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«Ich sehe sie Hula tanzen»

Alzheimer Thurgau führte in der Kartause Ittingen in Warth das Angebot «Aufgeweckte Kunstgeschichten» durch. Menschen mit Demenz entwickelten gemeinsam eine Geschichte zu einem Gemälde.
Rahel Haag
Rita Hegland (rechts) von Alzheimer Thurgau stellt den Teilnehmern Fragen zum Bild, währenddessen führt Daniela Siebrecht Protokoll. (Bild: Andrea Stalder)

Rita Hegland (rechts) von Alzheimer Thurgau stellt den Teilnehmern Fragen zum Bild, währenddessen führt Daniela Siebrecht Protokoll. (Bild: Andrea Stalder)

Vor einem Gemälde im Kunstmuseum Thurgau sitzen zwölf Personen. Jene in der vorderen Reihe leiden an Demenz, hinter ihnen haben ihre Angehörigen Platz genommen. Sie sind stille Zuhörer. «Auch in diesem Gemälde schläft eine Geschichte und die werden wir heute gemeinsam aufwecken», sagt Rita Hegland, Demenz-Expertin von Alzheimer Thurgau.

Mit unterschiedlichen Fragen kitzelt Hegland die Geschichte aus den Teilnehmern heraus. Wem etwas einfällt, sagt es geradeheraus. Richtig oder Falsch gibt es nicht. Währenddessen schreibt ihre Kollegin Daniela Siebrecht mit. Das Angebot findet an diesem Montagnachmittag bereits zum vierten Mal statt. Auf dem Gemälde sind drei Figuren in farbigen Gewändern, umgeben von farbigen Punkten, zu sehen. «Ich sehe sie Hula tanzen», sagt eine Teilnehmerin. Auf die Frage von Hegland, ob sie das gerne tun, legt die Frau mit den schneeweissen Haaren den Kopf schief, überlegt und sagt schliesslich: «Ich denke schon.»

Nicht nur betrachten, sondern auch hören

Die beiden Figuren rechts hätten ein künstliches Lachen, sagt eine andere Teilnehmerin, und der links sei schon älter, «der hat Tränensäcke». Rita Hegland lacht. Andere nicken zustimmend. «Ein Vater und seine beiden Töchter», beschliesst eine. Doch in Stein gemeisselt ist an diesem Nachmittag nichts. Später bemerkt eine andere Teilnehmerin, dass die mittlere Figur Hosen trägt. «Also ist es ein Mann.» Vielleicht handle es sich um eine Tochter und ein Schwiegersohn. «Dann wär er aber ein Bubi», sagt die nächste und rümpft die Nase. Ihr hätten die beiden Töchter besser gefallen. Hegland wechselt das Thema: «Was hört Ihr, wenn Ihr das Bild anschaut?», will sie wissen. «Trommeln», sagt eine Frau sofort. Und plötzlich erklingen sie auch im eigenen Kopf.

Fantasie anregen und Erinnerungen wecken

Das Ziel des Angebots von Alzheimer Thurgau ist es, Abwechslung in den Alltag von Menschen mit Demenz zu bringen. «Aus Angst vor unangenehmen Situationen ziehen sie sich oft zurück», sagt Hegland. Nebst dem Austausch mit anderen Menschen sollen die Gemälde die Fantasie der Betroffenen anregen. Nicht selten würden bei ihnen dadurch auch Erinnerungen geweckt. «Diese positive Erfahrung wirkt oft noch lange nach», sagt Hegland.

In regelmässigen Abständen liest Daniela Siebrecht die Geschichte vor, die bisher entstanden ist. Nach dem dritten Mal fragt Hegland nach einem geeigneten Titel. Einer der Vorschläge lautet: «Es kann ja nicht immer so bleiben hier unter dem wechselnden Mond.» Das sei ein Sprichwort, sagt die Teilnehmerin. In diesem Moment meldet sich zum ersten Mal ein Angehöriger zu Wort. Es handle sich um eine Stelle aus dem Lied «Wir sitzen so fröhlich beisammen». Er beginnt zu singen, dann fällt bei der Teilnehmerin der Groschen und sie stimmt mit ein. Am Ende trägt die Geschichte den Titel «Es kann ja nicht immer so bleiben».

Neuauflage im Oktober

Die Vereinigung Alzheimer Thurgau wurde 1995 gegründet und ist eine gemeinnützige Organisation. Sie setzt sich unter anderem für die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen ein. Das Angebot «Aufgeweckte Kunstgeschichten» findet am 18. und 25. Oktober sowie 1. und 8. November erneut in der Kartause Ittingen statt. (rha)

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