Interview
Diana Gutjahr zu ihrer zurückgezogenen Kandidatur: «Ich will keinen Graben aufreissen»

SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr verzichtet auf eine Kampfwahl ums Präsidium des Schweizer Gewerbeverbands. Die Partei verwehrte ihr einen Steigbügel für dieses Amt.

Silvan Meile
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Die Thurgauer SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr an ihrem Arbeitsort in der Ernst Fischer AG Romanshorn.

Die Thurgauer SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr an ihrem Arbeitsort in der Ernst Fischer AG Romanshorn.

Bild: Benjamin Manser

Das Präsidium des Schweizer Gewerbeverbands bleibt weiterhin in Männerhand. Die Thurgauerin Diana Gutjahr hätte die erste Frau in diesem Amt werden können, unterlag jedoch im Nominationsverfahren. Jetzt zieht sie zurück.

Wie sehr schmerzt es, dass Ihr Traum geplatzt ist?

Diana Gutjahr: Persönliche Empfindlichkeiten haben hier keinen Platz. Der Thurgauer Gewerbeverband hat mich ursprünglich als Kandidatin vorgeschlagen. Nach den Hearings vor dem Vorstandsausschuss des Schweizerischen Gewerbeverbandes schlugen diese Fabio Regazzi und mich der Gewerbekammer vor. Die Kammer hat sich dann ganz knapp für Fabio Regazzi und für ein Einerticket ausgesprochen.

31 zu 26 Stimmen zugunsten des Tessiner CVP-Politikers.

Da sieht man: Ich hatte einen starken Rückhalt. Gereicht hat es in der Kammer dann doch nicht ganz.

Möglich wäre ein Zweierticket gewesen. Wie begründete die Kammer, auf ein solches zu verzichten?

Diese Diskussion fand unter Ausschluss von uns Kandidaten statt. Vermutlich wollte man auf eine Kampfwahl verzichten, um die Organisation gegen aussen geeint zu präsentieren.

Wie mir nun bekannt ist, hat es im Verband auch noch nie eine Kampfwahl ums Präsidium gegeben.

Ich habe mir dann doch lange überlegt, ob ich mich einer solchen im Oktober vor den Delegierten stellen soll. Ich kam aber zum Schluss, dass ich keinen Graben im Verband aufreissen will.

Besteht aufgrund des Rufs nach Erneuerung nicht bereits ein Graben? Als junge Frau hätten Sie doch bei den Delegierten eine gute Chance gehabt gegen den 58-jährigen Gegenkandidaten.

Ich vertrete nicht die Ansicht, dass es unbedingt mehr Frauen braucht. Ich will dieses Etikett nicht. Ich stellte mich diesem Amt unabhängig des Geschlechts. Ich bin jedoch klar der Auffassung, dass der Gewerbeverbandspräsident in der für ihn wichtigsten Wirtschafts- und Abgabenkommission sein muss. Das ist Regazzi.

Hätte Ihnen die SVP den Einsitz in diese Kommission gewährt, wenn Sie zur Gewerbeverbandspräsidentin gewählt worden wären?

Fakt ist, dass ich es zum jetzigen Zeitpunkt nicht bin. Wie diese Diskussion in der Fraktion geführt worden wäre, weiss ich nicht. Bei der Vergabe der Kommissionssitze stand meine Kandidatur für das Gewerbeverbandspräsidium bereits im Raum. Da hätte man mir den Steigbügel hinhalten und mir den Kommissionssitz geben können. Aber die Partei entschied sich dagegen. Das akzeptiere ich so.

SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr.

SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr.

Donato Caspari

Ihr Thurgauer Nationalratskollege Manuel Strupler macht gerade eine steile Karriere innerhalb der Partei, tritt in die Parteileitung ein. Wie sehen Sie Ihre Position innerhalb der SVP?

Ich will eigenständig sein, bin in erster Linie Unternehmerin, in zweiter Linie Politikerin. Eine möglichst steile Karriere innerhalb der Partei ist und war nie mein oberstes Ziel. Ich sagte immer:

Einen Parteisoldaten findet man in meiner Person nicht.

Ich will mitdenken und meine Ideen und Argumente glaubwürdig einbringen. Wenn ich mal eine andere Meinung habe, will ich diese auch vertreten können, so habe ich mich in der Partei positioniert und so kann ich jeden Morgen in den Spiegel schauen.

Bei der SVP-Begrenzungsinitiative haben Sie sich im Parlament enthalten. Wie schwierig war das, diese Haltung gegenüber den Parteikollegen zu vertreten?

Wenn man in einer Minderheit ist, muss man sich immer viel mehr erklären. Ich finde schon, dass die Einwanderung begrenzt und selbständig gesteuert werden muss. Aus wirtschaftlicher Sicht haben aber die Bilateralen Verträge mit der EU ein starkes Gewicht. Ich führte lange Gespräche innerhalb der Partei.

Ich ändere meine Meinung aber nicht, um in ein Schema zu passen.
SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr.

SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr.

Bild: PD

Die SVP besetzte während zehn Jahren das Präsidium des Gewerbeverbands. War das ein Hindernis?

Es ist tatsächlich ein ungeschriebenes Gesetz, dass bezüglich Parteizugehörigkeit ein Turnus stattfinden soll.

Nun sind Sie immerhin als Vorstandsmitglied im Schweizer Gewerbeverband nominiert.

So kann ich mit meiner Mitarbeit im Vorstand meinen Beitrag leisten. Wäre das nicht so, hätte die SVP-Bundeshausfraktion kein Mitglied mehr im Vorstand des Gewerbeverbands gehabt. Nun kann ich so Einfluss nehmen, falls ich gewählt werde.

Wie muss sich der Gewerbeverband für die Zukunft ausrichten?

Vor Corona ist den Verbänden die Legitimation etwas abhandengekommen. Sie müssen sich neu erfinden. Es reicht nicht, ein verstaubter Verband zu sein, der einfach mit einem Logo auftritt. Man muss sich aktiv einsetzen für die Mitglieder. Corona hat nun aber gezeigt, dass ein Verband für die Mitglieder da ist und dort vor allem politische Probleme eingebracht werden können. Diese Krise liess die Verbände wieder näher an die Branche und die Mitglieder und ihre Bedürfnisse rücken.

Können Sie sich eine spätere Kandidatur fürs Gewerbeverbands-Präsidium vorstellen?

Ich bin 36 Jahre alt und schliesse das nicht aus. Es ist noch nicht aller Tage Abend.