«Ich habe die Kraft nicht mehr»: Der Eschenzer Gemeindepräsident Claus Ullmann zieht aus gesundheitlichen Gründen die Notbremse und legt sein Amt nieder

Claus Ullmann tritt aus gesundheitlichen Gründen per sofort als Eschenzer Gemeindepräsident zurück. Für ihn übernimmt Vizepräsident Dominik Spycher. Der steht vor einer Herausforderung, denn auch zwei Gemeinderäte gehen.

Rahel Haag
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Seit 2010 führte Claus Ullmann als Gemeindepräsident von Eschenz durch die Versammlungen.

Seit 2010 führte Claus Ullmann als Gemeindepräsident von Eschenz durch die Versammlungen.

(Bild: Stefan Hilzinger, 27. Oktober 2016)

Zehn Jahre als Gemeindepräsident haben ihre Spuren hinterlassen. «Es war eine spannende Aufgabe, die ich gerne ausgeführt habe», sagt Claus Ullmann, «doch sie hat auch viel Kraft erfordert.» Aus sich abzeichnenden gesundheitlichen Gründen habe er die Notbremse ziehen müssen. Am 16. März war Ullmanns letzter Arbeitstag als Eschenzer Gemeindepräsident. Nun ist er krankgeschrieben.

Den Entschluss, aufzuhören, habe er relativ schnell gefasst. Vor gut zwei Monaten habe er angefangen, sich diesbezüglich Gedanken zu machen. «Vorher war das kein Thema», sagt Ullmann, «sonst hätte ich mich nicht nochmals zur Wahl gestellt.» Seit Anfang Februar habe er aber immer stärker gespürt, dass er nicht mehr die Kraft dazu habe.

«Dann macht man plötzlich grössere Fehler, das wollte ich vermeiden.»

Zudem sei es ein guter Moment, das Amt zu übergeben. «Wir konnten in den vergangenen Jahren viele grosse Projekte abschliessen», sagt Ullmann. Als Beispiele nennt er das Bau- sowie Gebührenreglement, die Zonenplanung und den Kiesabbau. Letzterer sei so weit aufgegleist, dass nur noch die Baubewilligung fehle. Er hatte das Amt 2010 in einer turbulenten Zeit übernommen.

Erst Gemeinderat, dann Vize und am Ende Präsident

Am 7. März 2010 wurden Claus Ullmann und Heidi Springmann in den Eschenzer Gemeinderat gewählt. Ihr Amt traten sie am 1. April an. Damals hatte Thomas Kraft das Amt des Gemeindepräsidenten inne. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Kraft reichte bereits Ende April 2010, nachdem er krankgeschrieben war, seinen Rücktritt ein. Zur selben Zeit legte auch Gemeinderat und Vizepräsident Werner Stauffer sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder.

Daraufhin wurde Claus Ullmann, Jahrgang 1957, zum neuen Vizepräsident gewählt und übernahm in Eschenz das Steuer. In einer Mitteilung hiess es damals, dass er langjährige Behördenerfahrung habe und sich am ehesten für die umfangreichen Aufgaben freimachen könne. Am 29. August desselben Jahres wurde Ullmann schliesslich zum Gemeindepräsidenten gewählt.

«Eschenz muss das Problem selber lösen»

Nun übernimmt in Eschenz Vizepräsident Dominik Spycher das Steuer. Er steht vor einer Herausforderung, denn nebst Ullmann haben auch die Gemeinderäte Hansruedi Buff und Erwin Bühler ihren Rücktritt eingereicht. Sie sagen dazu nur:

«Im Vorfeld wurde zu viel geredet, nun schweige ich, Eschenz muss das Problem selber lösen.»

Trotz dieser Aussage hält Spycher fest, dass der Eschenzer Gemeinderat, dem auch Heidi Springmann angehört, nicht zerstritten sei. Zudem seien Buff und Bühler bis auf weiteres im Amt. «Wir werden nun nach einer Lösung suchen», sagt Spycher. Wichtig sei, dass der Gemeinderat weiterhin handlungsfähig bleibe.

Dominik Spycher, Vizepräsident von Eschenz.

Dominik Spycher, Vizepräsident von Eschenz.

(Bild: Thi My Lien Nguyen)

Die Ersatzwahl wird voraussichtlich am 27. September stattfinden. «Wir brauchen etwas Vorlaufzeit, um Kandidierende zu finden.» Es liefen bereits Gespräche mit den Parteipräsidenten.

Auf die Frage, ob sich Spycher offiziell zur Wahl für das Gemeindepräsidium stellen will, reagiert er verhalten. «Eher nein.» Dieses Amt komme für ihn wohl nicht in Frage. Er sagt:

«Mir gefällt der Job als Gemeinderat.»

Es sei Zufall, dass er das Amt nun als Vizepräsident übernehme. «In Eschenz gibt es keinen fixen Vizepräsidenten.» Dieses Amt werde durch die restlichen vier Ratsmitglieder alternierend ausgeführt. Spycher hat es seit Mai 2019 inne.

TRIATHLON: Der eiserne Eschenzer Gemeinderat

Der Eschenzer Dominik Spycher hat sich gestern auf den Weg nach Hawaii gemacht, um an der Ironman-WM teilzunehmen. Für sein Hobby muss er Sport, Beruf und politisches Amt balancieren.
Christian Ruh