«Ich habe nicht lange gezögert»: Michael Good aus Mammern testet Segelschiffe und schreibt für ein Magazin aus Hamburg

Michael Good arbeitet seit Jahren als Journalist beim Fachmagazin «Yacht». Zu seinem Job gehört das Testen von Segelschiffen, worüber er danach schreibt. Bei uns plaudert der Mammermer aus dem Nähkästchen.

Margrith Pfister-Kübler
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Nichts für Zartbesaitete: Michael Good beim Test eines neuen Segelbootes in der französischen Bretagne.

Nichts für Zartbesaitete: Michael Good beim Test eines neuen Segelbootes in der französischen Bretagne.

Bild: PD/Jean-Marie Liot

Je härter die Arbeit, desto erfüllender das Resultat. Dieser Satz könnte bei Michael Good über der Bürotür in Mammern stehen oder in der Redaktion des Fachmagazins «Yacht» in Hamburg. Da steht er: einnehmende Ausstrahlung, neugierige Augen, in Bestform, maritime Kleidung. Als echter Seebueb im Jahr 1965 zur Welt gekommen, ist der Sohn eines Kreuzlinger Tierarztes und Seglers heute Redaktor bei «Yacht».

Via Kantonspolizei nach Norddeutschland

Doch wie kam er zum Journalismus? «Vor bald 30 Jahren durch Zufall. Damals hat die ‹Thurgauer Zeitung› ein Volontariat ausgeschrieben. Ich habe mich gemeldet und die Stelle bekommen», sagt Michael Good und lobt das damalige Sprungbrett.

«Man hat mich während der dreijährigen Ausbildung durch alle Redaktionen geschickt und mir letztlich die Stelle als Verantwortlicher für die Region Hinterthurgau angeboten. Damit war meine Berufung zunächst besiegelt.»

Als Seebueb sei er mit der redaktionellen Betreuung der Region Hinterthurgau nie richtig warm geworden. «Es fehlte mir der See. Das Thema und die Region wurden mir danach beim ‹Thurgauer Volksfreund› angeboten», sagt er. Später arbeitete er einige Zeit als Medienbeauftragter bei der Kantonspolizei Thurgau.

Und wie hat er es ins Impressum des renommierten Magazins nach Hamburg geschafft. «Auch ein Zufall», sagt er. Als Journalist und Segler habe er ab und an Wassersportthemen aufgegriffen und bearbeitet, unter anderem auch für «Yacht». «2005 wurde ich angefragt, ob ich den Posten des Testchefs für Segelboote übernehmen wollte. Da habe ich nicht lange gezögert», strahlt Good.

Michael Good geniesst die Zeit auf dem Segelschiff.

Michael Good geniesst die Zeit auf dem Segelschiff.

Bild: PD/Jean-Marie Liot

Schnurgerade und schnörkellose Art

Er spricht klares Hochdeutsch mit norddeutschem Einschlag. Gelernt habe er dies im täglichen Umgang mit den Kollegen in Hamburg, mit Kunden und Werften in Deutschland. Er sagt:

«Es gibt dort Leute die behaupten, man höre bei mir den ‹Alpen-Slang› gar nicht mehr.»

Zu Hause und privat spricht er natürlich so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist – in breitestem Thurgauer Dialekt. An den Norddeutschen schätzt er besonders deren schnurgerade, schnörkellose Art. Bisweilen vermisst er den direkten Kontakt mit den Kollegen für einen Schnack.

Atlantik, Nordsee, Ostsee, Mittelmeer

Mit Hilfe der modernen Kommunikationsmittel ist die Zusammenarbeit auch über die Distanz unproblematisch, weshalb der Bürositz in Mammern längst Teil der Mitarbeit ist. Was in Coronazeiten fehlt, sind die vielen Testtermine. Er sagt:

«Ich bin oft an Orten unterwegs, wo andere nur in den Ferien hinkommen. Das schätze ich ausserordentlich.»

Zu erzählen gebe es danach immer etwas. «Ich könnte wohl ganze Bücher damit füllen.» Ob Atlantik, Nordsee, Ostsee, Mittelmeer: Michael Good fügt sich perfekt in die Segelsportgeschichte ein, dass vor ihm als unbestechlichem Yachttester selbst Norddeutsche den Hut ziehen.

Und wo stehen die Schweizer Werften im Vergleich zur internationalen Konkurrenz? «Trotz unserer vielen Seen werden in der Schweiz Segel- und Motorboote nur in Klein- und Kleinstserien gebaut, nicht selten als exklusive Projekte oder als individualisierte Sonderanfertigungen», sagt er. Die markttauglichen Boote aus den grossen Serien kämen vielmehr aus Deutschland, Italien, Skandinavien und Frankreich.

SEGELN: Die Jollen im Griff

Mammern war in den vergangenen Tagen das Mekka des Segelsports. Auf dem Untersee wurden die Schweizer Meister in der Klasse Fireball erkoren.
Michael Good