«Ich habe Verständnis für das Verbot»: Der Vizepräsident des Verbands Thurgauer Landwirtschaft nimmt Stellung zum Chlorothalonil-Verbot duch den Bund

Seit Anfang Jahr ist Chlorothalonil verboten. Rückstände des Fungizids stehen unter dem Verdacht, krebserregend zu wirken - und gelangen übers Grund- auch ins Trinkwasser. Aber was bedeutet das Verbot für die Bauern? Urban Dörig, Vizepräsident des Verbands Thurgauer Landwirtschaft, im Interview

David Grob
Drucken
Teilen
Ein Traktor bringt auf einem Salatfeld Pflanzenschutzmittel aus.

Ein Traktor bringt auf einem Salatfeld Pflanzenschutzmittel aus.

Christian Beutler / KEYSTONE

Können Sie den Entscheid des Bundes nachvollziehen, Chlorothalonil zu verbieten?

Ich habe Verständnis für das Verbot. Wenn ein Produkt tatsächlich gefährlich ist, dann ist der Entscheid gerechtfertigt. Wir Landwirte müssen uns auf die Forschung verlassen können. Bis letzten Sommer galt Chlorothalonil als unbedenklich. Generell stört mich, wenn Bauern und Pestizide an den Medienpranger gestellt werden. Das ist zu einfach.

Urban Dörig, Vizepräsident Verband Thurgauer Landwirtschaft.

Urban Dörig, Vizepräsident Verband Thurgauer Landwirtschaft.

PD

Fühlt man sich als Sündenbock?

In keinem anderen Land werden so viele vorbeugenden Massnahmen angewandt, damit Pflanzen gar nicht erst krank werden. Zudem ist die Ausbildung auf einem sehr hohen Stand. Ich bin stark dafür, so wenig Pestizide wie möglich zu spritzen. Sie sind aber leider eine gewisse Notwendigkeit, um die qualitative Nachfrage zu erfüllen und die Pflanzen gesund zu halten.

Mich stört, dass Pestizide so stark in Verruf geraten, der Konsument aber gleichzeitig günstige Produkte kaufen will. Wir müssen uns als Gesellschaft fragen: Was wollen wir eigentlich?

Und ich erwarte, dass das Einkaufsverhalten auch diesen Erwartungen entspricht. Kommt hinzu: Auch andere Stoffe belasten unser Wasser. Bei einer Untersuchung des Rheinwassers unterhalb Basels waren gerade Mal zwei Prozent der belastenden Stoffe Pestizide. Der Anteil von Medikamentenrückständen lag hingegen bei knapp 20 Prozent.

Was geschieht nun mit allfälligen Restbeständen?

Der Entscheid des Bundes hat sich bereits im Sommer angedeutet. Wir waren also etwas vorbereitet. Ausserdem kauft man ein Pestizid eher in kleineren Mengen ein. Die meisten haben ihr Chlorothalonil aufgebraucht. Der wirtschaftliche Schaden ist nicht allzu gross.

Gibt es eine Entschädigung für Bauern, die Restbestände haben?

Der Entscheid hierzu ist noch fällig. Der Bauernverband hat die Forderung gestellt, dass betroffene Landwirte eine Entschädigung erhalten sollten, da das Produkt zum Zeitpunkt des Kaufes ja bewilligt war.  

Gibt es Alternativen zum Chlorothalonil?

Ja, vor allem bei den Kartoffeln. Bei Gerste und anderen Getreidesorten ist es schwieriger. Ganz generell werden aber immer mehr Pestizide verboten. Dabei wäre der Wechsel der Wirkstoffe aus fachlicher Sicht aber sehr wichtig, um Resistenzen zu vermeiden.

Mehr zum Thema