Abtretende Berufsrichterin Christine Steiger: «Ich freue mich auf mehr Freizeit und mehr Spontanität»

Nachgefragt bei Christine Steiger

Samuel Koch
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Christine Steiger, Bezirksrichterin von 2003 bis 2019. (Bild: Samuel Koch)

Christine Steiger, Bezirksrichterin von 2003 bis 2019. (Bild: Samuel Koch)

Das Frauenfelder Bezirksgericht beschäftigt vier Berufsrichter, die alle vier Jahre neu gewählt werden, zuletzt 2016. Damals schafften alle Bisherigen die Wiederwahl: Gerichtspräsident Rudolf Fuchs (CVP), Frauenfeld, Vizepräsidentin Irene Herzog (SVP), Hüttwilen, René Hunziker (FDP), Frauenfeld, und Christine Steiger (SP), Steckborn. Letztere tritt Ende Mai 2019 zurück, wie der Regierungsrat mitgeteilt hat.

Christine Steiger, weshalb treten Sie genau jetzt zurück?

Ich trete ein Jahr vor meiner ordentlichen Pensionierung zurück. Ich übe das Richteramt sehr gerne aus, möchte nun aber mit Blick auf mein Alter die glücklicherweise wiedererlangte Gesundheit und die nicht unbeschränkte Lebenszeit das Berufsleben hinter mir lassen.

Basiert der Rücktritt auch auf parteistrategischen Überlegungen, um den Sitz in den Händen der SP zu halten?

Nein, der Entscheid ist ein rein persönlicher, den ich nach reiflicher Überlegung und auch nach Rücksprache mit dem Obergericht und dem DJS gefällt habe.

Taktisch ist es aber sicher praktischer für einen Nachfolger, wenn er sich nicht mit dem Gesamtgremium bei den ordentlichen Wahlen aufstellen lassen muss.

Auf welche Höhepunkte blicken Sie zurück?

Eigentliche Höhepunkte gibt es nicht. Ich mache meine Arbeit gerne und freue mich, wenn ein Streit mit einem Vergleich beigelegt werden kann und sich keine Pendenzen aufhäufen.

Sie erlangten landesweite Aufmerksamkeit mit dem Selbstversuch in Neunforn, womit das Gericht eine angeklagte Autofahrerin freisprach, die einen Betrunkenen überfahren hatte.

Das war vor allem in den Boulevardzeitungen und im Internet ein Thema. Der Hype hat sich aber wie erwartet auch ziemlich schnell wieder gelegt.

Engagieren Sie sich trotz des Rücktritts als Bezirksrichterin weiterhin im Grossen Rat?

Es ist mir eine Freude, dass ich mich als Kantonsrätin nach wie vor für den Kanton einsetzen darf.

Ansonsten engagiere ich mich seit September im Stiftungsrat der Stiftung Andante.

Bleiben Sie als Zürcherin in Steckborn wohnhaft?

Ja, ich und mein Mann fühlen uns in Steckborn sehr wohl und geniessen die schöne Lage mitten im Städtli sowie die Nähe zum See. Zürich wäre mir heute zu hektisch. Und jetzt freue ich mich auf mehr Freizeit und mehr Spontanität – für Musik, Theater, Bewegung oder Reisen.