Es handelt sich um einen männlichen Wolf mit der Bezeichnung M93», sagt Roman Kistler, Chef der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung, auf Anfrage.

Erstmals genetisch nachgewiesen wurde M93, der von der italienischen Population abstammt, im Oktober 2018 im Engadin. «Das beweist», sagt Kistler, «wie mobil Wölfe sind». Höchstwahrscheinlich handelt es sich um einen jungen Wolf, der auf der Suche nach einem Revier oder einer Partnerin ist.

Wolf auch für Schafrisse im Kanton St.Gallen verantwortlich

M93 schlug auch im Kanton St.Gallen zu, wie die Staatskanzlei St.Gallen am Dienstagmorgen in einer Mitteilung schreibt. Am 5. Dezember tötete der Wolf vier Schafe in Muolen. Fünf Tage später zwei weitere in Oberriet im St.Galler Rheintal. Die Proben der in Muolen gerissenen Schafe hätten bei der Individuenbestimmung nicht interpretiert werden können, heisst es von Seiten des Kantons St.Gallen. Aber aufgrund des ähnlichen Verhaltens sei es wahrscheinlich, dass es ebenfalls M93 gewesen sei.

M75 war vor zwei Jahren da

Im laufenden Jahr bleibt es um den Wolf im Thurgau ruhig. Das bestätigt Amtsleiter Kistler: Nach dem Zwischenfall von Ende November bei Berg haben sich keine weiteren Hinweise auf die Anwesenheit eines Wolfes im Thurgau mehr ergeben.

Die Präsenz von Wölfen im Thurgau ist ein junges Phänomen. Erst 2017 konnte dieses Grossraubtier – nach über 200 Jahren Abwesenheit – wieder nachgewiesen werden. Im Frühling 2017 tötete ein Wolf mit der Bezeichnung M75 Schafe im Raum Hohentannen und der Region Uesslingen.

Ihm konnten auch Schafsrisse in anderen Kantonen angelastet werden. Genug, sagten die Behörden in vier Kantonen. Sie gaben ihn zum Abschuss frei. Doch M75 trotzte dem Todesschuss – die Bewilligungen liefen ungenutzt aus.

Auch die Politik hat im Thurgau vom Wolf Notiz genommen. SVP-Kantonsrat Urs Schär (Langrickenbach) reichte Anfang Jahr einen Vorstoss. Darin fragt er die Regierung, ob es ein koordiniertes Vorgehen der Ostschweizer Kantone beim Thema Wolf gebe. Die Antwort der Regierung steht noch aus.