Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Kabarettist Bänz Friedli vor seiner Show in Stettfurt: «Ich gehe dorthin, wo’s weh tut»

Sein grösster Fehler war es, den Erfolg von Göla zu verkennen. Der Heimweh-Berner, Kolumnist und Kabarettist Bänz Friedli eröffnet mit seinem vierten Programm «Was würde Elvis sagen?» diesen Freitag die Saison im Kulturkeller Stettfurt.
Interview: Reinhold Hönle
Elvis Presley auf dem T-Shirt und im neuen Programm: Kabarettist und Kolumnist Bänz Friedli. (Bild: PD/Vera Hartmann)

Elvis Presley auf dem T-Shirt und im neuen Programm: Kabarettist und Kolumnist Bänz Friedli. (Bild: PD/Vera Hartmann)

Wo wären Sie heute, wenn es Elvis nicht gegeben hätte?

Bänz Friedli: Vermutlich würde ich auch hier sitzen und Ihnen ein Interview geben, aber ich hätte viel weniger Freude an meinem aktuellen Programm, bei dem Elvis mehr als nur Namensgeber ist. Seine Pionierrolle in der Musik ist unbestritten. Ob ohne ihn jemand anderer die kulturelle Revolution ausgelöst hätte, die er auslöste? Kann sein, weil die Zeit einfach reif war. Sicher ist: Es war eine moralische Befreiung Amerikas und der ganzen westlichen Welt.

Ein Salzburger Stier

Der in Zürich lebende Berner Kolumnist und Kabarettist Bänz Friedli (54) war lange als Fernseh-, Radio- und Printjournalist tätig. Ab 2000 machte er sich als Kolumnist einen Namen. 2015 erhielt er den wichtigen Kleinkunst-Preis «Salzburger Stier». «Was würde Elvis sagen?» ist sein viertes Programm. (red)
www.baenzfriedli.ch

Wie hat er sie geschafft?

Elvis sorgte mit seiner Musik und seinen Auftritten dafür, dass man sexuelle Bewegungen auf der Bühne machen durfte, er brachte das Sinnliche ins weisse Entertainment und lockerte generell die Sitten. Ich wäre vielleicht auch sonst Kabarettist geworden, stünde aber womöglich steif mit Krawatte auf der Bühne, dürfte nicht so frech sein und nicht mehrmals pro Abend «Huere Schiisdräck» sagen.

Das klingt, als hätte Sie weniger seine Musik als seine Biografie gepackt.

Das eine war die Folge des anderen, kam aber relativ spät. Ich war schon 30, als ich zusammen mit meiner Frau in Memphis Elvis’ Villa Graceland und die Sun Studios besuchte. Da gibt es tolle Führungen, bei denen man seine Musik aus den Original-Lautsprechern hört. Das ist mir wahnsinnig eingefahren – ein musikalisches Erweckungserlebnis.

Wie haben Sie – damals noch Musikjournalist – darauf reagiert?

Ich wollte alles wissen, sprach mit seinen Freunden, seiner Tochter und mit Menschen in seinem Geburtsort Tupelo, Mississippi. Manche werfen ihm vor, er habe die afroamerikanische Kultur geklaut – alle schwarzen Musiker, mit denen ich sprach, waren jedoch dankbar, dass er sie mehrheitsfähig gemacht und Rassenschranken abgebaut hat.

Elvis hat seine Show Las Vegas angepasst. Variieren Sie Ihr Programm auch je nach Auftrittsort?

Ich biedere mich nicht an, aber ich recherchiere und rede mit den Leuten, um zu erfahren, was sie gerade bewegt. Die Sanierung einer Kreuzung. Die Dreifachturnhalle, die das Dorf spaltet. Das A und O eines Theaterabends ist es, dem Publikum zu zeigen: Heute bin ich hier bei euch. Es ist nicht Fernsehen, keine Konserve. Ich bin in Möriken, Stettfurt oder Domat/Ems. Das ist zum Beispiel ein Ort, der mich sehr herausgefordert hat, als ich merkte, dass Frau Martullo-Blocher entgegen meinen Erwartungen eine Lokalheilige ist. Grundsätzlich kommt breites Züritüütsch dort zwar nicht so gut an, doch sie ist mit der Ems-Chemie die grösste Arbeitgeberin im Kanton. Beim Vater ist das nicht anders. Als ich mich an seinem Wohnort Herrliberg über ihn lustig machte, hielt der Saal den Atem an. Aber davor habe ich keine Angst. Ich gehe gerne dorthin, wo’s weh tut, nicht nur bei Exponenten der SVP.

Als Musikjournalist waren Sie der Interviewer, heute werden Sie interviewt. Welche Gefühle weckt das?

Mir tun die immer leid, die das nachher transkribieren müssen. Es gibt viele positive Überraschungen mit Zeitungen, von denen man als überheblicher Zürcher sagen würde, es seien «Blättli vom Land». Da kommen interessierte Journalisten, die sorgfältig arbeiten. Auch eine Gymnasiastin hat mich beeindruckt. In ihrer Matura-Arbeit über die Kolumnen von Michèle Roten, Gisela Widmer, Max Küng und mir hat sie saugut analysiert, wie diese aufgebaut sind, welche Sprachspiele wir benutzen. Sie zeigte mir meine Schreibtechnik auf, ich war sprachlos.

Bänz Friedli. (Bild: PD/Vera Hartmann)

Bänz Friedli. (Bild: PD/Vera Hartmann)

Waren Sie danach nicht befangen?

Doch, wenn du erfährst, wie dein Strickmuster funktioniert, musst du zu einer neuen Naivität zurückfinden, sonst kannst du nicht mehr schreiben. Ich hoffe zwar nicht, dass all meine Kolumnen gleich tönen, aber es ist schon immer eine Gratwanderung zwischen der eigenen Handschrift und der schieren Wiederholung.

Was war Ihr grösster Irrtum?

Als Journalist? Ich verriss im Nachrichtenmagazin «Facts» das erste Album von Gölä. Das war die Zeit, in der man dieses und jenes gut oder schlecht finden musste, wenn man sich in einem urbanen Umfeld bewegte. Er aber verkaufte unglaubliche 360'000 Alben. Es war das erste Mal in der Mundart-Rockmusik, dass jemand, der nicht aus der städtischen, links-intellektuellen Ecke kam, grossen Erfolg hatte. Gölä hat der schweigenden Mehrheit in unserem Land aus den Herzen gesungen.

Freitag, 20.September, 20 Uhr, Kulturkeller, Stettfurt: Bänz Friedli «Was würde Elvis sagen?»
www.kultur-keller.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.