Holperpiste in Wagenhausen erhält eine Kur

Die Gemeinde Wagenhausen bekommt bis zum Jahr 2021 eine komplett neue Ortsdurchfahrt. Bis dahin sind aber alle gefordert.

Samuel Koch
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«Im Bauwesen ist doch jeder vom Fach.» Das meint Projektleiter Patrick Haltner mit einer Prise Ironie zu bevorstehenden Telefonanrufen, wenn sich Betroffene über die bald beginnende Grossbaustelle in Wagenhausen beschweren. Ab Montag in einer Woche, 19. August, starten die umfangreichen Arbeiten an dem rund 1,3 Kilometer langen Hauptstrassenabschnitt der H13, auf welcher laut Statistik täglich bis zu 7500 Fahrzeuge unterwegs sind.

Die Kur für die Hauptstrasse beginnt bei der östlichen Ortseinfahrt von Stein am Rhein her und erfolgt etappenweise bis zum westlichen Dorfausgang beim Camping. Die Sanierung erstreckt sich voraussichtlich bis ins Jahr 2021. Total kosten die Tiefbauarbeiten 3,7 Millionen Franken, die Gemeinde beteiligt sich mit gut 200'000 Franken. Knapp ein Viertel der Gesamtkosten fliessen in neue Werkleitungen.

Haltner vom kantonalen Tiefbauamt und Bauingenieur René Stadelmann haben sich über die Jahre ein dickes Fell gegen kritische Stimmen zugelegt. «Wir haben es hier mit einer 0815-Baustelle zu tun», meint Haltner. Die zwei gegen die Sanierung eingegangenen Einsprachen wegen der Verkehrsführung oder der Sicherheit seien ein Lob für die vorgängigen Planungsarbeiten. «Das sind aussergewöhnlich wenige», meint Haltner. Nach seiner Stellungnahme und einem sogenannten «Road-Safety-Audit» bei einem externen Gutachter wurden beide Einsprachen abgewiesen. Den Bauarbeiten, die an den bereits ersetzten Durchlass beim Tobelbach anknüpfen, steht also nichts mehr im Weg.

Mehr Inseln und Streifen, weniger Parkplätze

Die ganze Hauptstrasse in Wagenhausen gleicht einem Flickenteppich, Haltner spricht gar von einer Holperpiste. Deshalb erhält die Strasse einen neuen Belag. Er meint:

«Die H13 bekommt einen lärmarmen, den neuesten, den es gibt.»

Die Anzahl Verkehrsinseln verdoppelt sich von derzeit zwei auf vier. Beim Camping gibt es einen sogenannten Mehrzweckstreifen, der allen Verkehrsteilnehmern als Einspurhilfe dient. Zudem müssen die zwei Längsparkplätze in der Nähe vom Volg weichen. «Sie sind zu gefährlich und werden ersatzlos gestrichen», meint Stadelmann. Die Strasse erhalte nicht nur optisch eine Aufwertung, sie werde auch klarer strukturiert.

Bauingenieur René Stadelmann und Projektleiter Patrick Haltner. (Bild: Samuel Koch)

Bauingenieur René Stadelmann und Projektleiter Patrick Haltner. (Bild: Samuel Koch)

Vollsperrung während mindestens vier Tagen

Während die Bauarbeiter den beschädigten Asphalt durch einen Rohbelag ersetzen, wird der Verkehr vermutlich bis Ende 2020 mit einer Lichtsignalanlage einspurig geführt. Für den finalen Deckbelag muss die Hauptstrasse – wohl erst im Jahr 2021 – während mindestens vier Tagen vollständig gesperrt werden. «Das ist leider unausweichlich», meint Haltner und erwähnt Qualität sowie Arbeitssicherheit.

Während dieser Zeit kommen Anwohner mit ihrem Auto nicht mehr zu ihren Liegenschaften, und der komplette Verkehr muss umgeleitet werden. Wichtig erscheint Haltner, dass Wagenhausen, seine Einwohner und alle Verkehrsteilnehmer trotz anfänglichem Stau und Lärm später einen Nutzen aus der langen Bauphase ziehen:

«Klar, am Anfang sind immer alle genervt, aber am Schluss haben doch alle etwas davon.»