Hüttwilen
Das ist definitiv kein Abgang aus Langeweile: Gemeindepräsident Hanspeter Zehnder kündigt nach sechs Jahren im Amt seinen Rücktritt auf nächsten Sommer an

Im August 2021 kommt er ins ordentliche Pensionsalter. Zeit, um sich privat mehr Freiraum zuzugestehen, findet der Hüttwiler Gemeindepräsident Hanspeter Zehnder und wird per Ende Juli 2021 sein Amt nach sechs Jahren zur Verfügung stellen.

Mathias Frei
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Bleibt bis 31. Juli 2021 Hüttwiler Gemeindepräsident: Hanspeter Zehnder.

Bleibt bis 31. Juli 2021 Hüttwiler Gemeindepräsident: Hanspeter Zehnder.

Reto Martin

Wenn ein Tag nicht nur 24, sondern 36 Stunden dauern würde, dann hätte Hanspeter Zehnder diesen Entscheid noch hinausgezögert. Aber es ist so, wie es ist. Und der Hüttwiler Gemeindepräsident hat seinen Rücktritt angekündigt. Bis 31. Juli 2021 bleibt er noch im Amt.

«Ich komme nächsten August ins Pensionsalter.»

Das sagt er. Zeit für den nächsten Schritt, um sich privat und – im kleinen Ausmass – auch beruflich mehr Freiraum zu schaffen. Im Januar 2015 schaffte er die Wahl ins Präsidium der Seebachtalgemeinde. «Eigentlich wollte ich zwei Legislaturen machen.» Nun werden es sechs Jahre.

Hanspeter Zehnder an der Hüttwiler Budgetgemeinde im Dezember 2019.

Hanspeter Zehnder an der Hüttwiler Budgetgemeinde im Dezember 2019.

Bild: Claudia Koch

Zehnder hat ein 70-Prozent-Pensum. Daneben ist er ein Ein-Mann-Unternehmen, hat Bildungsprojekte realisiert und an verschiedenen Fachhochschulen unterrichtet. «Ich wusste von Anfang an, dass das Präsidium kein Vollamt ist. Das ging für mich gut. Ich bin flexibel.» Doch daneben nur 30 bis 40 Prozent Herzblut für seine Bildungsprojekte? «Schwierig», meint Zehnder. Mit der Pensionierung will er sich die Freiheit nehmen, auf die regelmässigen Engagements zu verzichten, um sich nur noch auf Projekte zu konzentrieren.

Die bisweilen hilfreiche Sicht von aussen

Zehnder war Quereinsteiger, als er die Wahl schaffte – und Zugezogener. Seine Frau stammt aus Hüttwilen, er aber lebt erst seit 1990 im Dorf. Vielleicht sei die Aussensicht bisweilen hilfreich, sagt er. Vor allem aber brachte und bringt der heute 64-Jährige seinem Gegenüber stets Empathie entgegen. «Das Amt ist unglaublich vielseitig», freut sich Zehnder. Er habe es aus Überzeugung und mit Freude ausgeübt. Was er festgestellt hat:

«Etwas anzupacken, ist nicht der bequeme Weg.»

Wer mache, biete stets auch Angriffsfläche. Aber Zehnder war nie der Typ, der nur verwaltet, vielmehr wollte und will er eben machen, die Gemeinde weiterbringen, entwickeln. «Für Innovation ist Hüttwilen keine schlechte Gemeinde.»

Kurz nach Amtsantritt im Jahr 2015 führte der Gemeinderat einen Strategieworkshop. «In Themen wie der Energiepolitik oder der Raumplanung konnten wir seither etwas erreichen», sagt Zehnder. Auch bei der öffentlichen Infrastruktur hat sich vieles zum Besseren gewendet. «Ich denke zum Beispiel an die neue Energiekommission oder an die Kita, die wir nun im Dorf haben.» In der Ortsplanung, habe er festgestellt, könne man es nie allen recht machen. Oft würden Einzelinteressen zu stark gewichtet.

17.Januar 2015: Die neu gewählten Mitglieder des Hüttwiler Gemeinderates, nämlich Christoph Isenring, Evelyne Hagen, Hanspeter Zehnder und Daniel Bauer.

17.Januar 2015: Die neu gewählten Mitglieder des Hüttwiler Gemeinderates, nämlich Christoph Isenring, Evelyne Hagen, Hanspeter Zehnder und Daniel Bauer.

Bild: Donato Caspari

Wann die Präsidiumsersatzwahl stattfindet, ist noch nicht bekannt. Zehnder blickt aber guten Mutes in die Zukunft.

«Wir sind als Landgemeinde gut aufgestellt.»

Der Gemeindeverwaltung spricht er ein grosses Lob aus. Ziel müsse eine weitere Professionalisierung sein. Da sei man dank verschiedener Formen der Zusammenarbeit auf gutem Weg. Sei es bei der Feuerwehr, beim Abwasser, den Sozialen Diensten oder auch dank der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb).