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«Ich habe mir schon vor der Wiederwahl Gedanken gemacht»: Münchwilens Gemeindepräsident Guido Grütter spricht über seinen Rücktritt

Der Münchwiler Gemeindepräsident gibt überraschend bekannt, dass er per Ende Mai 2020 von seinem Amt zurücktreten wird. Das Geschehen im Vorfeld der Abstimmung über den Verkauf der Liegenschaften an der Waldeggstrasse hatte Einfluss auf seine Entscheidung.
Roman Scherrer
Münchwilens Gemeindepräsident Guido Grütter tritt 2020 zurück – trotz Wiederwahl im vergangenen Februar. (Bild: Olaf Kühne)

Münchwilens Gemeindepräsident Guido Grütter tritt 2020 zurück – trotz Wiederwahl im vergangenen Februar. (Bild: Olaf Kühne)

Im Gemeinderat liess er die Bombe Mitte September platzen. Am Dienstagabend machte Münchwilens Gemeindepräsident Guido Grütter nun öffentlich bekannt, dass er per Ende Mai 2020 zurücktreten wird. Dies, nachdem er bei den Gesamterneuerungswahlen im vergangenen Februar zum zweiten Mal in seinem Amt bestätigt wurde. Der erste Wahlgang für die Ersatzwahl wird am 9. Februar 2020 stattfinden.

In der Mitteilung der Behörde ist der Entscheid damit begründet, dass Grütter zum Zeitpunkt seiner Demission sein 65. Altersjahr erreicht haben wird. Auf Anfrage erklärt Guido Grütter:

«Ich habe mir schon vor der letzten Wiederwahl Gedanken darüber gemacht.»

Dem endgültigen Entscheid sei ein langer Prozess vorangegangen. Die Frage stellt sich aber: Weshalb hat er den Entscheid gerade jetzt gefällt?

In der Medienmitteilung heisst es zwar, Grütter habe festgestellt, dass die grosse Mehrheit der Münchwiler dem Gemeinderat während der vergangenen Jahre weitgehend vertraut habe. Eine Minderheit sehe sich aber zusehends in der Rolle der Opposition, «die bei einzelnen Vorlagen mit unzutreffenden Aussagen Misstrauen gegen ihn, den Gemeinderat und die Behörden zu schüren versucht».

Zeitpunkt vor Abstimmung ist kein Zufall

Dass Grütter seinen Rücktritt im Vorfeld der Abstimmung am 20. Oktober über den Verkauf der drei Liegenschaften an der Waldeggstrasse bekannt gibt, ist denn auch kein Zufall, wie der Gemeindepräsident bestätigt:

«Die Argumentation und das Vorgehen der Vorlagen-Gegner waren mitentscheidende Faktoren.»

Das Nein-Komitee mit der Münchwiler SVP und den Grünen habe sich im Sommer formiert. Auf einem Flyer argumentiert es unter anderem mit ökologischen Bedenken zum geplanten Überbauungsprojekt «Riverenza» sowie damit, dass keine tragbare Lösung für den neuen Werkhof vorhanden sei. Den Anbau an das Feuerwehrgebäude – eine Variante, die der Gemeinderat prüft – sehen die Gegner nicht als Option, weil damit die Landreserve der Feuerwehr aufgebraucht würde.

Guido Grütter erklärt, dass er grundsätzlich keine Probleme mit Gegenargumenten habe. «Aber sogar der vormalige Feuerwehrkommandant bestätigt, dass die Feuerwehr keine Landreserve benötigt», sagt er beispielhaft dafür, dass er in der Argumentation der Gegner eine Sachlichkeit vermisst. Schon länger habe er festgestellt:

«Von Einzelnen werden Gehässigkeiten gegenüber der Behörde und Einzelpersonen geäussert, aber keine konstruktive Kritik oder Vorschläge.»

Das habe sich etwa in Leserbriefen gezeigt. Aber auch im ganzen Prozess, welcher der Vorlage zum Liegenschaftenverkauf voranging. «Es gab jahrelang die Möglichkeit, andere Vorschläge zu äussern. Aber nie ist jemand öffentlich aufgestanden», sagt Grütter.

Guido Grütter will mit dem Münchwiler Gemeinderat bis Ende Mai 2020 noch einiges erreichen. Im Bild von links: Gemeindeschreiber Daniel Peluso, die Gemeinderäte Pascal Leutenegger, Manfred Filliger, Jos-Reto Bernet, Susanne Falk, Enrico Kämpf, Gemeindepräsident Guido Grütter und Nadja Stricker. (Bild: PD)

Guido Grütter will mit dem Münchwiler Gemeinderat bis Ende Mai 2020 noch einiges erreichen. Im Bild von links: Gemeindeschreiber Daniel Peluso, die Gemeinderäte Pascal Leutenegger, Manfred Filliger, Jos-Reto Bernet, Susanne Falk, Enrico Kämpf, Gemeindepräsident Guido Grütter und Nadja Stricker. (Bild: PD)

Den Zeitpunkt seines Rücktritts hat er sich genau überlegt. Denn, egal wie die Abstimmung am 20. Oktober ausgeht: «Es wird klar sein, was zu tun ist. Die Umsetzung sehe ich als wichtige Aufgabe», sagt Guido Grütter. Zudem benennt er die Ortsplanungsrevision und – als Präsident der Regio Wil – den Entwicklungsschwerpunkt Wil West als Projekte, die er bis Ende Mai vorantreiben will. «Und Ende Jahr soll der Gemeinderat mit den Legislaturzielen eine saubere Grundlage haben.»

Die Regio Wil braucht ausgerechnet jetzt einen neuen Präsidenten

Der Rücktritt von Guido Grütter als Gemeindepräsident von Münchwilen bringt auch die Regio Wil in Bedrängnis: Grütter ist bis Ende Mai 2021 gewählter Präsident dieses 22 Gemeinden umfassenden Vereins. Zu den Kernaufgaben der Regio Wil zählt das Agglomerationsprogramm der Region Wil und damit die Standortentwicklung «Wil West» mit 2000 bis 3000 zukünftigen Arbeitsplätzen. Dieses Grossprojekt steht in den nächsten zwei Jahren vor entscheidenden Volksabstimmungen.

Gemäss Statuten muss das Regio-Wil-Präsidium von einem Gemeindepräsidenten beziehungsweise einer Gemeindepräsidentin ausgeführt werden. Infolgedessen hat Guido Grütter seinen Rücktritt auch von diesem Amt per Ende Mai 2020 eingereicht. Vorgesehener Nachfolger für die Amtsdauer 2021 bis 2024 ist der Uzwiler Gemeindepräsident Lucas Keel. Unklar ist, wer das Amt bis zu den Neuwahlen ausüben wird. «Wir werden das an der Vorstandssitzung vom 25. Oktober besprechen», sagt Regio-Wil-Geschäftsführerin Anne Rombach. (hs)

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