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Daniel Hubmann nach EM-Niederlagen: «Ich muss nicht alles hinterfragen»

Gleich am ersten Wettkampftag konnte sich Daniel Hubmann im Tessin als Europameister feiern lassen. Nach dem EM-Titel im Sprint gab es für den Hinterthurgauer jedoch auch bittere Niederlagen.
Matthias Hafen
Daniel Hubmann ist im Langdistanzrennen in den Tessiner Bergen unterwegs. Beim 25. Posten passiert ihm der entscheidende Fehler. (Bild: Davide Agosta/KEY)

Daniel Hubmann ist im Langdistanzrennen in den Tessiner Bergen unterwegs. Beim 25. Posten passiert ihm der entscheidende Fehler. (Bild: Davide Agosta/KEY)

Die EM-Bilanz von Daniel Hubmann fällt durchzogen aus. Nach dem Triumph im Sprint zum Auftakt der Titelkämpfe und der Silbermedaille mit der Männerstaffel musste der 35-jährige Eschliker im Tessin zwei deutliche Niederlagen einstecken. Platz sieben über die Mitteldistanz und Platz fünf in der Königsdisziplin, der Langdistanz, ist man sich vom Weltklasse-Orientierungsläufer nicht gewohnt.

Daniel Hubmann, war die Heim-EM im Tessin der erwartete Höhepunkt für Sie?

Die Goldmedaille gleich im ersten Wettkampf war sicher ein Highlight. Ich habe mir so sehr einen Einzeltitel vorgenommen und den habe ich im Sprint erreicht. Aber ich muss eingestehen, dass es nicht die beste Woche meiner Karriere war. Die EM war okay, aber nicht überragend.

Was konkret bringt Sie zu diesem Fazit?

Mit meinen Leistungen über die Mitteldistanz und die Langdistanz kann ich nicht zufrieden sein. Ich war für die Heim-EM bestens vorbereitet, habe ein halbes Jahr lang fast nur im Tessin gewohnt. Auch physisch war ich parat. Und dann passiert mir in der Königsdisziplin ein solcher Fehler!

Welcher Fehler?

Ich habe den 25. von insgesamt 35 Posten relativ lange gesucht, wohl auch die falsche Route gewählt. Die Besten hatten zehn Minuten für dieses Teilstück, ich dreizehn Minuten. Das hat gereicht, um auf Platz fünf zurückzufallen. Rein tempomässig war ich wahrscheinlich der Schnellste im Rennen. Aber ein einziger Fehler führte dazu, dass ich die Medaillenränge verpasste.

Wie gehen Sie damit um?

Ich bin schon lange im Geschäft und weiss, dass im Wettkampf-Stress Fehlentscheidungen vorkommen. Insofern nervt es mich zwar, aber ich muss deswegen nicht alles hinterfragen. Wenn ich meinen besten Lauf abgeliefert hätte und nur Fünfter geworden wäre, dann würde mir das mehr zu schaffen machen.

Haben Ihnen die zwei Niederlagen die Freude an den zwei Medaillen genommen?

Nein, auf keinen Fall. Es ist ja schön, dass einem nicht alles geschenkt wird. Das wertet die Erfolge auf. Mein Ziel für die Heim-EM lautete zwei Medaillen. Die habe ich im Sprint und mit der Männerstaffel erreicht.

Inwiefern hat der siebte Platz in der Mitteldistanz Ihr Rennen über die Langdistanz beeinflusst?

Das ist schwierig zu sagen. Es ist sicher so, dass ich nach dem Triumph im Sprint total zufrieden ins Bett ging und mir keinerlei Gedanken machte. Nach den anderen Wettkämpfen lag ich im Bett und habe noch über dieses und jenes gegrübelt.

Wie hat die ungewöhnlich hohe TV-Präsenz Sie und das Schweizer Team beeinflusst?

Eigentlich nicht gross. Wir mussten hie und da vielleicht ein Interview mehr geben. Aber das bin ich gewohnt. Dass die Rennen live im Fernsehen übertragen wurden, war vor allem für die Popularität der Sportart sehr wichtig. Ich habe das insofern gemerkt, weil ich viel mehr Reaktionen bekommen habe als sonst.

Was bleibt Ihnen von der EM?

Ich werde das Projekt Tessin nun abschliessen. Gestern (am Montag, Red.) habe ich die Wohnung, die ich von OL-Fans zur Verfügung gestellt bekommen habe, geputzt und die Schlüssel wieder abgegeben.

Mussten Sie als Europameister selber putzen?

Ja, ich finde das gehört auch dazu, wenn ich die Wohnung schon gratis nutzen konnte.

Und wie sieht die sportliche Nachbearbeitung aus?

Ich werde wie üblich die OL-Karten von all meinen Rennen einscannen, einordnen und im Computer ablegen. So habe ich bislang alle Karten von allen Rennen meiner Karriere gesammelt.

Wozu das?

Erfahrung ist essenziell in unserem Sport. Und so kann ich zur Vorbereitung einfach eine alte Karte zur Hand nehmen, wenn ich in einem Gebiet starte, in dem ich schon einmal war. Oft mache ich mir zu den Karten auch Notizen. Sie helfen mir, mich in einem Gelände zurechtzufinden.

Haben Sie das auch für die WM von Anfang August in Lettland?

Nicht im grossen Stil. Aber ich werde dort zur Vorbereitung noch zwei Trainingslager absolvieren und an einem Wettkampf teilnehmen.

Martin Hubmanns Sternstunde

Anders als sein Bruder Daniel beendete Martin Hubmann die Orientierungslauf-EM im Tessin mit einer Sternstunde. Der 29-jährige Allrounder, der bisher vor allem in Sprint-Wettbewerben stark war, glänzte zum Abschluss der Titelkämpfe auf der Langdistanz und wurde Sechster in der Königsdisziplin. Rund um Tesserete lief er ein konstantes Rennen. «Ich bin sehr zufrieden, wie ich technisch durchgekommen bin», sagte Martin Hubmann. «Es war ein gutes Gefühl, als ich den Schweden Emil Svensk eingeholt habe. Er war physisch stärker, ich technisch. Dadurch konnte ich voll pushen, das war vor allem mental sehr gut.» Gegen Schluss hatte Martin Hubmann mit leichten Krämpfen zu kämpfen. «Deshalb musste ich zum Teil gehen.» Seine EM-Bilanz fällt mit Platz sechs über die Langdistanz, Platz fünf im Sprint und dem Triumph in der Sprint-Staffel (mit Judith Wyder, Florian Howald und Elena Roos) über Erwarten aus. In der Männer-Staffel führte Schlussläufer Martin Hubmann sein Team zudem auf Platz drei, eine Medaille blieb Schweiz II aber verwehrt, weil nur ein Team pro Nation in der Rangliste geführt wird. (mat)

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